Nach großen Einsparungen im Zuge der vergangenen Krise geraten die Druckmaschinenhersteller nun

Nach großen Einsparungen im Zuge der vergangenen Krise geraten die Druckmaschinenhersteller nun schon wieder in den Sog einer drohenden Rezession (Bild: Koenig & Bauer).

Von Jürgen Hesse, Dow Jones Newswires

WÜRZBURG (ks)–Nach Branchenprimus Heidel-Druck wird nun auch der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) vom Wiederaufflammen der Krise in der Branche erfasst. Das Würzburger Unternehmen musste am Dienstag eingestehen, dass es in den ersten neun Monaten 2011 weiter in die rote Zahlen gerutscht ist und auch die Jahresprognose nicht mehr zu halten ist. Immerhin hofft KBA darauf, im Unterschied zu Heidel-Druck im Geschäftsjahr wenigstens in der Gewinnzone zu bleiben.

Mit Mühe und Not hatten sich die Druckmaschinenhersteller in den vergangenen Monaten zurück in die Gewinnzone oder zumindest in Richtung der schwarzen Zahlen gespart, nachdem sie in der Wirtschaftskrise 2008/09 in schwere See geraten waren. Heidel-Druck hatte damals sogar nur dank Staatshilfen die drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden können. Durch die Schuldenkrise könnte die sowieso nur auf tönernen Füßen stehende Erholung allerdings schon wieder im Keim erstickt werden.

Im Falle von KBA macht nun der schwierige Markt die Hoffnungen zumindest teilweise zunichte. Das Geschäft schwächt sich ab, der Konzern muss seine Kapazitäten anpassen und kann deshalb auch sein Jahresziel nicht erreichen. Dank neuer Produkte soll der Umsatz 2011 zwar wie angekündigt leicht zulegen. Auch strebt der Konzern weiterhin auf Vorsteuerbasis einen Gewinn an. Die leichte Steigerung zum Vorjahreswert von 15,3 Mio Euro hält der KBA-Vorstand allerdings nicht mehr für realistisch.

Immerhin steht KBA besser da als Heidel-Druck, die vor drei Wochen eingestehen mussten, im Gesamtjahr sogar Verluste zu schreiben. Das Würzburger SDAX-Unternehmen führt sein überdurchschnittliches Abschneiden darauf zurück, dass es eine starke Präsenz in derzeit recht robusten Nischenmärkten wie dem Sicherheits-, Blech- und Kennzeichnungsdruck hat. KBA betont, mit einem Gewinn 2011 wäre das Unternehmen im dritten Jahr hintereinander die absolute Ausnahme innerhalb der vom Strukturwandel hart getroffenen Druckmaschinenbranche.

Die dennoch ausgesprochene Gewinnwarnung für 2011 begründet KBA mit den nicht in dieser Dimension erwarteten Sonderaufwendungen für die Kapazitätsanpassung an den Rollenstandorten sowie Belastungen und Vorsorgen als Folge der mittlerweile erkennbaren Marktabschwächung. Zur Umsatz- und Ergebnisentwicklung für 2012 will sich das Management angesichts der unsicheren Konjunktur erst im März nächsten Jahres äußern.

Für die ersten neun Monate berichtete der Druckmaschinenhersteller zwar einen Anstieg der Auftragseingänge um 15,4% auf 1,156 Mrd Euro. Bei einem Umsatzplus von 1,8% auf 785,7 Mio Euro führten jedoch Lieferverschiebungen und Sonderaufwendungen für die nochmalige Kapazitätsanpassung der ungenügend ausgelasteten Rollenstandorte zu einer Ausweitung des Konzernverlustes auf 32,5 (Vorjahr: 9,2) Mio Euro.

Ihre Hoffnungen setzt die Branche jetzt auf den Frühling nächsten Jahres. Denn im Mai steigt in Düsseldorf die “drupa”, die weltweit wichtigste Messe für die Druckindustrie. Das Branchentreffen findet nur alle vier Jahre statt. 2008 wurden rund 2.000 Aussteller und fast 400.000 Besucher gezählt. Die drupa gilt als Impulsgeber für die Branche, die deutschen Hersteller verbuchen dort stets viele große Aufträge. “Auf der drupa wird sich einiges entscheiden – nicht nur für HeidelDruck, sondern auch für die ganze Branche”, brachte es bereits vor drei Wochen ein Industriekenner auf den Punkt.

An der Börse wird jedoch erst einmal die Gewinnwarnung von KBA verdaut. Die Aktien des SDAX-Unternehmens notieren mit einem Minus von 2,9% deutlich schwächer als der Gesamtmarkt. Auch die im MDAX notierten Papiere der Heidelberger Druckmaschinen AG fallen mit 3,6% stärker als der Leitindex.