Interview: Heller gebremst zuversichtlich für 2011 1

Herr Winkler, wie entwickelt sich voraussichtlich die Konjunktur in Ihrer Branche im kommenden Jahr?

Wir erwarten eine weitere Belebung der Konjunktur, wenn auch nicht mit den steilen Zuwachsraten, die das Jahr 2010 geprägt haben. Auf breiter Front ist die Entwicklung noch nicht stabil, da die Märkte sich sehr differenziert erholen. Deutschland nimmt einen Platz im Mittelfeld ein.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie in 2011?

2011 steht im Zeichen der Konsolidierung. 2011 wird das erste Nach-Krisen-Jahr für Heller. Die gute Entwicklung der Auslastung im zweiten Halbjahr 2010 wird sich fortsetzen. 2011 steht daher auch für Normalität.  Alle Anstrengungen für mehr Marktpräsenz, Flexibilität und zur kontinuierlichen Verbesserung gehen weiter.

Welche Gefahren oder Risiken könnten eine positive wirtschaftliche Entwicklung gefährden?

Die Krise ist mit einer zunehmenden Verschiebung der Marktgewichte nach Osten zusammen gefallen. Die sogenannten Emerging Markets, insbesondere China und Indien, sind nun die Hoffnungsträger der Wirtschaft. Dabei werden wir jedoch die angestammten Märkte in Amerika und Europa nicht vernachlässigen, die weiterhin ein großes Potenzial aufweisen. Auch Asien wird sich dauerhaft nicht nur in eine Richtung entwickeln. Ob dies Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung unserer Branche haben wird, hängt im Wesentlichen von unserer bereits erwähnten Flexibilität und globalen Weitsicht ab.

Welches sind die wichtigsten Märkte?

China scheint sich als Wirtschaftslokomotive zu behaupten und Indien etabliert sich zunehmend als Wirtschaftsmacht. Nordamerika bietet großes Potenzial und erholt sich zunehmend. Südamerika verspricht langfristig sogar noch mehr, wächst aber von einer vergleichsweise niedrigen Basis aus. Im von der Krise schwer getroffenen Westeuropa wir nur mittelfristig eine langsame Erholung  einsetzen. Deutlich schneller erholt sich Osteuropa, insbesondere Russland, wo allerdings immer noch Finanzierungsprobleme die Entwicklung behindern.

Bitte beurteilen Sie in einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) die Prognose für 2011.

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Was sind die wichtigsten Technologien für Ihr Unternehmen/Branche?

Ein Trend in unserer Branche sind sogenannte „Multi-Tasking“ Maschinen. Multi-Tasking ist die Kombination verschiedenster Bearbeitungstechnologien und Prozesse auf Basis von Standardmaschinen. Die Verwendung von flexiblen Standardprodukten erlaubt kostengünstige Lösungen. Multi-Tasking heißt aber theoretisch auch: Jeder kann alles! Drehmaschinen können Fräsen, Fräsmaschinen können Drehen. Jeder Zentrenhersteller kann Verzahnen. Ganz so einfach ist es leider – oder zum Glück – jedoch nicht! Für Heller heißt Multitasking die Kombination von Standardmaschine mit Prozess- und Steuerungs-Knowhow.

In welchen Bereichen sind wichtige technologische Fortschritte zu erwarten?

Maschinen- und anlagentechnisch erwarten wir keine Technologiesprünge, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Unser Schwerpunkt wird auch zukünftig in der Optimierung der Prozesskompetenz liegen. Dazu zählen unter anderem die Bearbeitung neuer und schwieriger Werkstoffe, der Einsatz von innovativen Bearbeitungsprozessen und die Erreichung höchster Wirtschaftlichkeit bei niedrigen Gesamtprozesskosten.