Von Bernd Radowitz und Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires

BERLIN (Dow Jones)–Der Autokonzern plant den Verkauf seiner 15-prozentigen Kapitalbeteiligung an EADS und will einem Zeitungsbericht zufolge die Aktien auch dem Bund anbieten, drängt dabei jedoch auf einen Preis, wie ihn externe Investoren zahlen würden.

“Alle Optionen und Varianten sind ergebnisoffen und ohne Denkvorbehalte zu prüfen”, sagte dazu der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion Joachim Pfeiffer am Donnerstag Dow Jones Newswires in Berlin. Zu den denkbaren Varianten zähle auch eine staatliche Beteiligung.

Bislang sei in der Regierung jedoch noch keine Entscheidung getroffen worden. Breite Übereinstimmung bestehe in der Bundesregierung jedoch über die strategische Bedeutung von EADS, sagte Pfeiffer. “Wenn es ein Feld gibt, wo Industriepolitik sinnvoll ist, dann in der Luft- und Raumfahrt”, sagte er. Es bestehe höchstes strategisches Interesse an der Balance zwischen der französischen und deutschen Beteiligung an EADS.

Demgegenüber sprach sich der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und FDP-Obmann im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, Jürgen Koppelin, ausdrücklich gegen den Kauf von EADS-Anteilen durch den Bund aus. “Ein Ankauf von EADS-Anteilen vom Daimler-Konzern ist nicht wünschenswert und muss mit erheblichen Bedenken gesehen werden”, erklärte Koppelin am Donnerstag in Berlin.

Nach einer französischen Teilverstaatlichung von EADS jetzt noch eine deutsche herbeizuführen, sei “nicht erstrebenswert und abzulehnen”. Deutschland und Frankreich sollten daher nach einem Investor suchen, der die Daimler-Anteile übernehme, forderte der FDP-Politiker.

Der Bund besitze bereits jetzt EADS-Anteile, die bei der KfW geparkt seien und gebe Bürgschaften beim Verkauf von Flugzeugen. Ein Bankenkonsortium unter Führung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) halte einen 7,5-prozentigen Anteil an EADS.

“Es muss die Unabhängigkeit des Bunds gegenüber EADS gewahrt werden”, forderte Koppelin. Diese sieht der FDP-Politiker bereits jetzt nicht immer gewahrt mit den entsprechend negativen Folgen bei Verhandlungen. “Schon heute ist daran (an der Unabhängigkeit) manchmal zu zweifeln, wie die langwierige Diskussion und Entscheidung zum Transportflugzeug A400M gezeigt hat”, sagte der FDP-Politiker weiter. Der Bund brauche keine stärkere Einflussnahme auf EADS durch den Ankauf der Daimler-Anteile.

Das “Handelsblatt” berichtet unterdessen in seiner Donnerstagsausgabe unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, dass die Bundesregierung mit Hochdruck einen neuen deutschen Aktionär für EADS suche. “Es werden bereits Gespräche mit verschiedenen Investoren, darunter auch deutsche Zulieferer von EADS geführt”, sagte ein Regierungsvertreter dem “Handelsblatt”.

Bisher habe sich zwar kein privater Investor bereit erklärt, die Anteile von Daimler an EADS teilweise zu übernehmen, trotzdem solle dieser Ansatz weiter verfolgt werden. Große Zulieferer von EADS sind laut der Zeitung unter anderem die Rüstungshersteller Diehl und Rheinmetall. Geschäftlich eng verbunden mit EADS sind auch der Motorenhersteller MTU und der Bremer Satellitenbauer OHB.

Auf großes Interesse stoßen die EADS-Anteile bei den Unternehmen aber bislang nicht. Die MTU Aero Engines Holding AG teilte mit, nicht an einem Kauf von EADS-Aktien interessiert zu sein. Das sei wegen der deutlich geringeren Unternehmensgröße und der unterschiedlichen Kerngeschäftsfelder beider Gesellschaften gar kein Thema, sagte Sprecher Eckhard Zanger. Bei Diehl hieß es, dass sich die Frage derzeit nicht stelle und der Kauf von EADS-Aktien nicht auf der Tagesordnung stehe. Rheinmetall und OHB wollten den Bericht gar nicht kommentieren.

Nach Informationen des Handelsblatts prüft die Bundesregierung zudem, ob die Bundesländer mit EADS-Standorten wie Hamburg und Niedersachsen direkt oder über ihre Landesförderbanken Anteile übernehmen wollen. Sollte auch diese Variante scheitern, könnte die staatliche KfW Bankengruppe die Beteiligung von Daimler übernehmen, verlautete es aus der Bundesregierung.

Sowohl Hamburg als auch Niedersachsen sind von diesen Gedankenspielen der Regierung allerdings noch nicht in Kenntnis gesetzt worden. Es gebe kein Schreiben aus Berlin, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Finanzministeriums. Und auch in Hamburg ist noch keine Anfrage aus der Hauptstadt eingetroffen. Aus diesem Grund stelle sich diese Frage derzeit nicht, sagte eine Senatssprecherin.