Nach einem Rekordquartal beim Auftragseingang und einem Auftragsbestand von 468 Mio Euro zum Ende des dritten Quartals 2010 blickt der Kleincomputerhersteller Kontron optimistisch ins nächste Jahr.


Von Matthias Karpstein, Dow Jones

MÜNCHEN (ks)–”Wir dürften stark ins Jahr 2011 starten”, sagte Vorstandsvorsitzender Ulrich Gehrmann am Mittwoch im Interview mit Dow Jones Newswires. Auch für das laufende Jahr zeigte sich Gehrmann etwas optimistischer als bislang. Den Umsatz sieht er nun bei mindestens 485 Mio Euro nach 475 Mio Euro gemäß der bisherigen Prognose. 2011 sollen die Erlöse dann über 500 Mio Euro liegen.

Nach den Betrugsfällen in Asien, für die die Kontron AG im zweiten Quartal eine Risikovorsorge von 34 Mio Euro gebildet hatte, hat Gehrmann nun auch die EBIT-Prognose für das laufende Jahr angepasst. Er rechnet nun beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bestenfalls mit einer schwarzen Null bis hin zu einem Verlust von 5 Mio Euro. Vor Bekanntwerden der Betrugsfälle war noch ein positives EBIT von 30 Mio bis 35 Mio Euro in Aussicht gestellt worden.

Der Verdacht auf organisierten Betrug habe sich mittlerweile bestätigt, hieß es am Mittwoch von Kontron. Die Berichte der beauftragten Anwälte und Wirtschaftsprüfer sollen in den kommenden Wochen vorliegen. Es sei aber noch immer nicht abzuschätzen, inwieweit Kontron einen Teil der Forderungen wird eintreiben können. “Ich denke, wir werden im vierten Quartal mehr Klarheit haben, was von dem Geld noch zu holen ist. Denn wir geben dieses Geld nicht auf und wollen das Maximum zurückhaben”, sagte Gehrmann im Interview.

Probleme bereitet Kontron weiterhin die Knappheit an Bauteilen, die bereits in den vergangenen Quartalen dazu geführt hat, dass Aufträge nicht abgearbeitet werden konnten. Im dritten Quartal waren es laut Gehrmann erneut Aufträge über rund 10 Mio Dollar, die dem Mangel an Bauteilen zum Opfer fielen. “Ich rechne hier mit einer Entspannung im ersten Halbjahr 2011″, sagte Gehrmann.

“Die Märkte und die Kunden sind zurück”, erklärte Gehrmann zur Vorlage der Drittquartalszahlen. Für das Schlussquartal geht der Vorstand von einer weiteren Steigerung gegenüber dem dritten Quartal aus. Der Umsatz solle über 140 Mio Euro liegen nach 133 Mio Euro im dritten Quartal. Das EBIT sieht Gehrmann zwischen 11 Mio und 16 Mio Euro; im dritten Quartal lag es bei 8,1 Mio Euro. Auch für die nächsten Quartale macht er einen “anhaltenden, stabilen Aufwärtstrend” aus.