Giancarlo Losma, Präsident des italienischen Werkzeugmaschinenverbands UCIMU.

Giancarlo Losma, Präsident des italienischen Werkzeugmaschinenverbands UCIMU.

Herr Losma, wie geht es der italienischen Werkzeugmaschinenindustrie derzeit?

Nach der weltweiten Krise in dieser Branche erholen sich die italienischen Hersteller gerade. Während des letzten Jahres legte der Auftragseingang um 36 Prozent zu und im ersten Quartal 2011 nochmal um 19 Prozent. Ich bin überzeugt, dass dieses Wachstum mindestens im laufenden Jahr anhalten wird. Insgesamt ist Italien weltweit der viertgrößte Werkzeugmaschinenproduzent. Dies ist der Beweis für die nach wie vor hohe Wettbewerbsfähigkeit von Werkzeugmaschinen “Made in Italy”.

Wodurch zeichnen sich italienische Werkzeugmaschinen aus?

Das Rückgrat der italienischen Werkzeugmaschinenindustrie sind hochspezialisierte mittelständische Unternehmen. Ihre Stärke sind maßgeschneiderte, flexible und hochproduktive Maschinen und Anlagen für besonders anspruchsvolle Kunden. Dagegen gibt es in Italien kaum Hersteller, die Standardmaschinen in großen Stückzahlen herstellen und verkaufen. Das können beispielsweise asiatische Hersteller besser. Wir dagegen setzen alles daran, unseren technologischen Vorsprung zu halten und auszubauen. Deshalb investieren italienische Hersteller auch viel in Forsching und Entwicklung. Ein Schwerpunkt dabei sind Maschinen, die besonders sicher sind und unter Einbeziehung ökologischer Kriterien konstruiert, gebaut und betrieben werden. Wir von UCIMU unterstützen italienische Hersteller dabei nach Kräften, beispielsweise mit Empfehlungen oder einem Label für besonders energieeffiziente Maschinen.

 Wie wichtig ist der deutsche Markt für italienische Hersteller?

Deutschland ist traditionell der wichtigste und größte Markt Europas für uns und andersherum ist es genauso. Das bedeutet, dass Deutschland und Italien die bedeutensten “Werkzeugmaschinen-Nationen” in Europa sind. Unser Kontinent darf diese Kompetenz angesichts der Bedeutung dieser Schlüsselbranche für die gesamte Industrie nicht verlieren. Die deutsche und italienische Werkzeugmaschinenindustrie sollte daher noch stärker kooperieren, um dem weltweit zunehmenden Wettbewerbsdruck auch künftig erfolgreich widerstehen zu können. Dabei denke ich beispielsweise an die gemeinsame Definition hoher Standards in Bezug auf Umweltfreundlichkeit und Arbeitssicherheit. Dazu kooperieren wir von UCIMU schon länger intensiv mit unseren Kollegen vom deutschen Werkzeugmaschinenverband VDW und dem europäischen Dachverband CECIMO.

Die italiensichen Hersteller exportieren viel, gleichzeitig stagniert der Inlandsmarkt. Warum?

Ja, der italiensiche Markt für Werkzeugmaschinen ist leider ziemlich schwach. Das bereitet uns durchaus Sorgen, da rund 20 Prozent unserer Werkzeugmaschinen älter als 20 Jahre sind. Es gibt also eigentlich einen erheblichen Modernisierungsbedarf in Italien. Besonders wichtig wäre dies auch mit Blick auf die mangelnde Sicherheit und Umweltverträglichkeit alter Maschinen. Hierbei würden wir uns auch von unserer Regierung mehr Unterstützung erwarten, da viele Vorschriften veraltet sind.

Eine abschliessend eher philosophische Frage: Glauben Sie, dass der Europäische Gedanke Zukunft hat?

Ich hoffe es. Wenn Europa ins Trudeln kommen würde, gäbe es nicht nur wirtschaftlich weltweit ernsthafte Probleme.

von Sebastian Moser