Dr. Barbara Colombo ist Mitglied der Geschäftsführung beim Werkzeugbauer FICEP mit Sitz im

Dr. Barbara Colombo ist Mitglied der Geschäftsführung beim Werkzeugbauer FICEP mit Sitz im norditalienischen Gazzada (Bild: FICEP).

Frau Dr. Colombo, ist Italien ein guter Produktionsstandort für einen mittelständischen Maschinebauer?

Italien ist nicht gleich Italien. Unser Firmensitz befindet sich ganz im Norden, nur ein paar Kilometer von der Grenze zur Schweiz entfernt. Hier verfügen wir über ein dichtes Netz an hervorragenden Zulieferern und eine insgesamt sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Wir sind mit Herz und Seele ein italienisches Unternehmen, aber es gibt in Italien immer noch ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Im Süden Italiens wäre es also deutlich schwieriger, ein Unternehmen wie FICEP erfolgreich zu leiten.

Finden Sie hier genug aureichend qualifizierten Nachwuchs?

Das vorbildliche deutsche Ausbildungssystem gibt es in Italien leider nicht. Nicht zuletzt deshalb liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Italien im Gesamtschnitt bei bedenklichen 20 Prozent, wobei die Quote bei uns im Norden deutlich niedriger ist. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht und kümmern uns selbst um die Ausbildung unseres Nachwuchses.  Dazu investieren wir gerade viel Geld in den Bau unserer eigenen “FICEP Academy” hier am Firmensitz in Gazzada. Auf einer perfekt ausgestatteten Fläche von über 3000 Quadratmeter finden junge Mitarbeiter hier ideale Bedingungen zum Lernen mit modernster Technik vor.

China ist derzeit in aller Munde. Fürchten Sie Wettbewerb aus China?

Sicher werden chinesische Wettbewerber zunehmend stärker. Aber gerade in Asien haben wir hier bereits einige Erfahrungen gemacht. Sie bieten ihre Maschinen vergleichseise günstig an, haben aber beim Service und der Ersatzteilversorgung einen erheblichen Verbesserungsbedarf. Wir beobachten deshalb, dass in ganz Asien aber auch China selbst die Kunden verstärkt wieder bei uns bestellen. Natürlich auch deshalb, weil unsere Maschinen schlicht produktiver sind.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Sie?

Sehr wichtig. Alle unsere Produkte und Maschinen werden mit Rücksicht auf die Umwelt konstruiert und produziert. So verfügen beispielsweise unsere Umformpressen standardmäßig über eine Stromrückspeisefunktion. Weiterhin denken wir gerade über die Installation einer Fotovoltaik-Anlage auf unseren Firmengebäuden nach.

Wie hat FICEP die jüngste Wirtschaftskrise überstanden?

Wir sind weltweit in vielen Branchen mit unterschiedlichen Produkten vertreten und damit sehr breit aufgestellt. Deshalb können wir schwächelnde Branchen fast immer anderweitig kompensieren. Auch in den letzten beiden krisengeprägten Jahren gab es Segmente und Märkte, die davon kaum betroffen waren. In manchen asiatischen Märkten gab es sogar zweistellige Zuwachsraten. Als Global Player sind wir flexibel und groß genug, um Schwächeperioden zu überstehen.

Über FICEP:

FICEP produziert mit rund 300 Mitarbeitern am 80.000 qm großen Hauptsitz im norditaliensichen Gazzado Maschinen und Systeme für die Stahlkonstruktion und Schmiedeindustrie. Mit 500 Mitarbeitern erzielt FICEP einen Jahresumsatz von ca. 130 Mio Euro.

von Sebastian Moser