Auch die deutschen Druckmaschinenhersteller profitieren derzeit vom schwachen Euro, so der

Auch die deutschen Druckmaschinenhersteller profitieren derzeit vom schwachen Euro, so der HeidelDruck-Finanzvorstand Dirk Kaliebe (Bild HeidelDruck).

Von Nico Schmidt, Dow Jones

HEIDELBERG (ks)–”Heidelberg hat wohl das Schlimmste überstanden”, sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe in einem Interview mit Dow Jones Newswires: “Nun sollte es wieder bergauf gehen”.
“Die vergangenen zwei Jahre sind wir erheblich abgefallen und haben vier Quartale in Folge einen Auftragseingang von durchschnittlich nur 500 Mio bis 550 Mio Euro verbucht”, erklärte der Manager des weltgrößten Herstellers von Bogendruckmaschinen. Zum Vergleich: In den Jahren vor dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise waren es durchschnittlich fast 900 Mio Euro pro Vierteljahr gewesen.
Der Druckmaschinenbau steckt in der wohl heftigsten Krise seiner Geschichte. Im vergangen Jahr brachen die Neuaufträge aufgrund der schwierigen Situation des Werbemarktes und der Verlage um nahezu die Hälfte ein.
Die ersehnte konjunkturelle Erholung, die bereits im zweiten Halbjahr 2009/10 die Neubestellungen wieder über der Marke von 600 Mio Euro gehievt hatte, halte auch seit dem Start des neuen Geschäftsjahres im April an, erklärte Kaliebe: “Der positive Trend beim Auftragseingang hat sich fortgesetzt”. Auch der VDMA berichtete für das erste Quartal von einer branchenweiten Erholung der Nachfrage
Zusätzlichen Rückenwind für die Auftragslage erhofft sich der Finanzvorstand von der gerade zu Ende gegangenen Branchenmesse IPEX in England. “Die Messe ist sehr gut für uns gelaufen”, sagte Kaliebe. Verkauft wurden in Birmingham rund 900 Druckwerke und mehr als 90 Weiterverarbeitungsmaschinen. Die IPEX findet alle vier Jahre statt und gilt als zweitwichtigstes Branchentreffen nach der Düsseldorfer Leitmesse drupa.
Im ersten Quartal ist HeidelDruck nach Aussage von Kaliebe “gut unterwegs”. Positiv entwickelt sich das Geschäft vor allem in China und anderen zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten wie Brasilien und Indien. China war für HeidelDruck bereits im vergangenen Jahr der größte Markt, längerfristig dürfte sich das Reich der Mitte nach Einschätzung von Kaliebe mit dem deutschen Heimatmarkt um diese Position streiten. Abgesehen von den lokalen Konkurrenten ist HeidelDruck der einzige Hersteller von Offset-Druckmaschinen in China.
Um die Stellung auszubauen, erweitert HeidelDruck die Kapazitäten in China und vergrößert die “Angebotsbreite” vor Ort. Inzwischen ist HeidelDruck auch in der Lage, größere Standard-Maschinen in China zu montieren, die Drucke im A1-Format ermöglichen. Aus dem Werk in Qingpu in der Nähe von Schanghai sollen dann andere wichtige Märkte bedient werden. Künftig will der MDAX-Konzern rund 40% seines Umsatzes in den Emerging Markets machen, vor allem in den sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China.
Ergebnisseitig profitiert HeidelDruck aktuell von den jüngsten Wechselkursschwankungen. Für Druckmaschinenhersteller ist vor allem das Kursverhältnis vom US-Dollar zum japanischen Yen wichtig, weil Hauptkonkurrenten wie Komori aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. “Die gegenwärtige Entwicklung stärkt in Summe die deutschen Hersteller”, erklärte Kaliebe. Zu den Profiteuren der wiedererstarkten US-Währung gehörten vor allem die Unternehmen mit einem hohen Überhang an Dollar-Einnahmen. “Wir haben daraus seit 2002 Belastungen gehabt. In der aktuellen Relation profitiert Heidelberg merklich”, erklärte Kaliebe, ohne den positiven Effekt genauer zu beziffern.
Dank der Nachfragebelebung ist HeidelDruck laut dem Manager “auf dem richtigen Weg, endlich den Turnaround zu schaffen”. Die Kernaufgabe für dieses Geschäftsjahr sei es, vor Restrukturierungskosten eine schwarze Null zu schreiben, bekräftigte der Finanzchef. Das ist dem Unternehmen seit zwei Jahren nicht mehr gelungen.
Das vergangene Geschäftsjahr war dabei das wohl das schwierigste in der mehr als 150-jährigen Unternehmensgeschichte: Aufgrund der schwachen Nachfrage aus der Printmedien-Industrie brachen die Einnahmen auf rund 2,31 (Vorjahr 3,00) Mrd Euro ein. Vor Zinsen und Steuern und bereinigt um Restrukturierungskosten fiel der Verlust mit 130 Mio Euro sogar noch höher aus als im Vorjahr (49 Mio Euro). Im Juni hatten nur Staatshilfen den MDAX-Konzern vor dem Aus gerettet.
Trotz der positiven Entwicklung der Auftragslage und der Dollarstärke blieb Kaliebe bei der vorsichtigen Zielsetzung für 2010/11. “Wir stehen noch am Anfang des Geschäftsjahres”. Daher könne man noch nicht beurteilen, ob sich das Geschäft besser entwickele als erwartet. HeidelDruck will frühestens zur Bilanzpressekonferenz Mitte Juni einen konkreteren Ausblick geben.
Mittelfristig sieht Kaliebe das Unternehmen allen Unkenrufen zum Trotz gut gerüstet: “Mit der Aufstellung, die wir jetzt haben, werden wir wieder einen Umsatz von mehr als 3 Mrd Euro für die Heidelberg-Gruppe erreichen können”, sagte der Finanzvorstand mit Blick auf die neue Unternehmensstruktur. Die Marge vor Zinsen und Steuern werde dann wieder über 5% liegen. Einen genaueren Zeitrahmen wollte Kaliebe mit Verweis auf die nach wie vor labile Wirtschaftslage nicht geben. Wann genau dieses Ziel erreicht werde, sei letztlich auch nicht entscheidend, sagte er. Wichtig sei vielmehr, dass Marktexperten HeidelDruck dieses Volumen zutrauten.
Ende 2009 hatte sich HeidelDruck aus Effizienzgründen neu aufgestellt und ist seit dem 1. April in die Geschäftsbereiche “Equipment”, “Services” und “Financial Services” gegliedert. Die Sparten “Press” und “Postpress” sind in den neuen Geschäftsbereichen aufgegangen.
Da der Neumaschinenmarkt im vergangenen Jahr krisenbedingt um die Hälfte eingebrochen war, sieht Kaliebe im Equipment-Segment, in dem die Heidelberger Maschinen für den Werbe- und Verpackungsdruck herstellen, das größte Erholungspotenzial. Marktanalysen zeigen seinen Angaben zufolge, dass der Markt in den nächsten Jahren um 10% bis 13% jährlich wachsen wird. Das Vorkrisenniveau wird er indes nicht mehr erreichen, jedoch bis zu 80% davon, bekräftigte Kaliebe.
“Der Bereich Services ist sehr stabil”, erklärte Kaliebe. Aber auch hier gebe es großes Wachstumspotenzial, zum Beispiel bei Verbrauchsmaterialien: “Der für uns adressierbare Markt für Consumables hat ein Volumen von 8 Mrd Euro”. Aktuell betrage der Marktanteil von HeidelDruck 4%. “Wir haben hier deutliches Potenzial”, sagte Kaliebe und gab ein Marktanteilsziel von 7% aus.
Um auf die Krise zu reagieren, hatte HeidelDruck bereits 2008 massiv auf die Kostenbremse getreten und den Sparkurs im Zuge der strategischen Neuaufstellung Ende 2009 nochmals verschärft. In Summe bauten die Heidelberger ein Viertel der ehemals 20.000 Stellen ab und wollen insgesamt rund 480 Mio Euro jährlich einsparen. “Mit den Sparmaßnahmen haben wir den operativen Breakeven auf einen Umsatz von rund 2,4 Mrd Euro gesenkt”, erklärte Kaliebe. Vor der Krise waren Einnahmen von rund 3,4 Mrd Euro nötig gewesen, um vor Zinsen und Steuern eine schwarze Null zu schreiben.
Durch die Krise war zudem der Ruf nach einer Konsolidierung der Druckmaschinenbranche lauter geworden. Monatelang hatten HeidelDruck und der Wettbewerber manroland im vergangenen Jahr über einen Zusammenschluss verhandelt. Mitte Oktober waren die Gespräche dann aber abgebrochen worden.
“An diesen Spekulationen haben wir uns nie beteiligt. Wir haben uns so aufgestellt, um alleine in dem Markt eine wichtige Rolle zu spielen”, sagte Kaliebe in diesem Zusammenhang. Gleichwohl sei man offen für Kooperationen, zum Beispiel im Dienstleistungsbereich. Nichts Neues gibt es nach seiner Aussage bei den laufenden Gesprächen über eine Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Digitaldruckmaschinen. Verhandelt werde über eine Vertriebskooperation, sagte Kaliebe und bekräftigte damit, dass HeidelDruck nicht wieder in die Produktion von Digitaldruckmaschinen einsteigen will. “Im Laufe des Jahres erwarten wir dort die ein oder andere Lösung”.