Bosch Mitarbeiter

Zwar werden bereits Einzelvorhaben im Rahmen von Industrie 4.0 umgesetzt, es fehlt aber in den meisten Unternehmen eine Gesamtstrategie. Ohne sie ist der konsequente Einsatz neuer Technologie schwierig. Es geht um den Mut, die in Abteilungen zerschnittenen Prozesse durchgängig zu machen und etwas Neues zu wagen. - Bild: Bosch

Es geht um den Mut, die in Abteilungen zerschnittenen Prozesse durchgängig zu machen und etwas Neues zu wagen.

Wie sieht es in der Praxis aus, vier Jahre, nachdem der Begriff Industrie 4.0 geprägt wurde? "Wir sind definitiv noch in der Feldversuch-Phase, es fehlt noch an einem klaren Zielbild, zum einen, was Industrie 4.0 genau ist, und was es zum anderen für die jeweiligen Unternehmen bedeutet", sagt Dr. Thomas Stöckel, Geschäftsführer vom Produktions-IT-Anbieter nextLAP GmbH. "Für den klassischen Fertiger sind Stückzahl, Qualität und Kosten wichtig, Innovation in der Produktion steht hingegen nicht unbedingt auf dem Plan und auch nicht in den Zielvereinbarungen der Mitarbeiter", so Stöckel. Veränderung der bestehenden Prozesse sei deshalb eine wichtige Aufgabe des Managements.

 

Johann Hofmann
Johann Hofmann: "Es kommt sehr drauf an, was man unter Industrie 4.0 versteht - einige Aspekte sind durchaus in der Praxis angekommen." - Bild: Maschinenfabrik Reinhausen

"Es kommt sehr drauf an, was man unter Industrie 4.0 versteht - einige Aspekte sind durchaus in der Praxis angekommen", sagt Johann Hofmann, Leiter ValueFacturing der Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg. In der Forschung werde der Fokus beim Thema häufig darauf gelegt, dass sich das intelligente Werkstück selbst durch seine Fertigung navigiert - das greife zu kurz und sei erst der zweite Schritt.

Versteht man aber unter Industrie vor allem die Vernetzung und Digitalisierung der Fertigung mit der Nutzung von Big Data Analytics für Qualitätssicherung und Prognostik, dann sieht Hofmann seine 2013 mit dem ersten Industrie 4.0-Award der "Produktion" ausgezeichnete Lösung als betriebliche Realität. Das Webservice-basierte Assistenzsystem sorgt für vertikale und horizontale Integration, läuft in der Cloud und soll zu Komplexitätsreduktion und Vorhersagefähigkeit beitragen.

In einer Umfrage von Bosch Software Innovations unter 181 Fertigungsverantwortlichen gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, bereits heute vernetzte Softwarelösungen zu nutzen. Zwei Drittel planen, in den nächsten zwölf Monaten Industrie-4.0-Softwarelösungen einzuführen. Entsprechende Lösungen kommen demnach heute hauptsächlich schon zur Überwachung von Maschinen- und Produktionsprozessdaten und damit zur Verbesserung wesentlicher Fertigungs-KPIs zum Einsatz.

Für 72 Prozent steht bei der Vernetzung das Monitoring von Maschinendaten im Vordergrund, für 70 Prozent von Prozess- und Qualitätsdaten, 58 Prozent nutzen es für Logistikprozesse. Die Hälfte der Befragten will Anwendungen für die vorausschauende Instandhaltung einführen. "Die vorausschauende Instandhaltung war eins der ersten Anwendungsszenarien, die im Kontext Industrie 4.0 diskutiert wurden. Die Zeit scheint nun reif für erste Pilotanwendungen", erklärt Daniel Hug, Leiter des Verticals Fertigung und Logistik bei Bosch Software Innovations.