Professor Dieter-Heinz Hellmann, Vorstandsmitglied KSB AG:

Professor Dieter-Heinz Hellmann, Vorstandsmitglied KSB AG: "Wir erreichen Energieklassen, die noch gar nicht gesetzlich vorgeschrieben sind." (Bild: KSB)

von Dietmar Poll

Herr Professor Hellmann, 2008 war das beste Jahr der 140-jährigen Firmengeschichte von KSB. Wie wirkte sich die darauffolgende Krise aus?

Unsere Aktivitäten unterteilen wir in das sogenannte ‚Standard‘- und das ‚Projektgeschäft‘. Im Bereich unserer standardisierten Produkte haben wir die Krise sehr schnell mitbekommen, da viele Kunden kurzfristige Investitionen zurückgestellt hatten. Unser Projektgeschäft, das zum Beispiel Pumpen und Armaturen für die Ausrüstung von Kraftwerken oder anderen Großanlagen umfasst, hat in der Regel einen mehrjährigen zeitlichen Vorlauf. Hier lief das Geschäft zunächst einfach weiter. Das hat uns sehr geholfen. Zu dieser Zeit hatten wir einen Auftragsbestand von über einer Milliarde Euro. Das war ein gutes Polster, um die Krise zu überstehen.

Wie hoch war der Einbruch?
Unser Auftragseingang ist von 2,18 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 1,96 Milliarden im Jahr 2009 zurückgegangen. Im Jahr 2010 haben wir mit 2,08 die Talsohle schon durchschritten und sind wieder auf dem Weg nach oben.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Krise gewonnen?
Die breite Aufstellung, was unsere Produkte und ihre Anwendungen betrifft, sowie unsere globale Positionierung haben sich in der Krise bewährt. Wettbewerber mit einem höheren Spezialisierungsgrad mussten größere Einbußen verkraften.

Was haben Sie noch aus der Krise gelernt?
Mit qualifizierten Mitarbeitern, modernen, hochwertigen Produkten, bei denen man die globalen Fertigungssynergien nutzt, kann man sich auch in schwierigen Zeiten auf den Märkten dieser Welt behaupten.

Ab wann war Besserung in Sicht?
Das Standardgeschäft hat bei uns Ende 2010 wieder kräftig angezogen. Im Umsatz erreichten die Konzerngesellschaften gegenüber dem ersten Halbjahr 2010 ein Wachstum von 6,1 Prozent auf 970,5 Millionen Euro. Zuwächse verzeichneten wir in allen Konzernbereichen.

Ihre Prognose für 2011?
Die Prognose für 2011 wird durch die Ausweitung der Schuldenkrise und die damit verbundenen Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft erschwert. Sofern daraus keine kurzfristigen Konjunktureintrübungen resultieren, gehen wir für das Gesamtjahr davon aus, mit dem Auftragseingang und dem Umsatz in allen Konzernbereichen das Niveau des Vorjahres zu übertreffen. Eine positive Geschäftsentwicklung erwarten wir weiterhin im Standardgeschäft mit Standardprodukten sowie im Service, während wir für das Projektgeschäft ein unverändert schwieriges Marktumfeld prognostizieren.

Welches sind Ihre wichtigsten Märkte?
Europa ist mit 60 bis 65 Prozent an unserem Umsatz und Auftragseingang beteiligt. Wir arbeiten daran, vor allem in den BRIC-Ländern weitere Potenziale zu erschließen.

Ihre künftigen Ziele?
Wir werden unsere Wettbewerbsposition noch stärker ausbauen. Mit unseren Produkten und Dienstleistungen wollen wir immer besser sein als unsere Wettbewerber. Unsere globale Aufstellung werden wir weiter ausbauen, um den Bekanntheitsgrad von KSB auch außerhalb von Europa weiter zu steigern.

Welche Strategien fahren Sie bei den Technologien?
Unsere technologischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Hydraulik, Werkstoff- und Automatisierungtechnik. Hier wenden wir sehr viel Zeit auf, unsere Kernkompetenzen zu erhalten und neue Kompetenzen aufzubauen.

Das Thema Energiesparen…?
Für uns stand immer schon der bestmögliche Wirkungsgrad im Vordergrund, denn eine besonders effiziente Pumpe hat von je her kleinere und damit verbrauchsärmere Antriebe benötigt. Energie, die man nicht verbraucht, muss man nicht erzeugen.

Was treibt Sie aktuell an?
Im Augenblick beschäftigen wir uns intensiv mit der Wirkungsgradverbesserung von Elektromotoren. Wir arbeiten an einer Lösung, bei der ein Reluktanzmotor in der Kombination mit einem zugehörigen Frequenzumrichter sehr wenig Energie verbraucht. Hinzu kommt noch, dass unser Motor keine Magnete benötigt.

Was einen Vorteil beim Thema ‚Seltene Erden‘ darstellt…?
Genau! Somit erreichen wir Energieklassen, die noch gar nicht gesetzlich vorgeschrieben sind – in diesem Fall die zukünftige IE4-Norm. Viele unserer Pumpenantriebe haben aus prozesstechnischen Gründen ohnehin einen Frequenzumrichter. Mit anderen Worten: Es ist kein Aufpreis für einen zusätzlichen Frequenzumrichter nötig.

Ihre Zukunftsthemen?
Bei uns steht die Nutzbarmachung von Energieträgern wie der Sonne, der Wasserkraft und der Biomasse ganz weit oben auf unserer Themenliste. Daneben betrachten wir die Gewinnung und die Aufbereitung sowie den Transport von sauberem Trinkwasser als eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft.

aus Produktion Nr. 36, 2011