Ministerpräsident Stanislaw Tillich: „Die EU sollte anerkennen, dass man hier nicht innerhalb

Ministerpräsident Stanislaw Tillich: „Die EU sollte anerkennen, dass man hier nicht innerhalb Europas, sondern mit Asien und den USA konkurriert.“

Von Tino Böhler

DRESDEN (sp). “Wir begrüßen die Gründung von Globalfoundries mit dem zentralen Fertigungsstandort in Dresden als deutliches Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit des Hochtechnologiestandortes Europa.” Dies erklärte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) im Frühjahr 2009 anlässlich der Ankündigung des US-Schaltkreisherstellers AMD, seine Dresdner Chipwerke in Globalfundries – ein Joint Venture von AMD und Advanced Technology Investment Company (ATIC) aus Abu Dhabi – auszugliedern. Das war endlich mal wieder eine gute Nachricht für die von der damals noch drohenden Qimonda-Insolvenz betroffene Hightech-Region des ‚Silicon Saxony’. Mehr als ein Jahr später – Qimonda ist mittlerweile abgewickelt – sieht Tillich mit der in Dresden zum zweiten Mal nach 2009 stattfindenden wichtigsten Mikroelektronikmesse Europas, der SEMICON 2010, ein klares Bekenntnis zum “Silicon Saxony” am Standort Europa.

Silicon Saxony

Die Dresdner Mikroelektronik gilt heute gemeinsam mit der Freiberger Solar-Branche als eines von zwei Forschungs- und Produktionszentren der europäischen Halbleiterindustrie. Der zweite Standort ist das französische Grenoble. In Sachsens Halbleiterindustrie arbeiten derzeit 43.000 Beschäftigte in 1.500 Firmen, in Grenoble sind es 39.000 in etwa 400 Unternehmen. Dass allerdings nur 350 Aussteller aus 20 Ländern (2009: 500) und ca. 8.000 Besucher den Weg nach Dresden fanden, ist nicht nur für den Vizepräsidenten von ST Microelectronics (Genf), Alain Astier, ein Indiz, dass sich die Branche in Europa noch immer im ‚Überlebensmodus’ befände. Deshalb müsse man versuchen, sich in Europa auf die beiden wichtigsten Zentren zu konzentrieren. Ein deutliches Zeichen hierfür dürfte das Engagement des Chiphersteller Globalfoundries sein, der in Dresden 1,2 Milliarden Euro investiert hat und bis 2012 einen neuen Reinraumkomplex errichten will. Heinz A. Kundert, Präsident der Branchenvereinigung SEMI Europe, sieht in diesem Schritt einen Beweis für die Kompetenz und den guten Namen der Halbleiterindustrie in Europa. “Die haben sich etwas überlegt dabei, das garantiere ich Ihnen“, so Kundert im Rahmen einer Pressekonferenz auf der SEMICON, die auch 2011 wieder in Dresden stattfinden soll, Kundert weiter: „Unsere Konkurrenz ist nicht innerhalb Europas zu suchen, sondern kommt hauptsächlich aus Asien und USA.“ Sachsens Ministerpäsident Tillich forderte hier in Richtung Brüssel eine strategische Ausrichtung der Halbleiterindustrie: „Die EU sollte anerkennen, dass man hier nicht innerhalb Europas, sondern mit Asien und den USA konkurriert.“

Konjunkturentwicklung

Was die weltweite Konjunkturentwicklung anbelangt, sieht SEMI-Weltpräsident Stanley Myers ebenfalls einen Aufschwung, Fakt ist hier: Dieses Jahr gibt die Halbleiterindustrie mehr als doppelt so viel Geld für Ausrüstung aus wie im Krisenjahr 2009. Auch für nächstes Jahr erwartet Myers leichten Zuwachs, immer getrieben von der Nachfrage nach innovativen, neuen Produkten wie beispielsweise das iPad im Consumer-Umfeld oder im Bereich E-Mobility. SEMI-Europa-Chef Heinz Kundert gibt sich vorsichtiger als Myers und prognostiziert lediglich ein positives Marktumfeld „für die nächsten Quartale“. Positive Signale kamen auch von der parallel zur SEMICON veranstalteten Plastic Electronics, der Fachmesse für organische Elektronik. So betonte der Direktor des Fraunhofer Instituts für Photonische Mikrosysteme (Dresden), Professor Karl Leo, das enorme Wachstumspotenzial der organischen Elektronik: Derzeit liege der Jahresumsatz bei einer Milliarde Dollar, in 15 bis 20 Jahren könnten es schon 300 Milliarden Dollar sein. Fraunhofer–Mann Leo blickt noch einmal in die Zukunft. „Eines Tages wird es ganz normal sein, Solarzellen von einer Rolle in jedem Baumarkt dieser Welt zu kaufen.“ Auch aufrollbare Bildschirme oder Leuchtfolien als Ergänzung und Ersatz für Leuchtstoffröhren könnten bis dahin bezahlbar hergestellt und im Handel bezogen werden.