Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer kommt auf der Suche nach einem Standbein außerhalb der krisengebeutelten Branche nicht recht voran. “Ein intensiv über einen langen Zeitraum verhandeltes M&A-Projekt mit einem Geschäftsvolumen von deutlich über 100 Mio EUR ist kürzlich an zu hohen Risiken für Koenig & Bauer gescheitert”, erklärte Vorstandsvorsitzender Helge Hansen.
FRANKFURT (DJ/ilk) Das Würzburger Unternehmen hatte bereits vor Monaten die Suche nach einem weiteren Standbein neben dem traditionellen Geschäft mit Drucktechnik eingeläutet, um die Abhängigkeit von der zyklischen und krisengebeutelten Branche zurückzufahren. Im November 2009 hatte Hansen die Vepackungstechnik und den Digitaldruck, die Wasseraufbereitung sowie die thermische Solartechnik als mögliche Expansionsbereiche identifiziert und in “absehbarer Zeit” Vollzug angekündigt.

In einem Zeitungsinterview in dieser Woche erklärte der Manager dann, mit einem kleinen Team knapp 25 Projekte aus den Feldern Wassertechnik, Solarthermie und Verpackungstechnik angeschaut zu haben. Übriggeblieben seien fünf bis acht Ziele, von denen KBA eine Firma übernehmen wolle. “Das Umsatzvolumen muss über 100 Mio Euroliegen, damit es für uns interessant ist”, sagte Hansen.

Der Vorstandsvorsitzender der SDAX-Konzerns sieht den Aufbau einer weiteren Geschäftssäule als die im Vergleich zu einer Branchenfusion in einem schrumpfenden Markt “bessere Alternative”. Trotzdem will sich Koenig & Bauer möglichen Verhandlungen mit der Konkurrenz nicht versperren: Im “Handelsblatt” hatte Hansen seine Bereitschaft für ein Zusammengehen mit dem Wettbewerber Manroland signalisiert. Einem Zusammenschluss mit dem Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen erteilte Hansen wegen der hohen Verschuldung des Wettbewerbers dagegen eine Absage. Zudem sprechen aus seiner Sicht größere Wettbewerbsbedenken gegen eine Fusion mit der Nummer eins.

Aus Finanzkreisen hatte es geheißen, dass Manroland-Hauptanteilseigner Allianz Capital Partners die Fusionsavancen des Konkurrenten ablehnt. Die Private-Equity-Sparte des Versicherungsriesen hat sich dem Vernehmen nach klar für eine Stand-Alone-Lösung von Manroland entschieden.

Der Ruf nach einer Konsolidierung der Branche wurde zusehends lauter, da Experten den Markt nach dem heftigen Einbruch Ende 2008 nie wieder auf dem Vorkrisenniveau sehen. Monatelang hatten HeidelDruck und Manroland im vergangenen Jahr über eine Fusion verhandelt, ehe die Gespräche Anfang Oktober abgebrochen wurden. Zu riskant soll den Manroland-Eigentümern die Lage beim Marktführer aus Heidelberg erschienen sein, der im Sommer 2009 nur durch Staatshilfen vor der Insolvenz gerettet worden war.