Acatech, Dieter Spath

Dieter Spath ist der Präsident von Acatech. Er fordert: Vernetzung darf nicht an Unternehmensgrenzen enden. Alle Beteiligten müssen viel intensiver zusammenarbeiten als bisher.“ - Bild: Acatech

Das erklärte Acatech, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, im Positionspaier „Kollaboration als Schlüssel zum erfolgreichen Transfer von Forschungsergebnissen“. Demnach sollen Projekte von Beginn auf eine intensive Zusammenarbeit ausgerichtet sein.

Konkret: Alle Stakeholder sollen adäquat eingebunden sein und agil gesteuert werden. Nur so könnten sie auf neue Erkenntnisse und Entwicklungen schnell reagieren, heißt es weiter. Ein Vorbild wie ein solches innovatives Ökosystem aussehen ist laut den Experten die Automobilindustrie mit ihren globalen Wertschöpfungszentren.

"Vernetzung darf nicht an Unternehmensgrenzen enden"

Acatech Präsident Dieter Spath erläutert: „Logistik 4.0 zeichnet sich durch in Echtzeit vernetzte Abläufe aus. Diese Vernetzung darf nicht an Unternehmensgrenzen enden. Alle Beteiligten müssen viel intensiver zusammenarbeiten als bisher.“

Aktuell fördern verschiedene Bundesministerien Forschungsprojekte in der Industrie 4.0. Kollaboration und Agilität sollten dabei wichtige Kennzeichen der Rahmenbedingungen, Förderverfahren und Projektstrukturen sein. So die Forderung von Spath.

Axel Kuhn, Acatech-Mitglied, der das Projekt gemeinsam mit Michael Henke vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik  leitet, sagt: „Wir empfehlen der Bundesregierung die Einrichtung branchenspezifischer Foren für Innovation und Kollaboration, indem gemeinsam Forschungs- und Entwicklungslinien für die Branche entstehen.“

Michael Henke ergänzt: „Innerhalb von Forschungsprojekten brauchen wir für die digitale Transformation eine höhere Agilität und deshalb mehr Freiheiten, auf neue Erkenntnisse und Entwicklungen zu reagieren.“ Den schnelleren Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis sollen regionale und miteinander vernetzte Transferzentren beschleunigen.

Forschungsprojekte an den ständigen Wandel anpassen

Industrie 4.0 verändere Branchen wie die Automobillogistik auf allen Ebenen. Forschungs- und Entwicklungsprojekte müssten sich deshalb an einen ständigen Wandel anpassen. Henke erläutert: „Wir empfehlen eine Stärkung der Projektleitungen. Sie müssen Projekte den aktuellsten Entwicklungen und Erkenntnissen entsprechend flexibel steuern können. Dazu benötigen sie Qualifikationen, aber auch Handlungsspielräume.“

Gerate ein Projekt in Schieflage, müssten sie Kurskorrekturen auch über Unternehmensgrenzen hinweg durchsetzen, ineffiziente Partner sanktionieren, neue Partner gewinnen und Aufwandsverschiebungen vornehmen können.

Auch ein mögliches Scheitern muss laut Acatech in Projekten möglich sein. Wenn Projekte nicht den ursprünglich vermuteten Mehrwert für die praktische Anwendung bringen, sollten Unternehmen, Wissenschaft und Förderinstitutionen den Ausstieg einzelner Projektpartner oder auch den Abbruch des Projekts vorsehen. Das darf jedoch nicht zu einem Abbruch sämtlicher wissenschaftlicher Arbeit führen – ein durch die Fördermittelgeber eingerichteter Risikofond sollte in diesem Fall einspringen.

Über die Acatech Position

Die Position „Kollaboration als Schlüssel zum erfolgreichen Transfer von Forschungsergebnissen“ fußt auf Umfragen in Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Entscheidend ist den Umfragen zufolge eine agilere Zusammenarbeit, um eine gemeinsame Forschungsagenda innerhalb von Branchen zu etablieren – zum Beispiel in der Automobillogistik 4.0.

Die Forschungs- und Entwicklungslandschaft muss dafür reformiert werden. Die Acatech Position basiert auf dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) geförderten Projekt „Kollaboration als Schlüssel zum erfolgreichen Transfer von Innovationen am Beispiel der Automobillogistik“ (Innokey 4.0).

Acatech und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) untersuchen darin zusammen mit Vertretern aus Wissenschaft und Praxis Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten am Beispiel der Automobillogistik. Adressaten sind Unternehmen der Automobilbranche, Wissenschaftler aus Bereichen wie Logistikmanagement, Informatik und Wirtschaftswissenschaften, Akteure aus der Politik, Branchenverbände sowie Bildungsanbieter.