Insolvenzen, Schäden, Anstieg, Industrie, Euler Hermes

"In den ersten zwölf Monaten bis August 2016 lagen die Schäden durch Unternehmensinsolvenzen mit 26 Milliarden Euro ganze 48 Prozent höher als noch zwölf Monate zuvor", sagte der CEO von Euler Hermes von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Ron van het Hof. - Bild: Pixabay

Die Schäden durch Unternehmensinsolvenzen sind 2016 in die Höhe geschnellt. „In den zwölf Monaten bis August 2016 lagen diese mit 26 Milliarden Euro ganze 48 Prozent höher als noch zwölf Monate zuvor“, sagte der CEO von Euler Hermes von Deutschland, Österreich und der Schweiz, Ron van het Hof.

„Das sind durchschnittlich 1,2 Millionen pro Insolvenz.“ Auch wenn die Fallzahlen darüber hinwegtäuschen mögen, haben die Risiken laut Euler Hermes für deutsche Unternehmen zugenommen.

„Es sind vor allem mehr wirtschaftlich bedeutende, große Unternehmen in die Pleite geschlittert“, begründet Van het Hof die Entwicklung. „Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar – zumal wir 2017 in Deutschland mit stagnierenden Fallzahlen rechnen.“

Besonders im Bereich Wissenschaft und Technik, im produzierenden Gewerbe, im Handel, im Bau, im Finanzbereich und im Transportgewerbe sind die entstandenen Verluste durch Pleiten in Deutschland 2016 überproportional gestiegen.

„‘Too big to fail‘ gibt es nicht mehr“, sagte Van het Hof. „Das gilt sowohl in Deutschland als auch im Ausland, auch dort gehen vermehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen in die Insolvenz. Das bedeutet auch hier deutlich höhere Schäden. Zudem steigen die Fallzahlen weltweit bereits. Für Exporteure sind das keine guten Nachrichten. Ein aus diesem Trend resultierender Dominoeffekt auf Lieferanten und Partner kann eigentlich stabile Unternehmen leicht in Schwierigkeiten bringen und im schlimmsten Fall mit in den Abwärtsstrudel ziehen.“

Schaut man bei den Tendenzen der Insolvenzen in Deutschland 2016 genauer hin, sinken die Fallzahlen in fast allen Bundesländern. Am stärksten ist der Rückgang in Thüringen (-24 Prozent), Hamburg und Rheinland-Pfalz (jeweils -15 Prozent). Sachsen (+8 Prozent), Bremen (+6 Prozent) und Schleswig-Holstein (+5 Prozent) verzeichnen gegen den Trend einen Anstieg der Fallzahlen (September 2015 bis August 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Die absolut meisten Fälle verzeichnen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Bei der Insolvenzrate, also den Insolvenzfällen pro 10.000 Unternehmen, liegen Bremen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Berlin und Hamburg deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Bei den Branchen ist die Insolvenzrate im Finanzdienstleistungssektor, in der Transportbranche, Gastronomie, bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleitungen, Baubranche und dem produzierenden Gewerbe überdurchschnittlich hoch, auch wenn die Fallzahlen fast überall rückläufig sind.

Schaut man im produzierenden Gewerbe jedoch auf die Untersektoren, fällt auf, dass in der Fertigung pharmazeutischer Produkte gegen den Trend die Pleiten um 43 Prozent angestiegen sind. Steigende Pleitefälle verzeichnet Deutschland 2016 zudem im Bildungs-, Energie- und Agrarsektor.

Euler Hermes, Insolvenzen, Schäden, produzierendes Gewerbe
Anstieg der Schäden nach Branchen: Angegeben sind die Werte bis zum August im Vergleich zum Vorjahresmonat. - Bild: Euler Hermes/Statistisches Bundesamt