Glencore-Chef macht Hedgefonds für niedrige Kupferpreise verantwortlich 1

Hedgefonds, insbesondere in China, hielten die Kupferpreise künstlich niedrig, sagte er. "Die Fonds spielen den Rohstoffzyklus, doch letztendlich werden die Fundamentaldaten maßgebend sein." Auch die Tatsache, dass der Schweizer Rohstoffhandelsriese mit der Schließung von zwei Kupferminen in Afrika 400.000 Tonnen aus dem Markt nehmen werde, "sollte eine Auswirkung auf den Preis haben", da es letztlich mehr Nachfrage als Angebot geben werde.

Glencore habe dieses Jahr bei Rohstoffen wie Kupfer wegen der Preisrückgänge einen "massiven Lagerabbau weltweit" erlebt. Es sei nur noch für drei Wochen Kupfer in den Lagern vorrätig. "Das ist der niedrigste Lagerbestand, den ich bei Kupfervorräten seit vielen Jahren gesehen habe", erklärte er.

Glencore ist besonders anfällig, wenn die Preise für Kupfer zurückgehen. Das Unternehmen mit Hauptsitz im schweizerischen Baar förderte im ersten Halbjahr 730.900 Tonnen Kupfer. Ein 10-prozentiger Preisrückgang von dem Niveau, auf dem Kupfer in der ersten Jahreshälfte notierte, würde Glencores bereinigten Gewinn um rund 1 Milliarde US-Dollar schmälern, schätzt Ben Davis, Analyst bei Liberum Capital. Ein 10-prozentiger Anstieg indes wäre ein Segen für Glencore und würde Sorgen über den hohen Schuldenberg des Konzerns zerstreuen helfen, erklärte er.

Der Rohstoffpreisverfall drückte dieses Jahr auf Glencores Bilanz. In den ersten sechs Monaten verzeichnete Glencore einen Verlust von 676 Millionen Dollar und das hohe Schuldenniveau schürte Sorgen, dass die Ratingagenturen die Bonität bei anhaltenden Ergebnisrückgängen herabstufen könnten.

Diese Bedenken versuchte Glasenberg in Gesprächen unter anderen mit Investoren und Banken auszuräumen. Der CEO hält die Marktreaktion auf die finanzielle Lage von Glencore laut Gesprächspartnern für übertrieben, räumte aber Risiken ein, wenn in Zeiten schwacher Rohstoffpreise ein Unternehmen zu hohe Schulden habe und zu viele Minen besitze.

Wegen dieser Bedenken kamen die Aktien von Glencore unter Druck, vergangene Woche brachen sie zeitweise um 29 Prozent ein. Am Montag ging es indes in die andere Richtung, als die Aktien zum Handelsstart an der Londoner Börse um bis zu 20 Prozent stiegen. Auslöser für das Kursfeuerwerk war ein Bericht in der britischen Zeitung Telegraph, wonach Glencore nun offen für Übernahmen sei. Zudem soll eine der Hausbanken, die Citigroup, eine Lösung des Verschuldungsproblems in einem "Going Private" sehen und es ein Kaufinteresse am gesamten Agrargeschäft durch den Staatsfonds Singapurs und andere geben. Die Citigroup schätzt den Wert der Geschäftssparte auf rund 10,5 Milliarden Dollar.

Trotz der Kursexplosion haben die Aktien dieses Jahr bislang fast zwei Drittel nachgegeben. Die Glencore-Führungsspitze hat nicht nur eine Kommunikationsoffensive gestartet, sondern auch Vermögenswerte verkauft und eine Kapitalerhöhung über 2,5 Milliarden Dollar durchgeführt, um so ein Ausbluten des Unternehmens zu stoppen. Glencore selbst bezeichnet seine Finanzen als solide und angesichts von Kreditlinien von mehr als 60 Banken als intakt.