FRANKFURT (Dow Jones/rm). “Das Kohleprojekt Brunsbüttel wird nicht weiterverfolgt”, sagte eine Sprecherin von GDF Suez Energie Deutschland am Dienstag Dow Jones Energy Daily. Ursprünglich wollte GDF Suez das 800-MW-Kraftwerk in Brunsbüttel bis 2012 fertig gestellt haben. Doch aus mehreren Gründen habe sich das Unternehmen von dem Vorhaben verabschiedet. “Zum einen gab es einen großen Zeitverzug im langen Genehmigungsverfahren, wodurch die Rechtssicherheit für die Investition gefährdet war”, sagte die Sprecherin.

Außerdem habe GDF Suez keine Kooperationspartner für das Steinkohleprojekt in Brunsbüttel gefunden. “Ohne Partner verfolgen wir das Projekt nicht”, erklärte die Unternehmenssprecherin. Außerdem hat die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke (KKW) die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken derart in Frage gestellt, dass in den vergangenen Monaten mehrere Unternehmen ihre Pläne für den Bau neuer Anlagen auf Kohlebasis aufgegeben haben. Auch GDF Suez habe aus diesen Gründen keine Investoren für die Anlage in Brunsbüttel finden können.

Bereits im Februar hatte sich der französische Konzern von seinen Kohlekraftplänen in Stade verabschiedet. GDF Suez nannte damals wirtschaftliche und umweltrechtliche Gründe für den Rückzug. “In dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld mit seinen veränderten Bedingungen für Großinvestitionen in der Energiewirtschaft erscheint es uns nicht sinnvoll, das Projekt in Stade weiter zu verfolgen”, hieß es aus der Pressestelle des Unternehmens. Die Genehmigung für den 800-MW-Block in Stade sei mit zu hohen Auflagen verbunden gewesen.

Dagegen hält das Stadtwerkebündnis Südweststrom aus Tübingen nach wie vor an seinem Steinkohlekraftprojekt in Brunsbüttel fest. Wie die Geschäftsführerin von Südweststrom, Bettina Morlok, gegenüber Dow Jones Energy Daily, erklärte, wird erst Ende 2011 mit einer endgültigen Entscheidung über das Vorhaben gerechnet. Südweststrom plant bis 2014 in Brunsbüttel eine Doppleblock-Anlage mit einer installierten Leistung von 1.800 MW. “Das Genehmigungsverfahren läuft weiter”, sagte Morlok, auch wenn sie mit weiteren Klagen von Projektgegnern rechne.

Entscheidend werde sein, wie die Bundesregierung das Energiekonzept umsetze und welche weiteren Kosten für erneuerbare Energien ab 2012 entstünden. “Nach der Sommerpause im nächsten Jahr dürften wir mehr Klarheit darüber haben”, sagte Morlok.