Endmontage des Airbus A320 in Hamburg: Die Gewerkschaft bereitet sich auf Streiks im Herbst vor

Endmontage des Airbus A320 in Hamburg: Die Gewerkschaft bereitet sich auf Streiks im Herbst vor (Bild: Airbus).

Die Gewerkschaft IG Metall und die Beschäftigten der deutschen Airbus-Standorte wollen ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen notfalls auch mit Arbeitskämpfen untermauern.


Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires

HAMBURG (Dow Jones)–Noch setze die Arbeitnehmervertretung auf konstruktive Gespräche mit Airbus über einen Zukunftstarifvertrag bis 2020, sagte IG-Metall-Bevollmächtigter Eckard Scholz am Montag in Hamburg. Für den Fall eines Scheiterns bereite sich die Gewerkschaft aber schon auf Warnstreiks und Urabstimmung vor. Im Sommer seien diese Maßnahmen noch nicht geplant, eher für den Herbst.

Die Tarifverhandlungen sind bereits nach der ersten Runde am 13. Mai unterbrochen worden. Die Arbeitnehmervertreter begründete dies mit dem “nicht akzeptablen” Angebot der Geschäftsführung.

Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat der Airbus Operations GmbH fordern für die mehr als 16.000 Airbus-Beschäftigten in Deutschland die Sicherung der Standorte, der Beschäftigung und der Einkommen bis 2020 sowie eine stärkere Regulierung der Leiharbeit und der Vergabe von Arbeiten an Fremdunternehmen. Außerdem soll die Beteiligung der Beschäftigten grundsätzlich gestärkt und die Ausbildung ausgeweitet werden.

Die von Airbus im Gegenzug angebotene Beschäftigungs- und Standortsicherung bis Ende 2012 ist für die Arbeitnehmer keine Alternative. “Angesichts der aktuellen Auftragslage und der beinahe täglichen Erfolgsmeldungen ist das eine Provokation gegenüber Beschäftigten und Arbeitnehmervertretern,” sagte Verhandlungsführer Daniel Friedrich. Er erwartet nun ein besseres Angebot des Flugzeugherstellers.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, wollen Mitarbeiter und Gewerkschaft am Mittwoch aus den Airbus-Standorten in Bremen, Buxtehude, Finkenwerder und Stade Kundgebungen abhalten. “Wir erwarten mehrere Tausend Kollegen”, sagte Scholz. Eine der zentralen Forderungen ist der Gewerkschaft zufolge die Reduzierung der Arbeitsanteile von Leiharbeitern und Fremdfirmen von gegenwärtig 20% bis 25% auf rund 15%.

Als Gegenleistung für ihre Forderung sagen die Mitarbeiter Airbus Verbesserungen bei Produktivität und Wirtschaftlichkeit zu. Ein für die Gewerkschaft realistisches Ziel: “Wir sehen hier eine Win-Win-Situation für beide Seiten”, sagte Friedrich.