DÜSSELDORF (ba). Der weltweit wichtigste Treffpunkt der Kunststoff-Branche ist die Messe ‚K‘ in Düsseldorf. Mit 3 102 Ausstellern aus 56 Ländern waren auch in diesem Jahr alle 19 Hallen des Düsseldorfer Messegeländes besetzt, das sind nur 12 Firmen weniger als 2007. Traditionell ist Italien die größte ausländische Ausstellernation, aus Europa ebenfalls stark vertreten sind Österreich, die Schweiz, Frankreich und die Niederlande. Aus den USA kamen 110 Unternehmen. Deutlich vergrößert haben sich die Beteiligungen aus China, Indien und der Türkei. Neu dabei waren Aussteller aus Chile, Indonesien, Pakistan und Vietnam.

„Wohl nie zuvor waren die Jahre zwischen zwei K-Messen für die Branche so aufreibend“, sagte Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf GmbH. „Die K 2007 fand inmitten eines fantastischen Booms statt, dem kurz darauf ein heftiger Absturz folgte. Nun sind viel schneller als erwartet die Geschäfte wieder in Schwung gekommen.“

„Die Kunststoffindustrie gilt zu Recht als Wachstumsbranche mit großer Zukunft“, sagte Ulrich Reifenhäuser, Geschäftsführer der Reifenhäuser Extrusion GmbH und Vorsitzender des Ausstellerbeirates der ‚K‘. So beziffere der Erzeugerverband PlasticsEurope die weltweite Kunststoffproduktion im Jahr 2008 mit 245 Mio t. Dies entspreche einem Produktionsrückgang von 6 % gegenüber dem Vorjahr, als noch 260 Mio t ausgewiesen wurden. Die Länder Asiens und Ozeaniens sind seit Jahren die größten Produzenten. Sie lagen mit einem Anteil von 37 % auf Platz 1 in der weltweiten Kunststoffproduktion, gefolgt von Europa (25 %) und den NAFTA-Staaten (23 %). Die deutschen Kunststofferzeuger verzeichneten nach einem leichten Dämpfer im Jahr 2008 für das Jahr 2009 einen Rückgang der Produktionsmenge von 15 % auf 17 Mio t, das sind 7,5 % der weltweiten Erzeugung. Der Umsatz für 2009 lag um 23 % niedriger als im Vorjahr und damit bei 17,3 Mrd Euro.

Reifenhäuser wies darauf hin, dass das Zukunftspotenzial der Kunststoffe auch in ihrer Energie-Effizienz liege. „Eine Studie von ‚Denkstatt‘, einem österreichischen Beratungsunternehmen, hat gezeigt, dass Kunststoffe bei Gebrauch und Verwertung fünf bis neun Mal mehr CO2 einsparen, als während ihrer Produktion emittiert wird“, so Reifenhäuser. Was den Einsatz des Materials Kunststoff angehe, so sei dessen Potenzial „hinsichtlich der Werkstoffeigenschaften, der Verarbeitungsmöglichkeiten und der Anwendungsentwicklung noch lange nicht erschöpft.“ Viele der modernsten Technologien funktionierten nicht ohne Kunststoff, beispielsweise LEDs, organische Leuchtdioden oder auch Leichtbaustrukturen. Neue Wachstumsfelder für Kunststoff seien die Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe, für dessen Verbrauch das Nova-Institut bis zum Jahr 2015 eine weltweite Verdreifachung auf 5 Mio t jährlich prognostiziert. Ein anderer Bereich seien die Biokunststoffe, die sich „eine Marktnische erschlossen und in einigen Verpackungsanwendungen und Konsumwaren fest etabliert haben“, so Reifenhäuser. Immer mehr Kunststoffe ließen sich „zumindest teilweise auf Basis nachwachsender Rohstoffe darstellen, darunter inzwischen auch einige technische Kunststofftypen.“

Die Weltproduktion von Kunststoff- und Gummimaschinen erreichte nach drei Jahren stetigen Wachstums im Jahr 2008 mit fast 22 Mrd Euro einen neuen Rekordwert, bevor sie 2009 aufgrund der Krise um nahezu ein Viertel auf 17 Mrd Euro einbrach. In Deutschland betrug das Produktionsvolumen für den Kernmaschinenbau 5,5 Mrd Euro. 2009 fiel dieser Wert um 31 % auf 2,8 Mrd Euro zurück. Doch kann die Branche optimistisch in die Zukunft blicken: „Die erfreulich gestiegenen Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2010 lassen für das Gesamtjahr ein Plus um 11 Prozent erwarten“, sagte Reifenhäuser. Dennoch werde der Gesamtumsatz noch ein Viertel unter jenem des Jahres 2008 zurückbleiben