Nokia Siemens Networks bekommt Probleme beim geplanten Kauf der Netztechnik-Sparte von Motorola. Der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei will die Übernahme gerichtlich verhindern.

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Huawei hat dazu am Montag Klage bei einem US-Bezirksgericht in Illinois eingereicht, wie der Konzern auf seiner Internetseite mitteilt. Damit will Huawei verhindern, dass der bisherige Kooperationspartner Motorola seinen Geschäftsbereich an NSN für 1,2 Mrd USD abgibt. Seit dem Jahr 2000 haben Motorola und Huawei dem chinesischen Konzern zufolge eine “kooperative Beziehung”.

Der Verkauf der Netztechnik-Sparte an NSN berge die Gefahr, dass damit geheimes Wissen von Huawei an NSN wandere, wodurch dem chinesischen Konzern “irreparabler wirtschaftlicher Schaden” zugefügt würde, argumentieren die Chinesen.

Die Huawei-Klage ist bereits der zweite Stein aus China, der dem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Siemens AG und des finnischen Handyherstellers Nokia in den Weg gelegt wird. Zum Jahresende musste NSN-Vorstandsvorsitzender Rajeev Suri erklären, dass die Übernahme der Motorola-Sparte nicht im erwarteten Zeitplan erfolgen kann, weil die Genehmigung der chinesischen Kartellbehörden noch ausstehe. In anderen Märkten wie den USA, Europa, Japan und Russland habe NSN die nötigen Genehmigungen der Kartellbehörden allerdings bereits erhalten, erklärte Suri, der die damalige Verzögerung als “enttäuschend” bezeichnete.

Eine NSN-Sprecherin war am Dienstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, ein Siemens-Sprecher äußerte sich nicht zum Thema.

Sowohl Nokia als auch Siemens werden mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen bislang nicht recht glücklich und wollen nun einen Investor ins Boot holen oder den Netzwerkkonzern an die Börse bringen. Mit einem Börsengang im laufenden Jahr ist dabei aber laut Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser nicht zu rechnen. “Es gibt erstens überhaupt keine Pläne, die NSN an den Markt zu bringen und zweitens wäre es, hypothetisch gesehen, noch ein bisschen früh”, hatte Kaeser in der vergangenen Woche gesagt. Er hatte einen Börsengang allerdings als mittelfristige Option gesehen.