Grammer

Grammer hat seinen Gewinn vergrößert. - Bild: Grammer

Der Umsatz kletterte, wie bereits Ende April berichtet, um 7,5 Prozent auf 458 Millionen Euro. Grammer begründete den überproportionalen Gewinnzuwachs mit Kostensenkungen und dem Anlauf neuer Projekte.

Im Machtkampf mit der Hastor-Familie warnte das Amberger Unternehmen erneut vor einer möglichen "substanziellen Gefährdung". Nicht nur die Auftragslage, sondern auch die Zukunft von Grammer könnten bei einer "maßgeblichen Einflussnahme oder gar Kontrollwechsel" auf dem Spiel stehen. Im Bereich Automotive verzeichnet das Unternehmen bereits einen "spürbaren Rückgang" der Auftragseingänge.

Showdown kommende Woche

Der Industriellen-Clan Hastor ist über zwei Investmentfirmen mit einem Anteil von über 20 Prozent der mit Abstand größte Aktionär des SDAX-Unternehmens. Die bosnische Investorenfamilie will den Grammer-Chef ablösen und fordert mehrere Aufsichtsratssitze. Bei der für kommende Woche Mittwoch geplanten Hauptversammlung wird es zur Kampfabstimmung unter den Aktionären kommen.

Grammer wirbt daher intensiv bei den Eignern für die Teilnahme an dem Aktionärstreffen, um den Einfluss der Hastor-Familie zu begrenzen. Eigenen Angaben zufolge hat sich der Autozulieferer bereits die Unterstützung der Aktionärsberater ISS, Glass Lewis sowie Ivox gesichert. Zudem haben die deutschen Aktionärsvertreter Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK) und Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) angekündigt, Grammer zu unterstützen.

Video: Grammer Competence Center Amberg 

 

"Vorentscheidung" eventuell schon Dienstag

Möglicherweise könnte dem chinesischen Konzern Ningbo Jifeng bei der Hauptversammlung entscheidende Bedeutung zukommen. Grammer hatte sich Anfang des Jahres inmitten des Abwehrkampfes mit dem langjährigen Partner verbündet, der mittlerweile auf einen Anteil von rund 11 Prozent kommt. Allerdings geht Hastor juristisch gegen die Ausgabe von Grammer-Aktien über eine Pflichtwandelanleihe an die Chinesen vor.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Ende April die Vollstreckung einer einstweiligen Verfügung der Hastor-Gesellschaft Prevent gegen Grammer einstweilig eingestellt. Damit war zunächst der Weg für Ningbo frei. Am morgigen Dienstag wird es eine weitere, möglicherweise die entscheidende Verhandlung des Gerichts zu dem Thema geben.

Grammer hat sich vor allem auf die Innenausstattung von Fahrzeugen spezialisiert und beschäftigt etwa 15.000 Mitarbeiter. An der Börse wird das Unternehmen derzeit mit rund 613 Millionen Euro bewertet.

Die Hastors dürften vielen Beobachtern noch aus dem vergangenen Jahr in Erinnerung sein: Im Sommer hatten sich Unternehmen der Gruppe einen Streit mit Volkswagen geliefert und die Fertigung des Autokonzerns vorübergehend lahmgelegt.