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Konjunktur, Geldpolitik und Unternehmen: Die 7 Termine der Woche. - Bild: pixabay

Die Woche ab dem 5. Dezember beginnt mit der Aufarbeitung der Wählerentscheidungen in Österreich und Italien vom Wochenende. Und auch im weiteren Wochenverlauf spielen Europa und der Euro eine wichtige Rolle: Von Griechenlands Schulden bis hin zu Europas Zinsen kommen im Wochenverlauf noch weitere wichtige Weichenstellungen für den Euro hinzu. Aus Unternehmenssicht werden die Versorger mit Blick auf das Atom-Urteil aus Karlsruhe und Linde mit seiner Sitzung des Aufsichtsrats im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Folgende Termine werden im Fokus stehen (Angaben in Ortszeit Deutschland):


Montag, 5. Dezember 2016: Griechenlands Schulden

Beherrschendes Thema beim Treffen der Eurogruppe wird Griechenland sein. Dabei könnte sich die Diskussion um eine mögliche Schuldenreduzierung intensivieren. Denn der Euro-Rettungsfonds ESM plant offenbar eine Reduzierung der Schulden Griechenlands um ein Fünftel bis 2060. Wie aus einem auf den 25. November datierten ESM-Dokument hervorgeht, in das das Wall Street Journal Einblick hatte, soll die an der Wirtschaftsleistung gemessene Schuldenlast um 21,8 Prozentpunkte reduziert werden. Dazu sollen teilweise Laufzeiten verlängert und Zinsen festgeschrieben werden, um Griechenland vor künftigen Zinsanstiegen zu schützen.

Damit könnte eine Brücke geschlagen werden zwischen dem IWF, der eine Reduzierung der Schuldenlast gefordert hat, und Ländern wie Deutschland, die einen Schuldenerlass aus innenpolitischen Gründen vermeiden wollen.


Dienstag, 6. Dezember 2016, 08:00 Uhr: Deutscher Auftragseingang

Zuletzt schwächelte der Auftragseingang in der deutschen Industrie etwas. Für Oktober rechnen Volkswirte mit einem Anstieg um etwa 0,7 Prozent, nachdem die Bestellungen im September um 0,6 Prozent zurückgegangen waren. Insgesamt ergab sich für das dritte Quartal aber immer noch ein Zuwachs von knapp 0,5 Prozent.

Für einen Anstieg im ersten Monat des vierten Quartals sprechen die Ergebnisse der Markit-Einkaufsmanagerumfrage. Dass die Bäume noch nicht wieder in den Himmel wachsen, darauf deuten die eher schwachen Daten hin, die der Branchenverband VDMA für den Maschinen- und Anlagenbau gemeldet hat.

Dienstag, 6. Dezember 2016, 10:00 Uhr: Der Atomausstieg

Eon, RWE und Vattenfall sehen in dem 2011 beschlossenen Atomausstiegsgesetz eine Enteignung und fordern einen grundsätzlichen Anspruch auf Entschädigungen in Milliardenhöhe. Das Bundesverfassungsgericht will jetzt sein Urteil in der Sache verkünden.

Die Verfassungsrichter urteilen dabei aber nicht über konkrete Schadensansprüche, sondern lediglich generell über die grundsätzliche Frage, ob der von der schwarz-gelben Regierung beschlossene Atomausstieg rechtens war. Aus diesem Richterspruch könnten sich dann Ansprüche der Unternehmen ableiten, die in anderen Verfahren eingeklagt werden müssen.

 

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 08:00 Uhr: Deutschlands Produktion

Die Produktionszahlen der deutschen Industrie waren zuletzt starken Schwankungen unterworfen. Nach dem Einbruch im September von 1,8 Prozent könnte es im Oktober wieder etwas besser gelaufen sein. Volkswirte erwarten einen Anstieg der Produktionstätigkeit um 0,8 Prozent.

Insgesamt sollte es im vierten Quartal zu einer Belebung der Wachstumsdynamik in Deutschland kommen, zu der auch die Produktion einen Beitrag leisten sollte. Der Beitrag des produzierenden Gewerbes ist derzeit spürbar: Im dritten Quartal hatte die Produktion um 0,3 Prozent zugelegt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent.

Mittwoch, 7. Dezember 2016: Linde und Praxair

Eigentlich ist es eine "turnusmäßige" Sitzung des Linde-Aufsichtsrats. Nach dem neuerlichen Vorstoß des Mitbewerbers Praxair, der sich nach den zuletzt gescheiterten Verhandlungen über einen Zusammenschluss jetzt offenbar in einigen Punkten auf Linde zubewegt hat, kommt der Sitzung aber besondere Bedeutung zu.

Vielleicht herrscht im Anschluss ja mehr Klarheit, welchen Kurs Linde bei den Verhandlungen mit Praxair einschlagen wird -- und mit welchem Personal die Verhandlungen geführt werden: Denn Vorstandschef Wolfgang Büchele amtiert nur noch "auf Abruf", und Finanzvorstand Georg Denoke hat das Unternehmen im Streit mit Büchele bereits verlassen. Ob Linde aber tatsächlich nach der Sitzung des Gremiums etwas öffentlich mitteilt, ist noch offen.


Donnerstag, 8. Dezember 2016, 13:45 Uhr: Zinsentscheid der EZB

An den Leitzinsen dürfte nichts verändert werden. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik verlängern wird. Dazu könnte sie entweder das laufende Wertpapierankaufprogramm im unveränderten Volumen von 80 Milliarden Euro um etwa drei Monate verlängern oder aber das Volumen reduzieren und das Programm dafür sechs Monate länger laufen lassen.


Freitag, 9. Dezember 2016: Wachstumsausblick der Deutschen Bundesbank

Für dieses Jahr gehen die Experten der Deutschen Bundesbank bislang von einem Wachstum der Wirtschaft um 1,7 Prozent aus, das sich 2017 auf nur noch 1,4 Prozent abschwächen soll. Im Jahr 2018 rechnen die deutschen Währungshüter dann wieder mit 1,6 Prozent Wachstum.

Interessant wird vor allem sein, wie die Deutsche Bundesbank die neuesten Belastungsfaktoren -- den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump mit seinen protektionistischen Wahlversprechen -- in ihren Projektionen für 2017 und 2018 verarbeitet.