Bo Annvik Haldex

Im Übernahmekampf der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und Knorr-Bremse um den schwedischen Lkw-Bremsspezialisten Haldex hat sich Haldex-Chef Bo Annvik klar für ZF ausgesprochen. - Bild: Haldex

"Wir empfehlen unseren Aktionären nach wie vor das Angebot von ZF anzunehmen", welches man als "freundlich" ansehe, sagte Haldex-Vorstandschef Bo Annvik im Gespräch mit Dow Jones Newswires auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Zuvor war der Manager auf einer Pressekonferenz von ZF Friedrichshafen aufgetreten.

Ob das Knorr-Bremse-Angebot dementsprechend ein feindliches sei, wollte der Manager nicht bestätigen. "Das müssen andere interpretieren", sagte Annvik lediglich. Knorr-Bremse-Chef Klaus Deller hatte zuvor während einer Telefonkonferenz mit Journalisten betont, es handele sich um ein freundliches Übernahmeangebot, schließlich habe es in den Wochen vor Bekanntgabe der Offerte Gespräche mit Haldex gegeben. "Mit dem Haldex-Management hat er nie gesprochen", sagte Annvik nun. Es habe aber einen Austausch mit einem Repräsentanten des Board of Directors gegeben.

Knorr-Bremse und ZF Friedrichshafen liefern sich Schlagabtausch

Im Übernahmekampf um den schwedischen Nutzfahrzeuglieferanten Haldex hatten sich die beiden Bieter Knorr-Bremse und ZF Friedrichshafen zuletzt einen Schlagabtausch geliefert. ZF Friedrichshafen bietet den Haldex-Aktionären 120 schwedische Kronen in bar pro Anteilsschein. ZF Friedrichshafen hält bereits 21,24 Prozent an Haldex. Am Freitagmorgen hatte Knorr-Bremse die eigene Offerte auf 125 Kronen je Aktie angehoben. Knorr-Bremse hält nach letztem Stand 11,35 Prozent der Haldex-Aktien.

Zuletzt hatte sich das Haldex-Management daraufhin schon am Montag nochmals für das ZF-Angebot ausgesprochen, auch weil ZF bereits alle kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen. Knorr-Bremse hatte daraufhin am Montagnachmittag mitgeteilt, das Unternehmen sei über die Empfehlung des Haldex-Board für ein niedrigeres Angebot "überrascht", bleibe aber zuversichtlich, dass die Haldex-Aktionäre dem höheren Angebot den Vorzug geben würden. Zugleich kritisierte Knorr-Bremse, dass Haldex weiterhin das niedrigere Angebot favorisiere, obwohl Knorr-Bremse bereit sei, die eigene Strategie für die Kartellfreigaben zu erläutern. Knorr-Bremse wäre auch zu Zugeständnissen bereit, um von den Behörden grünes Licht für die Transaktion zu erhalten, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Dem widersprach der Haldex-Chef nun. "Soweit ich weiß, wurde uns kein Plan oder ähnliches angeboten, wie Knorr-Bremse mit den kartellrechtlichen Belangen umgehen will", sagte Annvik. Für solch einen Plan sei man aber natürlich offen und würde diesen auch berücksichtigen, sagte er weiter.

"ZF-Offerte ist "schnelle und zuverlässige" Transaktion"

Haldex empfiehlt den Aktionären unter anderem deswegen das ZF-Angebot, weil es eine "schnelle und zuverlässige Transaktion" sei. ZF und Haldex hätten keinerlei Überschneidungen im Produktportfolio. Ganz im Gegensatz zu Knorr-Bremse, einem der Hauptkonkurrenten von Haldex, wie Annvik sagte. Seiner Meinung nach würden die Kartellbehörden verlangen, dass Geschäfte von Knorr-Bremse oder Haldex verkauft würden. "Und das sagt sich leichter als es getan ist", sagte er. In einigen Märkten dauere das mitunter länger. "Realistischer ist, dass die Übernahme zwischen sechs und zwölf Monaten dauern würde", sagte der Haldex-Chef.

Auch rein strategisch mache der ZF-Deal aus Haldex-Sicht mehr Sinn. Haldex sei einer von drei weltweiten Bremsenlieferanten für die Nutzfahrzeugbranche, wobei die anderen beiden Konkurrenten deutlich größer seien. Für Trends wie das autonome Fahren brauche es künftig jedoch zwingend technologisch aufwendige Systeme. Mit Blick auf Elektronik und Software könne Haldex allein diese Bremsen künftig nicht entwickeln und liefern. Mit ZF gemeinsam könne man jedoch komplette Systeme anbieten. "Unsere Kunden unterstützen das sehr", sagte er. Er habe während des ganzen Prozesses fortwährend mit allen Großkunden gesprochen. "Die Haldex-ZF-Kombination bekommt starken Zuspruch", sagte er.