Der finnische Kranhersteller Konecranes will durch die Übernahme des deutschen Konkurrenten Demag Cranes ein Schwergewicht in Europa werden und so auch die wachsende Konkurrenz aus Asien auf Abstand halten.

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–”Konecranes ist am ganzen Unternehmen interessiert”, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag. Analysten bleiben jedoch skeptisch. Weder Demag Cranes-Sprecher Nikolai Juchem noch Konecranes-Sprecher Mikael Wegmüller wollten eine Stellungnahme abgeben.

“Die Konsolidierung in Europa ist nötig”, sagte die informierte Person. Gemeinsam könnten die Finnen und die Deutschen in Europa ein starkes Gegengewicht zu den großen Lieferanten und Kunden der Kranhersteller bilden. In Asien entstehe derzeit eine große Konkurrenz, gegen die man sich verbünden sollte.

Diese Einschätzung teilen jedoch nicht alle. So sagte M.M.Warburg-Analyst Thomas Rau: “Die industrielle Logik erschließt sich mir nicht.” Größe alleine sei ein schwaches Argument. “Konecranes hat in den vergangenen Jahren alles zusammengekauft, was es gab und war dann ewig mit der Restrukturierung beschäftigt.” Daher sei die Rendite zuletzt schwächer ausgefallen als bei der deutschen Konkurrenz. Die Finnen hatten bereits 2009 zehn kleinere Firmen übernommen und sieben in diesem Jahr.

Bei Konecranes und Demag überschneidet sich die Produktpalette teils stark. Beide bauen Premium-Krane und sind stark in Europa verwurzelt. Die meisten Werke und Kunden befinden sich in Europa. Beide wollen mit Produkten im gehobenen mittleren Preissegment in den aufstrebenden Märkten – vornehmlich in Asien – wachsen. Zukäufe wären also vor allem dort sinnvoll und nicht im gesättigten europäischen Markt, sagte Rau. Zudem biete die angeblich erstarkende Konkurrenz aus Asien im Vergleich zu den gehobenen Mittelklasse- und Premiumprodukten der Europäer eher Krane aus dem unteren Segment an. “Das ist eine ganz andere Liga”, sagte der Analyst.

Die mit dem Vorgang vertrauten Person sagte, im Servicegeschäft – auch für Krane der Konkurrenz – sehe sich Konecranes gut aufgestellt. Bei Demag Cranes gefalle den Finnen vor allem das renditestarke Ersatzteilgeschäft für die eigenen Krane. “Beides zusammen ergäbe ein starkes Servicegeschäft”, sagte die Person.

Analyst Rau findet dagegen, gerade andersherum käme es der Wahrheit näher. “Demag ist stark im Service.” Mit mehr als 650.000 weltweit installierten Kranen hätten die Düsseldorfer nahezu doppelt so viele im Einsatz wie der Weltmarktführer aus Finnland. Und Demag arbeitet massiv am Ausbau des Servicegeschäfts. 2005 haben die Düsseldorfer nur 35% ihrer verkauften Krane auch gewartet, heute sind es schon mehr als die Hälfte, Tendenz steigend. “Auch im Service sind die Renditen bei Demag besser. Das ist klar, dass die Finnen da scharf drauf sind. Da kann man schon mal neidisch werden.”

“Besonders interessant” finden die Finnen das Geschäft mit Hafenkranen. Die Düsseldorfer sind hier Weltmarktführer. Experten erwarten, dass Demag Cranes vom steigenden Welthandel profitiert, weil die Hafenbetreiber ihre Terminals immer weiter ausbauen und optimieren müssen.

Bei Industriekranen etwa für Papier- oder Autofabriken sieht der finnische Marktführer die meisten Überschneidungen. “Hier lassen sich Synergien heben”, sagte die informierte Person. Wie hoch die Einsparpotentiale seien könnten, würde erst ein Blick in die Bücher der Düsseldorfer offenbaren, was Demag Cranes bislang nicht zugelassen hat.

Im Bereich Industriekrane beschäftigt Demag Cranes die meisten Mitarbeiter, mehr als 3.100. “Eine Übernahme brächte ein Blutbad in Europa”, erwartet Analyst Rau. In Europa beschäftigt der MDAX-Konzern fast 3.900 seiner 5.700 Mitarbeiter, 2.800 davon in Deutschland. Die Hafenkrantochter Gottwald produziert ausschließlich in Deutschland. “Und Deutschland ist nicht gerade der kostengünstigste Standort”, sagte Rau. Er befürchte “massive Einschnitte” und einen “sozialen Kahlschlag”. Für Konecranes arbeiten in Europa, dem Nahen Osten und Asien zusammen 5.400 der insgesamt 9.600 Mitarbeiter.

Analysten warnen, dass eine Verbindung der beiden Weltmarktführer zudem erhebliche kartellrechtliche Probleme aufwerfen dürfte. Die Finnen widersprechen jedoch: “Wir sind überzeugt, dass es kartellrechtlich geht. Der Markt verändert sich rasant, vor allem wegen der Wettbewerbswelle aus Asien”, sagte die Quelle. Um ein Zusammenrücken kämen die Europäer daher nicht herum. Dabei mache ein Zusammenschluss am meisten Sinn, Partnerschaften seien auf Dauer nicht erfolgreich. “Nur mit einer Fusion lassen sich Synergien, Größe und Marktmacht erreichen.”

Demag Cranes hatte sich vergangenen Freitag öffentlich gegen die Begehrlichkeiten des Rivalen zur Wehr gesetzt. Die Düsseldorfer wollen eigenständig bleiben und selber auf Brautschau in aufstrebenden Märkten gehen. Konecranes will den deutschen Rivalen aber weiter von einem Zusammengehen überzeugen. Konkrete Gespräche über eine Fusion gebe es derzeit jedoch nicht, sagte die informierte Person. Medienberichten zufolge ist auch der US-Baumaschinenhersteller Terex an Demag interessiert. “Terex hat gerade selbst eine Restrukturierung durchlaufen”, glaubt jedoch Analyst Rau. “Für die ist das eine Nummer zu groß.”

Konecranes ist mit einem Umsatz von knapp 1,7 Mrd Euro im Geschäftsjahr 2009 etwa anderthalb mal so groß wie Demag Cranes. Die Düsseldorfer sind die weltweite Nummer eins in der Hafentechnologie gefolgt von der Liebherr-Gruppe und bei Industriekranen dem finnischen Marktführer Konecranes dicht auf den Fersen.