ifo Konjunkturtest Juli 2015

ifo Konjunkturtest Juli 2015

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 108,0 Punkte von revidiert 107,5 Punkten im Vormonat, wie das Münchner ifo Institut nach seiner monatlichen Umfrage unter rund 7.000 Managern mitteilte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Anstieg auf nur 107,5 Punkte erwartet. Basis war ein vorläufiger Juni-Wert von 107,4 gewesen.

“Die vorläufige Entspannung bei der Griechenland-Frage trägt zur Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft bei”, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Zahlen. Der Ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer und gilt als zuverlässiger Indikator für die Entwicklung der nächsten sechs Monate.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen kletterte auf 113,9 von 113,1 Punkten im Vormonat. Ökonomen hatten einen Stand von 113,2 prognostiziert. Der Index für die Geschäftserwartungen stieg auf 102,4 von revidiert 102,1 (vorläufig: 102,0) Zählern. Es war der erste Anstieg seit März 2015. Erwartet worden war ein Rückgang auf 101,9 Punkte.

Barometer trotzt Schwellenländersorgen

Ökonomen äußerten sich positiv überrascht bis skeptisch zu den unerwartet guten Daten. “Ich wundere mich darüber, dass von der Konjunkturabschwächung in China nichts zu spüren ist”, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Vielleicht, so fügte er hinzu, sei das nur momentan nicht zu sehen und komme noch im August oder September zum Tragen.

Auch die Commerzbank hatte wegen der zuletzt deutlich weniger dynamischen Nachfrage aus den Schwellenländern mit einem weiteren Rückgang des Ifo-Index gerechnet. “Aber offensichtlich scheinen aus Sicht der Unternehmen andere Faktoren wie der schwächere Euro, das billigere Öl und die eher wieder etwas freundlichere Konjunktur in den Industrieländern die negativen Effekte aus den Emerging Markets auszugleichen”, befand Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski geht davon aus, dass das anhaltende Doping der deutschen Wirtschaft aus niedrigen Energiepreisen und Euro-Kursen seine Wirkung zeigt. Gleichwohl sieht er drei Risiken für die Konjunktur: Die nicht enden wollende Griechenland-Krise, eine unerwartet lange Schwächephase in den USA und China sowie ein Mangel an Reformen in Deutschland, die die Arbeitslosigkeit weiter drücken und Investitionen in Gang setzen könnten.

Nach Angaben des Ifo Instituts besserte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe vor allem deshalb, weil die Industrieunternehmen deutlich optimistischer auf den kommenden Geschäftsverlauf blicken. Ihre – derzeit auf sehr hohem Niveau liegende – Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage gab dagegen leicht nach. Die Kapazitätsauslastung fiel um 0,1 Prozentpunkte auf 84,2 Prozent.

Karoline Kopp/Dow Jones Newswires