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Die Machtübernahme der umstrittenen Investorenfamilie Hastor beim bayerischen Autozulieferer Grammer ist gescheitert. - Bild: Grammer

Die Hauptversammlung lehnte die beantragte Absetzung des gesamten Vorstands und Neubesetzung des Aufsichtsrats in Amberg ab. Zugleich erteilte sie den Führungsgremien die Entlastung. Insgesamt waren 67 Prozent des Grundkapitals vertreten. Die sehr hohe Präsenz zeigt nach Auffassung von Grammer die Bedeutung der diesjährigen Hauptversammlung und das Interesse der Aktionäre, einer Kontrollübernahme durch einen Minderheitsaktionär entgegenzuwirken.

Alle Anträge der Grammer-Führung seien mit großer Mehrheit angenommen worden, teilte das Unternehmen mit. Entsprechend haben die Aktionäre auch gegen den zuletzt beabsichtigten Austausch von drei Aufsichtsratsmitgliedern gegen Kandidaten der Cascade International Investment gestimmt, die der Hastor-Familie gehört.

Grammer sucht den Schulterschluß mit Ningbo Jifeng

Die Linie des Grammer-Managements wird vom chinesische Großaktionär Ningbo Jifeng unterstützt, der seine Anteile zuletzt auf gut 15 Prozent aufstockte. Grammer hatte sich Anfang des Jahres mit dem langjährigen Partner gegen den Hastor-Einfluss verbündet.

Klare Ansage der Aktionäre gegen Hastor

Der Entscheidung war eine achtstündige, teilweise turbulente Debatte vorausgegangen. Die Abstimmung fiel dann deutlich aus. Die Hastors sind mit gut 23 Prozent der Anteile größter Grammer-Aktionär. Auf der Hauptversammlung waren allerdings 67,3 Prozent der Aktien vertreten - ungewöhnlich viele für Grammer. Hastor-Anwalt Franz Enderle kündigte aber bereits Widerspruch gegen sämtliche Beschlüsse an.

Hastor wollte auf der Grammer-Hauptversammlung an diesem Mittwoch fünf Aufsichtsräte abwählen und den Vorstand absetzen. Der Amberger Automobilzulieferer fürchtet um sein Geschäft, weil sein größter Kunde Volkswagen mit Hastor-Firmen schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Machtkampf mit Wirtschaftkrimi-Charakter

Bei Grammer tobt seit geraumer Zeit ein Machtkampf. Der Konzern versucht sich, gegen den Industriellenclan Hastor zur Wehr zu setzen, der über zwei Gesellschaften mit rund 20 Prozent an Grammer beteiligt ist. Die Familie will bei Grammer durchregieren und auch den Chef ablösen. Aufsichtsratsposten sollen mit Vertrauten besetzt werden.

Wegen des tobenden Machtkampfes hielten sich die Kunden zuletzt zurück. Die Aufträge sind im ersten Quartal massiv eingebrochen. Dabei ist Grammer für die großen deutschen Automobilhersteller von großer Bedeutung.

Die Hastors sind in der Branche alles andere als unbekannt. Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich Unternehmen der Gruppe einen Streit mit Volkswagen geliefert und die Fertigung des Autokonzerns vorübergehend lahmgelegt.