Friedrich Eichiner

Er könne vor dem Hintergrund "keinen Blankoscheck ausfüllen", dass es in China schnell anders aussehe, sagte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner. - Bild: BMW Group

"Wir wissen nicht, wann das Tal der Tränen durchschritten ist", sagte der Finanzvorstand des Automobilherstellers, Friedrich Eichiner, am Freitag bei der Vorstellung des neuen 7er im portugiesischen Ort Lamego. "Kein Mensch" habe Erfahrung mit dem "kommunistischen Kapitalismus", wie er in China praktiziert werde. Es sei deshalb unklar, ob die von der chinesischen Regierung angesichts der allgemeinen Wirtschaftsschwäche in dem Land ergriffenen Gegenmaßnahmen wirken.

Er könne vor dem Hintergrund "keinen Blankoscheck ausfüllen", dass es in China schnell anders aussehe, sagte Eichiner. Bis zu einer Verbesserung der Lage in dem Land könne es auch noch "ein, zwei Jahre länger dauern". Der BMW-Finanzvorstand bekräftigte gleichwohl seine Erwartung, der Autoabsatz in China werde langfristig wieder wachsen. Dafür spreche etwa der noch immer vergleichsweise geringe Motorisierungsgrad der chinesischen Bevölkerung.

Einstweilen spürt BMW in China allerdings erheblichen Druck auf die Preise. BMW wolle aber nicht nur mit Rabatten, sondern "mit dem ganzen Marketingarsenal" für zusätzliche Nachfrage in dem Land sorgen, kündigte Eichiner an. Ziel BMWs sei es, dass sich "der Wettbewerb nicht weiter aufschaukele" und damit die Preise weiter zurückgingen. Dazu bietet BMW nach den Worten des Finanzvorstands auch den Händlern in China Hilfen an. Für sie seien Phasen der wirtschaftlichen Schwäche neu. BMW wolle vermeiden, dass die Händler etwa aus Liquiditätsmangel Lagerfahrzeuge mit hohen Rabatten anbieten.

BMW setzt weiter auf China

Der Entwicklung in China zum Trotz hat BMW nach den Worten Eichiners die eigenen Investitionspläne für China bislang nicht verändert: In dem Land will der Hersteller künftig sechs statt bislang drei Modelle lokal produzieren. Abhängig von der künftigen Entwicklung in China schloss der Finanzvorstand Veränderungen an dem Vorhaben allerdings nicht völlig aus.

Eichiner berät derzeit mit dem seit Mai amtierenden Konzernchef Harald Krüger und den übrigen Vorstandsmitgliedern auch über die künftige weltweite Strategie BMWs. Bei dem sogenannten Assessment-Prozess gehe es allerdings nicht darum, die schon früher aufgestellte Strategie "Number One" zu ersetzen, sagte Eichiner am Freitag. Ziel sei es vielmehr, über die aktuellen Trends der Branche zu beraten und "ergänzende Weichenstellungen" zu beschließen. Für das in den nächsten Monaten erwartete Ende der Strategiediskussion stellte der Finanzvorstand etwa Informationen über die Weiterentwicklung der Elektroauto-Reihe i in Aussicht.

Thema in den Strategieüberlegungen ist nach den Worten Eichiners auch die Digitalisierung. Seit Einführung der Strategie "Number One" hätten "neue Player" wie Google und Apple ein "ganz anderes Potenzial aufgebaut", sagte der BMW-Vorstand. Auf Nachfrage schloss er eine enge Zusammenarbeit mit den Technologieunternehmen nicht aus. Etwa Joint-Ventures seien aber nur vorstellbar, wenn sie für beide jeweiligen Partner sinnvoll seien, sagte Eichiner. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Gemeinschaftsunternehmen mit Google oder Apple vor wenigen Tagen nicht ausgeschlossen.