Erdogan, Türkei, Referendum

Am Ostersonntag steht in der Türkei mit dem Referendum über eine Verfassungsänderung eine Richtungsentscheidung für das Land am Bosporus an. - Bild: Kremlin.ru

Mit dem Referendum über eine Verfassungsänderung in der Türkei - am christlichen Ostersonntag - steht auch eine Richtungsentscheidung für das Land am Bosporus an. Und diese wird sehr stark ausstrahlen in das politische Europa und sein künftiges Verhältnis zur Türkei.

Der ökonomische Blick richtet sich auf die Konjunkturforschungsinstitute, ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und ihre Empfehlungen an die Bundesregierung. Zuvor liefert der ZEW-Index ein frisches Stimmungsbild der Finanzmarktakteure. Die US-Earningssaison läuft bereits vor Ostern an - zwar mit noch verhaltenem Tempo, aber zumindest mit zwei Bank-Schwergewichten, JP Morgan und Citigroup.

Folgende Termine werden im Fokus stehen (Angaben in Ortszeit Deutschland):


Dienstag, 11. April 2017, 11:00: ZEW-Index

Die Konjunkturerwartungen von institutionellen Investoren und Finanzanalysten für Deutschland dürften sich im April weiter gebessert haben. Volkswirte erwarten, dass der vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Erwartungsindex auf 15,0 (Vormonat: 12,8) Punkte gestiegen ist, nachdem er bereits im Februar etwas zugelegt hatte. Doch zuletzt war die Divergenz von Stimmungsdaten und harten Konjunkturindikatoren in Deutschland ins Blickfeld gerückt, denn Indikatoren wie ZEW- und Ifo-Index zeigten mehr Optimismus an als sich dann in den tatsächlichen Wirtschaftsdaten wiederfand. Nach Veröffentlichung "harter" Daten für Februar hat sich dies zwar etwas abgeschwächt, aber die Diskussion um die Aussagekraft der Frühindikatoren hält an.


Mittwoch, 12. April 2017, 11:00: Wachstumsprognose Sachverständigenrat

Neben einer Wachstumsprognose geben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der Bundesregierung auch gerne kritische Empfehlungen mit auf den Weg. Im Herbst mahnten sie eine Neuausrichtung der Wirtschafts- und Finanzpolitik an, um so auf wachsende Unsicherheiten vor allem wegen des Brexits, aber auch wegen der Flüchtlingskrise und auf den demografischen Wandel zu reagieren. Inzwischen ist mit dem neuen US-Präsidenten Trump und seiner (Handels-)Politik ein weiteres Element hinzugekommen, das auf die deutsche Wirtschaft wirkt. Interessant wird sein, wie stark dies in die BIP-Prognose einfließt. Denn mit plus 1,4 Prozent 2017 Jahr und plus 1,6 Prozent 2018 lagen die Institute im Herbst auf einem Prognoseniveau, das den aktuellen Schätzungen von Bundesregierung und Sachverständigenrat entspricht.

Donnerstag, 13. April 2017: Quartalszahlen US-Banken

Steigende Zinsen, florierende Handelsgeschäfte und die Aussicht auf eine laschere Regulierung haben die US-Großbanken zuletzt beflügelt. Ob sie den Schwung des Jahresausklangs 2016 ins neue Jahr mitgenommen haben, wird sich zeigen, wenn am Donnerstag JP Morgan und die Citigroup ihre Zahlen für das erste Quartal vorlegen und damit die Berichtssaison der großen Finanzhäuser einläuten. In den vergangenen Quartalen übertrafen sie mit schöner Regelmäßigkeit die Gewinnerwartungen am Markt. Anders ist die Lage bei Wells Fargo: Die langjährige Gewinnmaschine war zuletzt durch einen Skandal um gefälschte Konten erschüttert worden und muss jetzt zeigen, ob sie wieder auf Kurs gekommen ist.

JP Morgan Chase: 12:45 Uhr
Citigroup Inc: 14:00 Uhr
Wells Fargo: 14:00 Uhr

Sonntag, 16. April 2017: Türkisches Verfassungsreferendum

Nicht nur die Mitgliedstaaten der Europäischen Union blicken mit großer Spannung auf die Volksabstimmung über die vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geplante Verfassungsänderung. Denn der Ausgang des Referendums steht den Umfragen zufolge etwa bei 50 zu 50. Zuletzt wurde ein leichter Ausschlag zugunsten der Verfassungsänderung beobachtet, die Präsident Erdogan deutlich mehr Rechte einräumen würde. Sollte Erdogan seinen Plan durchsetzen, würde ihn das in seinem Land stärken, die Verhandlungen über einen EU-Beitritt aber weiter schwächen. Denn die Fokussierung von zu viel Macht auf eine Person ist in der Union nicht willkommen. Erdogan hat folgerichtig bereits ein Referendum über den EU-Beitritt verkündet.