Knappe Ressourcen und Wachstumsschwäche führen zu Innovationsdefizit. - Bild: KfW

Knappe Ressourcen und Wachstumsschwäche führen zu Innovationsdefizit. - Bild: KfW

  • Um durchschnittlich 3,9 % wächst der Umsatz bereits innerhalb von zwei Jahren nach Einführung einer Innovation gegenüber einem nichtinnovativen Unternehmen (Grafik 1).
  • Die Umsatzrendite steigt innerhalb von zwei Jahren um 7 % gegenüber nicht-innovativen Unternehmen.
  • Vor allem Marktneuheiten beschleunigen Unternehmenswachstum – allerdings bei erhöhtem Risiko zu scheitern.
  • Auch Prozessinnovationen führen zu Umsatzwachstum.

Rückgang der Innovationstätigkeit

Trotzdem lässt nun schon im dritten Jahr in Folge die Innovationstätigkeit im Mittelstand nach. Der Anteil innovativer Unternehmen (Umsatz bis 500 Mio. Euro) ist um ein Drittel eingebrochen. Damit liegt der Anteil mittelständischer Innovatoren noch niedriger als in den Jahren der Finanzkrise 2007 bis 2009. Besonders stark zurückgegangen sind Produktinnovationen. Zu diesem Ergebnis kommt die KfW in ihrem ‚Innovationsbericht Mittelstand 2014‘, (GR 3). Auch Unternehmen aus dem FuE-intensiven Verarbeitenden Gewerbe (Maschinenbau, Elektrotechnik, Pharmaindustrie) sowie große und international tätige Mittelständler verabschieden sich aus der Gruppe der Innovatoren.

Wie entstehen Innovationen?

Gerade in mittelständischen Unternehmen entstehen Innovationen häufig aus dem normalen Produktionsprozess heraus oder in enger Interaktion mit Kunden und Zulieferern. Eigene Forschung und Entwicklung ist aufgrund der beschränkten Ressourcen dagegen eher selten. Laut KfW-Innovationsbericht sind FuE-Aktivitäten aber in allen Unternehmensgrößenklassen im Mittelstand rückläufig. „Wenn der Mittelstand an Innovationskraft einbüßt, dann sind das schlechte Nachrichten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und auch für den Standort Deutschland“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

Auswirkungen des Wettbewerbs auf Innovationswahrscheinlichkeit KfW

Auswirkungen des Wettbewerbs auf Innovationswahrscheinlichkeit: Technologiewettbewerb beflügelt, Preisdruck hemmt. – Bild: KfW

Das Spektrum der Innovationshemmnisse im Mittelstand ist groß, und reicht von strukturellen bis zu hausgemachten Gründen. Die schwache Konjunktur in der Eurozone – die eher pessimistischen mittelfristigen Geschäftserwartungen – bremsen das Innovationsverhalten im Mittelstand.

Der intensive Preiswettbewerb als Folge einer zunehmenden Wettbewerbsintensität führt nicht zu einer Steigerung der Innovationsanstrengungen, sondern erhöht häufig den Effizienzdruck und erzwingt eher Preisanpassungen sowie Kostensenkungen. In erster Linie fahren Unternehmen die Entwicklung und Markteinführung von Produktinnovationen zurück.

Rückgang Produkt- und Prozessinnovationen im Mittelstand KfW

Rückgang Produkt- und Prozessinnovationen im Mittelstand:
Die angegebenen Zeiträume beziehen sich auf verschiedene Erhebungen. – Bild: KfW

Einschränkungen durch das Gesetz

Gesetzliche Auflagen sind ein Hemmnis für FuE , heißt es beim IfM-Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Außerdem bemängeln Kleinunternehmen mit geringen personellen und zeitlichen Kapazitäten den fehlenden Zugang zu Fördermitteln. Die weitere Verbesserung der Transparenz im Förderangebot und die Bündelung von Angeboten wäre hilfreich. Gleichzeitig sollten bürokratische Auflagen regelmäßiger überprüft werden.

Der Mangel an qualifiziertem FuE-Personal wirkt sich zunehmend negativ auf die Innovationskraft des Mittelstands aus. Die Angebotslücke bei Fachkräften stellt mittlerweile ein wesentliches Hemmnis für FuE im Mittelstand dar.

Unternehmen mit eigenen FuE-Aktivitäten KfW

Unternehmen mit eigenen FuE-Aktivitäten: Die Erhebungszeiträume sind in der Legende unten angegeben. – Bild: KfW

Höhere Anforderungen an die Flexibilität sowie verkürzte Planungshorizonte treiben neue Produktions- und Herstellungsverfahren (siehe Grafik). Ein verkürzter Planungshorizont verstärkt die Anstrengungen der Unternehmen, neue Produkte zu entwickeln. Eine Erklärung: Möglicherweise richten sich Unternehmen bei verkürzten Planungshorizonten auf kürzere Produktlebenszyklen ein und arbeiten frühzeitiger an der Weiterentwicklung ihres Portfolios.

Von einem Technologiewettbewerb gehen die mit Abstand stärksten positiven Wirkungen auf die Innovationstätigkeit aus – die Innovationswahrscheinlichkeit steigt um 45 %. In Wirtschaftszweigen, die durch einen ausgeprägten Technologiewettbewerb gekennzeichnet sind, spielt Preiswettbewerb eine geringere Rolle.

Christiane Siemann