Gescheiterter Übernahmepoker: Der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger

Gescheiterter Übernahmepoker: Der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter müssen sich noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Stuttgart wegen Marktmanipulation verantworten. - Bild: UnitedPictures

Porsche ist erneut als Sieger aus einer ihrer milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten im Zuge der verpatzten VW-Übernahme hervorgegangen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat eine Schadensersatzklage von US-Hedgefonds gegen die Porsche Automobil Holding SE abgewiesen.

Die 19 klagenden Hedgefonds, darunter Glenhill Capital, forderten in einem Zivilverfahren am OLG Stuttgart einen Schadensersatz von knapp 1,2 Milliarden Euro. Sie fühlten sich von Porsche getäuscht, da das Unternehmen seine Absicht, VW übernehmen zu wollen, zu spät angekündigt habe. Ihre Klage war vor rund einem Jahr bereits vom Landgericht Stuttgart abgewiesen worden.

Eine Revision gegen die Entscheidung vom Donnerstag ist nicht möglich. Die Fonds können aber eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof einreichen.

Keine Revision mehr möglich

Die Porsche SE sieht sich durch das aktuelle Urteil in ihrer Rechtsauffassung bestätigt. Für das Unternehmen bedeutet dieses erste Urteil einer Berufungsinstanz einen weiteren wichtigen Sieg, wie Porsche mitteilte. Nach der Abweisung von Klagen durch die Landgerichte Stuttgart und Braunschweig sei dies bereits das fünfte Mal in Folge, dass Kläger mit ihren Vorwürfen gescheitert seien. Bisher habe keines der angerufenen Gerichte die Rechtsauffassung der Kläger geteilt.

Bei einem Teil der Kläger handelt es sich laut Porsche um amerikanische Hedgefonds, die zunächst versucht hatten, ihre Ansprüche in den USA geltend zu machen. Die dort angerufenen Gerichte hätten eine Zuständigkeit für die Klagen allerdings abgelehnt. In den USA seien damit alle Rechtsstreitigkeiten beendet.

Zurück gehen die diversen, teils milliardenschweren Klagen gegen die Porsche SE auf die geplante VW-Übernahme im Jahr 2008. Im März jenes Jahres hatte Porsche in einer Pressemitteilung bestritten, den VW-Anteil auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Wenige Monate später, im Oktober 2008, kündigte Porsche in einer Pressemitteilung aber doch an, den eigenen Anteil auf diese Höhe ausbauen zu wollen, um damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu machen.

Daraufhin war es zu einer wahren Rallye der VW-Stammaktie gekommen, sie stieg von unter 250 Euro zeitweise auf mehr als 1.000 Euro, da die Hedgefonds zuvor auf fallende Kurse gesetzt und VW-Aktien leer verkauft hatten. Später mussten sie die Papiere dann teuer einkaufen, um ihre Leerpositionen zu decken. Die Fonds fühlten sich von Porsche hintergangen und klagten.

Der gescheiterte Übernahmepoker von damals hat auch noch strafrechtliche Folgen. So müssen sich der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Stuttgart wegen Marktmanipulation verantworten. Härter wurde wegen Kreditbetrugs bereits zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke