GROB Mindelheim

Wächst und wächst: Der Stammsitz des Werkzeugmaschinenbauers Grob in Mindelheim. Allein am Stammsitz Mindelheim hat Grob in den letzten drei Jahren über 150 Mio Euro investiert.

Dem deutschen Werkzeugmaschinenbau geht es derzeit gut. Aber manchen geht es besser: Die Grob-Werke in Mindelheim haben ihren jährlichen Umsatz in den letzten paar Jahren auf derzeit über eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt. Haupttreiber dieses rasanten Wachstums war und ist das Projektgeschäft.

Aber auch im Flächengeschäft punktet das Unternehmen seit einigen Jahren und dieser Bereich macht mittlerweile rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Geheimrezept: Als familiengeführtes Unternehmen sind die Entscheidungswege kurz und pragmatisch. Gleichzeitig setzt Grob auf eine besonders hohe Eigenfertigungstiefe. Auch wichtig: Grob operiert global und kann so stets Schwankungen in lokalen Märkten kompensieren. Da sehr viele OEM und Zulieferer Kunde sind, können Durststecken bei einzelnen Kunden ebenfalls aufgefangen werden.

Dazu German Wankmiller, Vorsitzender der Geschäftsführung: "Der Markt für Automobile wächst weltweit weiter. Wenn ein OEM schwächelt, geht es einem anderen umso besser". Dabei ist der Erfolg hart erkämpft: Der Werkzeugmaschinenbau ist die Königsdisziplin des Maschinenbaus und im Werkzeugmaschinengeschäft wiederum ist das Projektgeschäft Königsdisziplin. Grob hat sich in diesem Segment seit einigen Jahrzehnten hervorragend geschlagen und fährt heute mehr denn je den Preis für diesen Fleiß ein.

Trotzdem sind die Führungskräfte des Unternehmens professionell zurückhaltend und überlassen das "Showgeschäft" gerne den Führungskräften anderer Werkzeugmaschinenbauer. Von der "harten Schule" des Projektgeschäfts profitiert das Unternehmen auch beim Flächengeschäft: Pragmatisch, professionell und höchst erfolgreich hat sich das Unternehmen in diesem Markt positioniert.

Trotz der hervorragenden Zahlen für sein Unternehmen berichtet Christian Grob, Generalbevollmächtigter der Grob-Werke, von viel Unruhe auf dem Weltmarkt für Werkzeugmaschinen. "Besonders unser Heimatmarkt Deutschland und der europäische Markt sind von Zurückhaltung und schwachem Wachstum geprägt", so Grob weiter. Da sein Unternehmen hauptsächlich von der Bearbeitung von Bauteilen für Verbrennungsmotoren lebt, bereitet ihm auch die Zukunftsfähigkeit dieser Technologie vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung Sorgen. "Wir müssen uns den Herausforderungen der zukünftigen E-Mobilität stellen", bilanziert Grob.

Aktuell sei die Auftragslage und Reichweite mit gesicherten Aufträgen für die Grob-Gruppe jedoch sehr zufriedenstellend und man werde im laufenden Geschäftsjahr das Vorjahresergebnis etwas übertreffen. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit habe man allein am Heimatstandort Mindelheim in den letzten drei Jahren über 150 Millionen Euro investiert. Besonders stolz sei man auf das neue Ausbildungszentrum und das neue Technologie- und Anwendungszentrum. Zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit befinden sich von den weltweit über 5.000 Mitarbeitern 320 in der Ausbildung. "Die hohe Ausbildungsquote ist ein Garant für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens", so Grob. Sein Versprechen: "Die Grob-Werke werden auch in Zukunft zu hundert Prozent in Familienbesitz bleiben".

Mehr als 500 Mitarbeiter in Konstruktion und Entwicklung

Mit Blick auf die technologische Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens verweist German Wankmiller, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf die mehr als 500 Mitarbeiter in den Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen. "Jeder neunte Mitarbeiter arbeitet somit innovativ für die Zukunft unseres Unternehmens", so Wankmiller. Um die hohe Anzahl an Innovationen auch umsetzen zu können, habe man weltweit in die Betriebe und Produktionseinheiten investiert. Alle Produktionsstandorte, ob das Stammwerk in Mindelheim, das in Sao Paulo (Brasilien), das nord-amerikanische Werk in Blufton oder das chinesische Werk in Dalian seien mit einer hohen Wertschöpfungstiefe ausgestattet. "Dazu haben wir in den vergangenen Jahren die Optimierung aller Produktionsprozesse konsequent vorangetrieben und die gesamte Kette des Entstehungprozesses unserer Maschinen und Anlagen neu strukturiert, um damit die Durchlaufzeiten, die Bestände und die Produktivität zu verbessern", sagt Wankmiller. Eine absolute Produktneuheit stelle das Großbearbeitungszentrum G800 dar. Mit einer Palettengröße von 800 x 800 mm sei die Maschine insbesonderer für die Bearbeitung größerer Bauteile wie Motorkomponenten und Hinterachsgehäusen für den LKW-Bereich konzipiert. Für die Bearbeitung steht eine leistungsstarke Getriebespindel mit 2500 Nm bei 40 Prozent ED und einer Leistung von 80 kW bei 40 Prozent ED bis 6000 min-1 zur Verfügung.

Überarbeitet wurde dagegen die G350. Wankmiller bezeichnet sie als "Technik pur auf kleinsten Raum". Neu ist auch ein Palettenrundspeichersystem für kleine und mittlere Palettisierung, das das umfangreiche Universalmaschinen-Portfolio erweitert. Innovationen im Bereich der Werkzeugmaschinen finden sich in jüngerer Vergangenheit eher im Bereich der Software. Auch hier ist Grob mit der Software-Technologie "Grob-Net4Industry“ bestens aufgestellt. Damit wird mittels Webtechnologie werksübergreifend Transparenz im gesamten Produktionsprozess geschaffen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Wachstums der letzten Jahre sei der begleitende Ausbau des weltweiten Vertriebs- und Servicenetzes gewesen, berichtet Vertriebsgeschäftsführer Jochen Nahl. Neben den bisher acht Grob-Standorten habe man im Oktober mit Grob-Italia eine neue Grob-Vertriebsgesellschaft in Italien gegründet. Und Ende dieses Jahres werde man in Polen den zehnten Grob-Service- und Vertriebsstandort eröffnen. "Neben dem Ausbau unseres Vertriebs- und Servicenetzes haben wir viel Energie in eine neue Matrix-Vertriebsorganisation gesteckt, um den weltweiten Vertrieb zu stärken und um die enge Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern auszubauen", so Nahl. Er ist überzeugt, dass Grob nur mit der konsequenten Umsetzung einer globalen Vertriebsstruktur in einer Matrixorganisation dem Anspruch der Kunden an den Vertrieb gerecht werden kann. "Rückblickend können wir feststellen, dass wir eine für alle Grob-Werke und Niederlassungen, aber auch für unsere Kunden vergleichbare und transparente Organisation geschaffen haben", bilanziert Nahl.