Kuka

Audi-Werk Ingolstadt: Kuka-Roboter bei der Arbeit im Karosseriebau. - Bild: Audi

Datenklau, Technologietransfer, Industriespionage – wenn es um den geplanten Einstieg des chinesischen Haushaltsgeräteherstellers Midea beim deutschen Roboterbauer Kuka geht, ist der Aufschrei hierzulande groß.

Sogar die Bundesregierung versucht, den chinesischen Investor zu verhindern und sucht aktiv nach heimischen Investoren, die Midea noch abwenden könnten. Eigentlich kein Wunder, sind doch Roboter, 3D-Drucker und Software in Zeiten digitaler Fabriken der ideale Weg, Produktionsgeheimnisse abzusaugen.

Die Realität sieht allerdings etwas anders aus, weiß Lutz Berners, Managing Director von Berners Consulting in Stuttgart. Denn die Möglichkeiten eines Technologie- und Datenabflusses über eine reine Beteiligung seien gar nicht so groß.

"In China hätte man als größter Aktionär mit einer Beteiligung in einer Größenordnung von 30 % an einem börsennotierten Unternehmen die effektive Kontrolle über ein Unternehmen, aber hier ist das anders." Der mögliche Einfluss über das Aufsichtsratsgremium werde in der Diskussion überschätzt.

"Zudem hat die Realität gezeigt, dass eine von der deutschen Seite ungewollte Einmischung chinesischer Investoren in die Geschäfte und die strategische Ausrichtung bislang nicht so oft stattfindet."

"So funktioniert Marktwirtschaft"

Lutz_Berners
China-Experte Lutz Berners berät deutsche und chinesische Unternehmen bei Expansionen und Zusammenschlüssen. - Bild: Berners Consulting

Viel bedeutender sei, ob Aufsichtsrat und Vorstand an einem Strang ziehen. "Die wichtigste Frage ist aber: Was ist der Plan, den Midea mitbringt und der den Kuka-Vorstand offenbar überzeugt. Dieser Punkt ist bisher noch nicht ausreichend klar kommuniziert worden."

Der Automobil- und Industrieanalyst Frank Schwope von der NordLB bleibt ebenfalls gelassen: "Eine Übernahme von Kuka durch die chinesische Midea hätte keine gravierenden Auswirkungen auf den Standort Deutschland. So funktioniert die Marktwirtschaft: es gibt Firmenkäufe und Technologietransfers in alle Richtungen."

China wird Roboter bauen - mit oder ohne Kuka

Professor Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer IPA schätzt die Robotik als außerordentlich wichtig für die deutsche Industrie ein, betont aber auch, dass China mittlerweile der größte Robotermarkt der Welt ist. Dass die Chinesen wie geplant ihre eigene Roboterindustrie aufbauen werden, ist aus Sicht von Bauernhansl nicht aufzuhalten.

"China baut massiv Know-how auf diesem Gebiet auf, sowohl in der Anwendung als auch in der Entwicklung von Robotern. Ein Engagement von einem chinesischen Unternehmen – und deswegen wird das ja auch gemacht – würde diesen Prozess beschleunigen. Ein Verzicht auf ein Engagement von Kuka in China würde aber auf der anderen Seite diesen Prozess auch nicht verhindern. Davon hängt also nicht das Wohl und Wehe von Deutschland ab", ist sich der Experte sicher.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht, also aus Kuka-Perspektive, macht der Einstieg von Midea nach Einschätzung von Bauernhansl durchaus Sinn. "Aus volkswirtschaftlicher chinesischer Sicht kann das dazu führen, dass China Deutschland schneller einholt", ergänzt der Professor allerdings.