Es geht wieder aufwärts: Das stellen derzeit viele Industrieunternehmen fest, die 2009 noch

Es geht wieder aufwärts: Das stellen derzeit viele Industrieunternehmen fest, die 2009 noch Verluste einfuhren (Bild: picture-alliance).

Viele Firmen der verarbeitenden Industrie stoßen wieder in die Gewinnzone vor. Und die Beurteilung der Geschäftslage im KfW-ifo-Geschäftsklima steigt um einen Rekordwert.

Von Gunnar Knüpffer

LANDSBERG (gk/DJ). Der Essener Mischkonzern Evonik, der im Vorjahresquartal noch einen Verlust von 46 Mio Euro verbuchte, hat den Turnaround geschafft und von Januar bis März ein Konzernergebnis von 290 Mio Euro erwirtschaftet. Dank einer deutlich höheren Mengennachfrage geht der Konzern für dieses Jahr nun von einem Umsatzwachstum im zweistelligen  Prozentbereich aus.
Viele deutsche Industrie-Unternehmen überraschen nach dem Krisenjahr 2009 im ersten Quartal dieses Jahres wieder mit Gewinnen. Aktuell   glänzen beispielsweise Eon, Evonik, Leoni und Jenoptik mit einem steigenden Ergebnis.
Transparent wird diese Entwicklung auch im KfW-ifo-Mittelstandsbarometer, wo im Monat April Rekordwerte erzielt wurden. Das Geschäftsklima für kleine und mittlere Unternehmen verbesserte sich um den höchsten Wert innerhalb eines Monats seit Beginn des Index 1991: um 7,3 Zähler. Bei den Großunternehmen gelang mit einem Plus von 8,7 Zählern immerhin der zweithöchste Anstieg seit 1991.
Die sehr gute Entwicklung des Geschäftsklimas im April war sowohl auf die gestiegene Beurteilung der Geschäftslage als auch auf verbesserte Geschäftserwartungen zurückzuführen. Während die Erwartungen bei kleinen und mittleren Unternehmen moderat um 3,9 Zähler auf 15,3 Saldenpunkte zunahmen, stieg die Beurteilung der Lage doppelt so stark wie der bisherige Rekordanstieg um 11,2 Zähler auf 12,3 Saldenpunkte. Bei den Großunternehmen verteilte sich der Anstieg des KfW-ifo-Geschäftsklimas im April etwas ausgewogener auf die Verbesserung der Lageurteile  (+10,4 Zähler) und den Anstieg der Erwartungen (+6,6 Zähler). Die Lage  wird erstmals seit Oktober auch bei den Großunternehmen wieder positiv beurteilt (+4 Saldenpunkte).
Im verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima erneut deutlich: Der Index sprang den zweiten Monat in Folge nach oben. Die Industriefirmen schätzen ihre Geschäftslage merklich günstiger ein. Auch bezüglich der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr seien sie hoffnungsvoller als im vergangenen Monat, schreibt Klaus Abberger vom ifo Institut im Konjunkturtest. Im Exportgeschäft rechneten sich die Unternehmen erneut größere Chancen aus. Derzeit lasten die Firmen ihre vorhandenen Geräte und Maschinen deutlich stärker aus als zu Jahresbeginn. Der Auslastungsgrad der Industrie liegt etwas unterhalb des langjährigen Durchschnittswerts. Die Vorleistungsgüterhersteller und Investitionsgüterproduzenten haben seit Jahresbeginn den Einsatz ihrer Geräte deutlich erhöht. Die Industrieunternehmen schätzen ihre vorhandenen technischen Kapazitäten in den nächsten zwölf Monaten bei weitem nicht mehr so häufig als zu groß ein. Nach Einschätzung von Abberger hat die Industrie im März und April einen großen Schritt in Richtung Normalisierung getan.
So legte beispielsweise der bereinigte Konzernüberschuss des Energiekonzerns Eon im ersten Quartal um 16 % auf 2,1 Mrd Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs um 20 % auf gut 3,7 Mrd Euro.
Wie Evonik kehrte auch der Kabel- und Bordnetzspezialist Leoni im Auftaktquartal nach mehr als einem Jahr mit einem Gewinn von gut 10 Mio Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Im Vorjahr stand noch ein Verlust von 50 Mio Euro in den Büchern. In diesem Jahr soll der Umsatz um 10 % auf 2,4 Mrd Euro anwachsen. Und auch Jenoptik schwenkte im ersten Quartal von der Verlust-  in die Gewinnzone – wenn auch der Gewinn nur 400 000 Euro betrug; im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von  2,7 Mio Euro angefallen. Neben einer Nachfragebelebung stützte auch das Sparprogramm die Ertragslage zum Jahresauftakt. Mitte 2009 hatte Jenoptik rigoros den Rotstift angesetzt und den Sparkurs im September verschärft. Die Firma baute  mehr als 10 % aller Arbeitsplätze ab, schloss Standorte und stellte das verlustträchtige Geschäft mit Mittelformatkameras ein.
„Die Unternehmen haben unmittelbar nach Ausbruch der Krise massiv auf die Kostenbremse getreten“, hat Hendrik Hollweg, Mitglied der Geschäftsführung von Ernst & Young Deutschland in einer Studie zu den DAX-Unternehmen festgestellt. So konnten die Unternehmen verhindern, dass sich der erhebliche Umsatzrückgang zu einer existenzbedrohenden Krise entwickelte. Inzwischen hätten sich das wirtschaftliche Umfeld und die Perspektiven aber stark verbessert, was dazu führe, dass auch wieder verstärkt investiert werde. „Weltweit bringen sich die Unternehmen längst wieder für den Aufschwung in Stellung“, sagt Hollweg. Da dürften Deutschlands Top-Konzerne nicht den Anschluss verpassen.
Das KfW-ifo-Geschäftsklima im Mittelstand und bei den Großkunden signalisiert eine von niedrigem Niveau aus solide expandierende Wirtschaft. Nach der bereits vollzogenen Aufhellung rechnen KfW und ifo zwar mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends, die Dynamik soll sich aber im zweiten Halbjahr abschwächen: Das Bruttoinlandsprodukt soll unverändert um 1,5 % wachsen.