Osram Lichtkonzern

Ein Vertreter der Gewerkschaft IG Metall hat sich für die Unabhängigkeit des Lichtkonzerns Osram ausgesprochen. - Bild: Osram

Das sagte Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, zu Dow Jones Newswires. Zudem signalisierte er Widerstand gegen mögliche Übernahmeversuche.

So müsse eine potenzielle Übernahme im Sinne aller Interessengruppen eines Unternehmens analysiert werden, und nicht nur der Aktionäre. Auch die Interessen der Arbeitnehmer müssten angemessen berücksichtigt werden. "Aufgrund der Risiken einer Übernahme und möglichen negativen Folgen für die Mitarbeiter werden wir uns einem Übernahmeversuch vehement widersetzen", sagte er.

Seine Aussagen kommen zu einer Zeit, in der anhaltend über eine mögliche Übernahme des Münchener Lichtkonzerns spekuliert wird. Dabei sollen insbesondere chinesische Firmen Osram im Visier haben. Mitte Oktober hatte etwa der Konzern San'an sein Interesse an Osram öffentlich gemacht.

Chinesen zeigen Interesse an Osram

Osram selbst hatte sich dabei zurückhaltend geäußert. Es gebe derzeit keine "konkreten Dinge", sagte Finanzvorstand Ingo Bank auf der Bilanzpressekonferenz vergangenen Mittwoch. Konzernchef Olaf Berlien hatte den Kontakt zu San'an bestätigt, sagte aber auch, Osram habe generell Kontakt zu potenziellen Investoren gehabt, nicht nur aus China. Dies sei "nichts Bedrohliches".

Kritiker einer Übernahme fürchten hingegen, dass potenzielle Käufer, insbesondere aus China, vor allem an den zahlreichen Patenten und Technologien von Osram interessiert sein könnten. Dies sieht auch IG-Metall-Vertreter Wechsler so. Osram verfüge über eine attraktives Technologieportfolio und aussichtsreiche strategische Zukunftsprojekte. "Eine Übernahme birgt erhebliche Risiken eines Abflusses von kritischem Knowhow und dem Abbruch wichtiger Projekte durch Kunden", so Wechsler. Von diesen Risiken seien insbesondere deutsche Standorte betroffen.

Siemens mit Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle bei einem Verkauf kommt dabei auch Großaktionär Siemens zu, der nach wie vor rund 17 Prozent an Osram hält, der Beteiligung aber nur noch den Status einer Finanzbeteiligung zugesteht. Siemens hatte in der Vergangenheit die neue strategische Ausrichtung Berliens mit der Konzentration auf LEDs für die Allgemeinbeleuchtung kritisiert, die für zu risikoreich gesehen wurde. Der teils öffentlich ausgetragene Streit gipfelte in einem Misstrauensantrag von Siemens auf der letzten Hauptversammlung für den Osram-Chef, der jedoch scheiterte.

Marktbeobachter gehen daher davon aus, dass Siemens ein gesteigertes Interesse hat, die Osram-Beteiligung zu einem guten Preis zu verkaufen - und dabei der Türöffner für eine Übernahme durch die Chinesen sein könnte.

Wechsler sieht dafür jedoch keine Notwendigkeit. Seit dem Börsengang habe sich der Kurs der Osram-Aktie mehr als verdoppelt und habe damit eine erheblich höhere Wertsteigerung als die Aktie von Siemens erfahren. "Daher hat Siemens die Möglichkeit, seinen verbliebenen Anteil auch über die Börse zu platzieren", so der IG-Metall-Vertreter.