Gene Haas, Gründer und Inhaber von Haas Automation.

Gene Haas, Gründer und Inhaber von Haas Automation.

Herr Haas, abgesehen von Ihrem Unternehmen gibt es in den USA kaum noch Werkzeugmaschinenbau. Warum?

Das große Sterben der US-amerikanischen Werkzeugmaschinenbauer passierte zwischen 1960 und 1980. Länder wie Deutschland oder Japan hatten hochqualifiziertes Personal und einen währungsbedingten Vorteil aufgrund des damals sehr starken US-Dollars. Deshalb konnten sie ihre Maschinen vergleichsweise günstig anbieten. Gleichzeitig war dies die Zeit, in der der weltweite Handel begann. Der Todesstoß für den US-amerikanischen Werkzeugmaschinenbau kam aber in den 1970er Jahren. Ronald Reagan schob damals die „New Economy“ mit dem IT-, Finanz- und Dienstleistungssektor an. Mit deren Renditen konnte die „Old Economy“ wie der Maschinenbau nicht mitthalten. Da waren Computer, Finanzen, Börsen und Dienstleistungen für Amerikaner schlicht lukrativer und hinsichtlich der Arbeitsbedingungen attraktiver. Also machten andere Ländern wie Japan oder Deutschland das Rennen in der „Old Economy“ wie dem Werkzeugmaschinenbau. Nicht zuletzt, weil es in den USA keinerlei politische Unterstützung für diese Branchen gab.

 Aber Ihr Präsident versucht doch derzeit die Old Economy in den USA mit einem 500 Mio Dollar Invest zu beleben?

Ich glaube nicht, dass das etwas bewirken wird. Die freien Märkte sind stärker und es gibt Länder, mit denen die USA in der Old Econmy wettbewerbsmäßig einfach nicht mithalten können. Als Verbraucher kaufe ich ein vergleichbares Produkt aus den USA nun mal nicht, wenn es doppelt so teuer ist. Dazu kommt, dass es in den USA kaum noch Menschen gibt, die willens und ausreichend qualifiziert für die Arbeitsplätze der Old Economy sind.

 Trotzdem ist Ihr Unternehmen sehr erfolgreich. Wie ist das möglich?

Wir haben unsere Fertigungsprozesse standardisiert und jeden Arbeitsschritt so einfach wie möglich gestaltet. Gleichzeitig sind wir mit dem Maschinenpark unserer eigenen Fertigung auf dem neuesten Stand und nutzen konsequent alle Möglichkeiten neuester CAD/CAM-Programme und CNC-Steuerungen. Da wir in den 1980ern bei Null anfangen mussten, konnten wir unbefangen stets den besten Weg finden und auch hinsichtlich unserer Arbeitsstrukturen immer mit der Zeit gehen. Dagegen hatten die alten US-amerikanischen Werkzeugmaschinenhersteller einen veralteten Maschinenpark und überkommene Arbeitsstrukturen. Zudem haben sie damals schlicht übersehen, dass es auch in den USA trotz New Economy und NASA einen riesigen Bedarf  für Werkzeugmaschinen gab. Deshalb haben wir uns früh auf Standardmaschinen in großen Stückzahlen zum günstigen Preis konzentriert und unsere Strukturen ständig entsprechend optimiert. Diese Rechnung ging für uns voll auf, es gibt aber viele weitere Erfolgsfaktoren.

Sie hatten also eine Vision. Welche Vision haben Sie in diesen unruhigen Zeiten?

Ich denke, wir stehen vor bewegten Zeiten mit dramatischen Umbrüchen und einem neuen Zeitalter. Immer mehr Aufgaben können durch die neuen Möglichkeiten des IT-Zeitalters ohne Menschen erledigt werden. Es wird deshalb zu Massenentlassungen kommen und dies wird für die Industrieländer eine extrem schwierige und gefährliche Zeit. In den USA haben wir immerhin den Vorteil, dass die Arbeitnehmer vergleichsweise flexibel sind. Sie sind es gewohnt, sich nach der Entlassung schnell einen neuen Arbeitsplatz auch in einer anderen Branche zu suchen. Das ist auch gut so: Wenn ein Unternehmen oder eine Branche stirbt, sollte man die Leute möglichst schnell ziehen lassen. Sie können sich dann rechtzeitig umorientieren denn gleichzeitig gibt es immer neue Branchen mit Zukunftsperspektiven.

Ist Ihr Unternehmen auf diese Umbrüche vorbereitet?

Für uns als Werkzeugmaschinenhersteller wird sich hoffentlich nicht so viel ändern. Für alle materiellen Bedürfnisse der Menschen braucht es nun mal Werkzeugmaschinen. Und mein Unternehmen ist fit für diese Zukunft.