Der LBBW-Hauptsitz in Stuttgart

Der LBBW-Hauptsitz in Stuttgart. - Bild: LBBW

Sowohl das Chaos rund um den Brexit in Europa als auch der Handelskonflikt zwischen China und den USA werden letztlich wohl nicht eskalieren. Seine Erwartung für das Wachstum der Weltwirtschaft im kommenden Jahr liege bei drei bis vier Prozent.

"Der Anker des Wachstums liegt in China"

Auch für Europa sei er mit seiner Prognose von 1,5 Prozent Wachstum "relativ optimistisch". Für Deutschland gehe er von 1,4 Prozent aus, die USA sehe er bei 2,5 Prozent. "Der Anker des Wachstums liegt jedoch in China", sagte Burkert. Dort dürften es etwa 6 Prozent werden. Sollte China schwächer wachsen, dürfte sich das auch negativ auf die Weltwirtschaft auswirken.

Was den schwelenden Handelskonflikt zwischen China und den USA angeht, erwartet Burkert eine Entspannung im kommenden Jahr. "Donald Trump pokert hoch, er ist aber am Deal interessiert", sagte er über die Taktik des US-Präsidenten in puncto Zöllen. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt seien zu groß, als dass sie eine stärkere Konfrontation riskierten.

Für Europa gibt sich Burkert relativ optimistisch. Der Haushaltsstreit mit Italien um die hohe Staatsverschuldung des Landes werde die Konjunktur nicht so stark nach unten ziehen. "Das Land ist wachstumsschwach, das ist im Grunde nichts Neues." Auch die Situation in Frankreich bewertet der Ökonom nicht als aussichtslos. "Die Zugeständnisse der Regierung gegenüber den Gelbwesten, so kritisch sie aus fiskalischer Sicht sein mögen, sorgen für eine gewisse Konjunkturbelebung."

Der Brexit wird im kommenden Jahr Burkerts Einschätzung nach ohne größere Unfälle über die Bühne gehen. Selbst im Falle eines ungeordneten Austritts Großbritanniens auch der EU sieht der Volkswirt nicht schwarz: "Die Unternehmen müssen sich auf einen harten Brexit einstellen, und sie machen das auch. Dieses Szenario ist also in ihrer Planung enthalten", erklärte Burkert.

Burkert erwartet Rekordausschüttungen

Mit Blick auf den Aktienmarkt ist Burkert trotz der bislang trüben Jahresbilanz recht optimistisch gestimmt. Der deutsche Leitindex Dax könnte Ende 2019 auf etwa 12.500 Punkten notieren. Die meisten Risiken wie der Brexit oder der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien seien inzwischen in den Aktienkursen berücksichtigt.

Bis etwa Mai 2019 dürften Dividendenzahlungen den Dax zusätzlich antreiben, prognostizierte Burkert. Schließlich seien die meisten Unternehmen weiterhin gut mit Barmitteln ausgestattet, so dass der Chefvolkswirt erneut Rekordausschüttungen erwartet. In der zweiten Jahreshälfte aber könnte sich der Leitindex etwas abschwächen.

Denn bereits im Jahr 2020 drohe die US-Wirtschaft, in eine Rezession abzugleiten. Gründe seien absehbar sinkende Staatsausgaben und die vier seiner Meinung nach im Jahr 2019 anstehenden Leitzinserhöhungen, die das Wirtschaftswachstum belasten dürften.

Sorgen bereitet Burkert die Wahl des neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein deutscher EZB-Präsident, wie er in Person von Bundesbankchef Jens Weidmann schon im Gespräch gewesen war, wäre ein wichtiges Signal an die deutsche Bevölkerung gewesen, sagte der Ökonom. Vor allem wäre ein deutscher Präsident für die heimischen Sparer ein Zeichen der Stabilität und des Vertrauens.

Bei den anderen denkbaren Kandidaten sei dies eher nicht der Fall. Der neue EZB-Präsident wird im kommenden Herbst die Nachfolge des Italieners Mario Draghi antreten. Burkert hält den ehemaligen finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen oder den französischen Zentralbankpräsident Francois Villeroy de Galhau für aussichtsreiche Kandidaten.

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