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Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. - Bild: VDMA

Produktion: Machine Learning kommt eine wachsende Rolle innerhalb der Einführung von Industrie 4.0 zu. Welche Neuerungen bringt es mit sich?

Hartmut Rauen: "Industrie 4.0 in der bisher diskutierten Form ermöglicht die selbstorganisierende Produktion: Die Kommunikation und Kooperation von Werkstück, Maschine und Mensch führt zur Optimierung von Prozessen entlang der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette. Dabei fallen Unmengen von Daten an, die heute noch auf verschiedenen Ebenen ausgewertet und weiterverarbeitet werden. Autonome, vernetzte cyberphysische Systeme schaffen die Selbstorganisation ohne übergeordnete Instanz – auch diese Vision ist noch Teil der bisherigen Industrie 4.0-Idee.

Machine Learning-Algorithmen fügen dem nun einen weiteren wesentlichen Aspekt hinzu: die Fähigkeit eines Systems, selbst zu lernen und Analysesoftware selbständig zu optimieren, ohne Zutun des Menschen. Machine Learning ist deshalb ein wichtiges Instrument für eine effiziente Beherrschung von Big Data, insbesondere auch bei Industrie 4.0, etwa für Predictive Maintenance.

Wir planen eine Sonderschau dazu auf der Hannover Messe 2017 (Halle 19 der mda). Machine Learning wird nicht nur Industrie 4.0 weiteren Schub verleihen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Softwarefirmen und Startups zum Wohle neuer Maschinenbau-Geschäftsfelder beflügeln."

Produktion: Der VDMA und das Fraunhofer ISI kooperieren zu diesen Themen. Mit welcher Zielsetzung?

Rauen: "Der VDMA hat 2015 das Competence Center Future Business unter Leitung von Dr. Eric Maiser geschaffen, um sich der Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus strukturiert zu widmen. Ein ‚Think Tank‘ als Dienstleistung für die Mitglieder mit dem Ziel, relevante Trends und Disruptionen frühzeitig zu erkennen und zu nutzen. VDMA Future Business analysiert Trends und deren Auswirkungen auf den Maschinenbau systematisch und strategisch und versucht so, auf neue Geschäftschancen hinzuweisen. Trendscouting, Szenarioanalysen, Corporate Foresight und Roadmaps sind die Werkzeuge dazu.

Mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI haben wir einen kompetenten Partner gefunden, der einerseits in der Trendanalyse ein anerkannter Player ist und andererseits etablierte Werkzeuge in der Szenariotechnik entwickelt hat, die wir eingesetzt haben. In unserer Kooperation haben wir zwei Produkte aufgebaut:Den Trendradar und Szenarioanalysen. Der Trendradar ordnet über hundert aktuelle Trends ein und detailliert mit über vierzig Trendkarten Inhalte, Märkte, Zeithorizonte und Relevanz für Maschinenbauer und Kunden. Er wird permanent aktualisiert und soll damit jedem Unternehmen eine schnelle und zielgerichtete Trend-Auswahl für das eigene Geschäft ermöglichen.

Darüber haben wir mit Experten aus Firmen, Forschung und VDMA spezifische ‚Zukunftsbilder‘ erarbeitet - das sind Szenarien für Strömungen, die größeren Einfluss auf den Maschinenbau als Ganzes haben werden. Machine Learning war das erste dieser Zukunftsbilder, das wir im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit Fraunhofer ISI bearbeitet haben. Future Business macht mit den Zukunftsbildern auf wichtige Entwicklungen aufmerksam, setzt Leuchttürme. Die Themen werden dann in größerer Breite in den Fachbereichen weitergeführt. Machine Learning wird ein eigenständiger Schwerpunkt im VDMA und über den Fachverband Software und Digitalisierung als wichtiges Thema für den Maschinenbau intensiviert."

Produktion: Der VDMA hat vier Zukunftsszenarien für Industrie 4.0 Machine Learning gezeichnet. Welches dieser Szenarien kommt der derzeitigen Entwicklung am ehesten entgegen?

Rauen: "Wir setzen bewusst auf ‚mehrere Zukünfte‘ statt auf eine wahrscheinlichste Prognose. Das ermöglicht uns die Auseinandersetzung mit den Themen in voller Breite und bereitet die Firmen auf alle Entwicklungen vor. Erstaunlich war, dass alle Teilnehmer Machine Learning eine hohe Relevanz für unsere Industrie in den kommenden Jahren zusprachen. Keines der in unserer Studie vorgestellten Szenarien kommt ohne eine gewisse Form von Machine Learning aus. Alle erwarten einen neuen Schub für die Digitalisierung im Maschinenbau und hoffen, dass Rahmenbedingungen das ‚Avantgarde‘-Szenarium begünstigen.

Das ist aber alles andere als selbstverständlich. Insbesondere Zugang zu Daten und mit ihm die Datenhoheit und vor allem der Zugang zu ausgebildeten Data Analysts sind heute noch nicht gesichert. Die Zusammenarbeit von Maschinenbauern mit Softwarehäusern und Startups in diesem Umfeld wird entscheidend für den Erfolg sein. Wir haben eine ganze Reihe Handlungsempfehlungen dazu abgegeben, an die Unternehmen, die Politik, die Forschung und schließlich an uns selbst. Wir stehen hier vor einem Wandel in der Industrie."

Das ist der Kongress „Maschinenbau VorausgeDACHt“

Erstmals laden drei große Maschinenbauverbände zusammen mit der Fachzeitung Produktion länderübergreifend gemeinsam ein. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Fachverband Metalltechnische Industrie, Österreich, und der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) wissen um die enorme Bedeutung und die großen Chancen der Digitalisierung und unterstützen ihre Mitglieder schon seit Jahren in der Umsetzung von Industrie 4.0.

Stärken wir gemeinsam den Dialog zum Thema Industrie 4.0 innerhalb der Maschinenbaubranche. Seien Sie dabei!

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