volkswagen chattanooga

Das Volkswagen-Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. - Bild: VW

Demnach haben Mitarbeiter, die für die Beachtung von Umweltschutzvorgaben verantwortlich waren, ihre Vorgesetzten in Deutschland 2004 gewarnt. Sie seien der Meinung, dass Volkswagen die Behörden über einen fehlerhaften Sensor hätte informieren müssen. Die Antwort aus Deutschland habe jedoch gelautet: Tut es nicht.

Dutzende von Fahrzeugen der VW-Tochter Audi seien mit einem kaputten Sensor zu den Händlern zurückgebracht worden. Der Defekt hätte die Emissionen von Benzinmotoren beeinflussen können. Aufgrund der Zahl der Defekte wäre VW rechtlich verpflichtet gewesen, das Bauteil in Pflichtmitteilungen an die Behörden aufzuführen, sagten die US-Mitarbeiter.

Nachdem ein Mitarbeiter das fehlerhafte Teil, den EGT (exhaust-gas temperature sensor), in einem Berichtsentwurf für die kalifornischen Aufseher aufgelistet habe, habe ein Audi-Manager in Deutschland eine Überarbeitung gefordert. "Entferne den EGT", schrieb Audi-Manager Bernhard Grossmann an Norbert Krause, den Chef des US-Mitarbeiters, in einer E-Mail, in die das Wall Street Journal Einsicht hatte. Krause habe zwei Tage später geantwortet, "der EGT ist raus".

"Ein riesiges Thema"

Krause kann sich an die Änderung nicht erinnern. Grossmann sagte: "Das alles passierte vor elf Jahren und das ist eine lange Zeit. Ich habe dazu nichts zu sagen." Volkswagen wollte keinen Kommentar abgeben.

In einer E-Mail, die ein Volkswagen-Manager Ende 2004 an sein US-Büro schickte, hieß es, dass Bauteil sei im Emissionssystem nicht wichtig genug, um es Kalifornien (den Behörden) offenzulegen.

Der EGT, den Volkswagen 2004 geheim gehalten hat, kann nicht für Schummeleien bei Emissionstests genutzt werden. Der Sensor dient dazu, den Turbolader zu schützen. Er meldet dem Computer des Pkws, die Abgastemperatur zu senken, wenn diese zu hoch steigt.

Mary Nichols, Leiterin der kalifornischen Luftreinhaltungsbehörde, sagte im November auf die Frage, wie sie reagieren würde, wenn entdeckt würde, dass Volkswagen den Sensor aus dem Bericht an die Aufseher gestrichen hat: "Das wäre ein riesiges Thema. Ich wäre darüber sehr beunruhigt und würde denken, dass es Anlass für eine viel umfangreichere Untersuchung geben würde." Die Behörde geht den im September aufgedeckten Manipulationen von Volkswagen bei Abgastests nach.

Der VW-Abgasskandal

Volkswagen hatte Mitte September 2015 eingeräumt, Abgastests von Dieselmotoren manipuliert zu haben. Weltweit enthalten etwa elf Millionen Dieselfahrzeuge des Konzerns eine Software, die die Emissionen nur auf dem Prüfstand unter den erlaubten Höchstwert drückt. Rund 8,5 Millionen davon wurden in der EU verkauft. Aufgeflogen war die Manipulation in den USA. Inzwischen hat der Autobauer zudem Abweichung bei den Angaben zu CO2-Werten bei Benzinern eingeräumt.