BONN (Dow Jones)–Das Bundeskartellamt hat wie erwartet die Übernahme der Karmann-Dachsparte durch den Autozulieferer Magna verboten. “Der Zusammenschluss von Magna und Karmann hätte in einem bereits hochkonzentrierten Markt dazu geführt, dass europaweit nur noch zwei große Anbieter von Cabrio-Dachsystemen existierten”, erläuterte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Mittwoch die Entscheidung der Bonner Behörde. “Eine derartige Beeinträchtigung des Wettbewerbs konnten wir nicht zulassen. Den Preis dafür würde am Ende der Verbraucher in Form von höheren Preisen zahlen müssen.”

Mit der Übernahme der Cabrio-Dachsystemsparte der zahlungsunfähigen Edscha durch Webasto hatten sich Ende 2009 die damalige Nummer vier und eins zusammengeschlossen. Die Wettbewerbshüter hatten mit Blick auf den schon damals insolventen Osnabrücker Cabrio-Spezialisten klar gemacht, dass sie Bedenken gegen weitere Zusammenschlüsse haben.

Karmann hatte dennoch auf grünes Licht aus Bonn für ein Zusammengehen mit Magna gehofft, nachdem auch zahlreiche Kunden ihre Präferenz für diese Lösung ausgedrückt hatten. Grundsätzlich hätte das Kartellamt trotz einer Beschränkung des Wettbewerbs die Übernahme genehmigen können, wenn es nur einen Interessenten und somit nur diese Möglichkeit zur Sanierung gäbe. Dies ist aber nicht der Fall: Mit dem spanischen Zulieferer CIE steht zumindest ein zweiter potenzieller Käufer bereit. “Neben Magna gab und gibt es hierfür nach unseren Erkenntnissen mehrere ernsthaft interessierte Bieter”, erklärte Mundt.

Nun bleibt neben dem Gang vor das Oberlandesgericht Düsseldorf noch die Ministererlaubnis. Anders als das Kartellamt, dass lediglich entscheidet, ob ein Zusammenschluss den Wettbewerb einschränkt, kann der Bundeswirtschaftsminister auch andere Erwägungen wie den Erhalt von Arbeitsplätzen in seine Entscheidung einfließen lassen. Seit der Einführung der Ministererlaubnis Anfang der 1970er Jahre gab es nur etwas mehr als 20 Anträge, von denen die wenigsten bewilligt wurden.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kritisierte die Absage aus Bonn. “Damit ist den Arbeitnehmern die nachweislich beste Perspektive genommen worden.” Er ergänzte: “Ich halte die Entscheidung des Kartellamts für falsch, das Amt verkennt die Lage.”

Nachdem immer mehr Autobauer zuvor fremdvergebene Aufträge zur Auslastung der eigenen Produktion wieder zurückgeholt haben, musste der traditionsreiche Auftragsfertiger Karmann wegen ausbleibender Aufträge Insolvenz anmelden. Das Aushängeschild des Unternehmens, der Fahrzeugbau, wurde vergangenen Sommer geschlossen. Im November übernahm VW von Karmann Maschinen, Anlagen und Grundstücke und will ab 2011 in Osnabrück ein neues Golf-Cabrio vom Band rollen lassen.

In der Vergangenheit hatte Karmann Dachsysteme für Audi, Mercedes-Benz, Volkswagen und Renault angefertigt.