Manfred Wittenstein - Industrie 4.0-Readiness

Dr. Manfred Wittenstein stellte die Industrie 4.0-Readiness-Studie auf dem Maschinenbau-Gipfel vor. - Bild: Hoffmann

„Industrie 4.0 ist für uns eine Überlebensfrage, wie wir das Thema gestalten und wie wir auf diesem Weg vorangehen, ist wichtig“, sagt Dr. Manfred Wittenstein, Aufsichtsratsvorsitzender der Wittenstein AG. Natürlich sei jedes Unternehmen in einer anderen Situation und müsse erst einmal definieren und entscheiden, was als nächster Schritt dran ist.

Die Studie zeigt: Industrie 4.0 ist im Maschinenbau zu 90 Prozent angekommen, bereits ein Viertel der Befragten beschäftigt sich intensiv damit. Im verarbeitenden Gewerbe setzen sich der Umfrage zufolge nur halb so viele Unternehmen damit auseinander.

„Der Maschinenbau ist in der Vorreiterrolle und wird dann dieser Aufgabe am langen Ende wohl gerecht werden“, konstatiert Wittenstein. Die großen Konzerne seien schneller bei diesem Thema unterwegs, die kleinen Unternehmen eher abwartend, doch Wittenstein relativiert: „Die Kleinen müssen klug mit ihrem Geld umgehen, das ist ganz normal bei einer so großen Aufgabe, dass die Großen vorangehen müssen“.

Der Studie liegt ein von IW Consult und FIR entwickeltes Industrie 4.0-Readyness-Modell zugrunde. Die Pioniere sind mit 5,6 Prozent noch bescheiden zu nennen, knapp 17 Prozent bezeichnen sich nach diesem Modell als fortgeschrittener Einsteiger, rund 37 Prozent als Anfänger.

Der wirtschaftliche Nutzen ist bei den großen Einsteigern nicht in Frage gestellt, die „Neulinge“ hingegen erkennen den Nutzen häufig noch nicht. „Es ist ermutigend: Diejenigen, die schon weit sind, sagen dass es einen Nutzen gibt und es lohnt, den Weg weiterzugehen. Da ist Licht am Ende des Tunnels!“, stellt Manfred Wittenstein fest. In einem Online-Tool können Unternehmen ihre eigene Industrie 4.0-Readiness prüfen.

„Industrie 4.0 kann man nicht kaufen, sondern muss man sich erarbeiten“, sagt Prof. Jürgen Fleischer, Institutsleiter KIT. Die Ergebnisse der Diskussionsrunden fasste Fleischer im Anschluss zusammen: „Die Geschäftsmodeellentwicklung beschleunigt sich. Risiko dabei: Wenn wir nicht aufpassen, könnten sich zwischen Maschinenbauer und ihre Endkunden Plattformen als Intermediäre quetschen“.

Dann sei die Frage, wer künftig die Marge macht. „Systematische Dienstleistungsentwicklung ist die klare Aufgabe, Intermediäre werden kommen. Die Frage ist: Wie kooperiert man clever – oder müssen wie sogar etwas Eigenes aufbauen?“, so Fleischer. Zudem würden mehr Data Scientists gebraucht, man könne dabei nicht auf Nachwuchs von der Uni warten, sondern müsse neue Aus- und Weiterbildungsarten entwickeln.

Neue Entwicklungen finden vor allem auf Seiten der IT und der Daten mit „Data Driven Services“ statt. Hier müsse man die IT-Mitarbeiter mit ihren Lösungen und die Praxis mit ihren konkreten Problemen besser zusammenbringen.

Das KIT hat mit vier Unternehmen einen kreativen Prozess durchgespielt, der Ideen liefern sollte, was mit bestehendem Wissen an neuen Geschäftsmodellen möglich ist. Eines dieser Unternehmen war Greiferhersteller Schunk. „Nach unserem Verständnis muss die Epoche Industrie 4.0 dabei helfen, besser zu kommunizieren gegenüber der bekannten Kommunikationspyramide, wie wir sie aus den Achtzigern kennen“, meint Dr. Markus Klaiber, technischer Geschäftsführer Schunk GmbH & Co. KG.

Aus dem Kreativprozess entstand die Idee, einen mechatronischen Greifer mit Intelligenz, Kommunikation und Web-Anbindung auszustatten: Am Produkt des smarten cyberphysischen Greifers wird gearbeitet.

Mit eGrip entwickelte der Hersteller sogar ein kleines neues Geschäftsmodell. Bisher mussten die Kunden die Greiferfinger je nach ihren individuellen Werkstücken selbst herstellen, es gab ein großes Bedürfnis, dass Schunk ihnen diese aufwendige Aufgabe abnimmt. Mittlerweile können Kunden ihre Werkstückkonfiguration hochladen, die entsprechenden Greiferfinger modellieren, bekommen Lieferzeit und Preis angezeigt und erhalten das mit 3D-Druck erstellte Produkt in der Regel eine Woche später. „Wir konnten damit die Konstruktionskosten beim Kunden um bis zu 97 Prozent reduzieren“, berichtet Klaiber.

Doch die ersten Projekte zeigten auch, dass ein Unternehmen die Aufgaben im Alleingang nicht stemmen könne. Es brauche Unterstützung in Form von übergreifenden Entwicklungsplattformen.