Im Gespräch mit Produktion erläutert Dr. Reinhard Ploss, Mitglied des Vorstands der Infineon

Im Gespräch mit Produktion erläutert Dr. Reinhard Ploss, Mitglied des Vorstands der Infineon Technologies, die Hintergründe geplanter Investitionen (Bild: Infineon).

Tino Böhler

Herr Dr. Ploss, hat sich die Situation der Halbleiterbranche verändert?

Ja. Seit vergangenem Herbst hat sich die Halbleiterbranche weiter stabilisiert. Das Branchenwachstum hatte in 2010 bei etwa 32 Prozent gelegen. Für 2011 liegen die Erwartungen der Branche bei rund neun Prozent.

Was bezweckt Infineon mit dem Invest?

Dank Infineons Fokussierung auf die Megatrends Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit sind wir mit Automobil-, Industrie- und Sicherheitschips über Marktniveau gewachsen. Wir wollen unsere führenden Positionen in diesen Märkten nachhaltig festigen und ausbauen. Infineon erwartet für das Geschäftsjahr 2011 ein Umsatzwachstum von 20 Prozent.

Was waren die Hauptgründe für dieses Engagement?

Infineon prüft derzeit, inwieweit bei Leistungshalbleitern der Einsatz von 300-mm-Wafern und Dünnwafertechnologien möglich ist. Dazu richten wir an unserem österreichischen Standort Villach eine Pilotlinie ein. Die erworbenen 300-mm-Fertigungsanlagen sind eine wichtige Grundlage für den möglichen Aufbau einer Volumenfertigung und einige der Maschinen werden in Villach eingesetzt.

Wie sieht die Produktionsstrategie von Infineon aus?

Bei den Produkten, bei denen Technologie und Fertigungs-Know-how wesentlich zu ihrer Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb beitragen, behalten wir die Produktion in eigener Hand. Das gilt im Besonderen bei Leistungshalbleitern. Für deren Fertigung setzen wir schon heute spezielle Dünnwafertechnologien ein und haben hier für Wafer mit Durchmessern von 150 mm und 200 mm eine technische Führungsrolle inne. Leistungshalbleiter werden zum Beispiel in Elektrofahrzeugen, Wind- und Solaranlagen, Motoren und Generatoren aller Art, PCs und Servern eingesetzt. Sie tragen dazu bei, dass hier weniger Energie verbraucht wird.

Hat die Situation in Japan diese Entscheidung beeinflusst?

Nein.

Gab es Signale aus der Industrie, die Sie in diesem Schritt bestärkt haben?

Infineon ist der weltweit zweitgrößte Chipanbieter fürs Auto und der Halbleiteranteil im Auto steigt. Als Innovationsführer setzen wir auf die Zukunfts- und Wachstumstreiber im Auto und damit auf bessere Energieeffizienz, höhere Sicherheit und das entstehende Segment der Kleinst- und Kompakt-Autos in den Schwellenländern. In Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb sind heute Halbleiter im Wert von rund 300 US-Dollar eingebaut, in Hybrid- und Elektrofahrzeugen werden es bis zu 900 US-Dollar sein. Und auch hier wollen wir der führende Chiphersteller sein.

Was soll mit dem neuen Werk und seinem Inventar passieren?

Über die Aufnahme einer 300-mm-Volumenfertigung für Leistungshalbleiter und den möglichen Fertigungsstandort wird Infineon im Laufe des Geschäftsjahres entscheiden. In diesem Jahr investiert Infineon insgesamt über 170 Mrd Euro in den Standort Dresden.

Welche Rolle spielt die Landesregierung des Freistaates Sachsen beim Erwerb der Anlagen?

Die Staatsregierung hat die Investitionsentscheidung von Infineon intensiv begleitet, den Kauf jedoch nicht mit staatlichen Fördermaßnahmen unterstützt.

Was plant Infineon im Bereich Expansion dieses Jahr noch?

Aufgrund dieser Transaktion und des weiteren Kapazitätsausbaus infolge des starken Auftragseingangs erhöht Infineon für das Geschäftsjahr 2011 das Investitionsbudget von rund 700 Mio Euro auf 850 Mio Euro. Das Investitionsbudget hatte im vergangenen Geschäftsjahr 325 Mio Euro betragen.

Kapazitätserweiterung

Die Infineon Technologies hat vergangene Woche die Immobilien und Fabrikationsanlagen vom Insolvenzverwalter über das Vermögen der Qimonda Dresden für insgesamt 100,6 Mio Euro erworben. Die Immobilien grenzen unmittelbar an das Unternehmensgelände von Infineon in Dresden. Der Erwerb der Immobilien umfasst Reinraumtechnik und Fertigungsanlagen sowie Betriebsmittel der 300-mm-Fertigung und ist Teil der strategisch ausgerichteten Kapazitätserweiterung des Unternehmens.