'Lean ist kein Projekt und kein Prozess, sondern eine Kultur.' Nebojsa Kljajic, 
Geschäftsführer
'Lean ist kein Projekt und kein Prozess, sondern eine Kultur.' Nebojsa Kljajic, Geschäftsführer des Schindler Escalators-Produktionswerks in Österreich. - Bild: Schindler

In der Prager Lernfabrik, einer Fabrikhalle von rund 50 Meter Länge, wurde physisch das Layout einer Produktionslinie simuliert, anhand von Arbeitstischen mit verschiedenen kleinen Tafeln, die jeweils einen Prozess symbolisierten. „Unsere Mitarbeiter haben den Auftrag bekommen, einen etwa halbmetergroßen LKW nach dem Lego-Prinzip zusammenzubauen. Für jeden Montageschritt gab es Zeitvorgaben, es musste für das Nachfüllen von Material gesorgt und Qualitätsprobleme gemeldet werden“, erklärt der Schindler-Geschäftsführer.

Besonders wichtig war für Kljajic, dass er die Aufgaben selbst analog zu eigenen Prozessen in die Lernfabrik einbringen konnte. Anschließend gab es einen schriftlichen Test; für die Mitarbeiter, die noch Nachholbedarf hatten, folgte eine weitere Schulung.

Lean ist eine Kultur

„Lean ist kein Projekt und kein Prozess, sondern eine Kultur“, erläutert Kljajic. Der Erfolg der Lean-Strategie und der Schulungen geben ihm recht: Zuvor lag die Produktionseffektivität im Branchendurchschnitt, wurde aber als unbefriedigend wahrgenommen. Heute ist Schindler bei einer Effektivität von über 100 % angekommen.

Etwa jeden dritten Monat erarbeitet man eine weitere Effizienzsteigerung. Die Mitarbeiter bekommen einen Sonderbonus von 33 %, wenn eine neue Stufe erreicht wird, im Durchschnitt erreichen sie 27 % Bonus. Das Ziel: In Europa demnächst genauso günstig zu produzieren wie in Schwellenländern.

Die praxisnahe Qualifizierung der Mitarbeiter ist dafür der entscheidende Faktor.„Die traditionelle Lean-Ausbildung ist ausschließlich graue Theorie. Dabei wurde mit theoretischen Beispielen und Berechnungen gearbeitet, die dann direkt im Shopfloor übernommen wurden – mit den entsprechenden Problemen.

Das Training dauerte Monate“, erinnert sich der Schindler-Geschäftsführer. „In der Lernfabrik gibt es einen Produktionsentwurf, praktisch zum Anfassen und an dem die Mitarbeiter eins zu eins analog zu unseren Arbeitsanweisungen und Aufträgen üben“, resümiert Kljajic. So mussten zum Beispiel die Mitarbeiter in ihren Spielzeug-LKW eine Kabine mit dem bereits integrierten Lenkrad montieren, wobei für jedes Teil eine spezifische Zeit angesetzt ist und es einen vorgegebenen Prozess gibt.

Im Werk montieren die gleichen Mitarbeiter einen Handlauf mit Balustrade und integriertem Getriebemotor. „Der Mitarbeiter kann die Situationen vergleichen und Schwachstellen finden, an denen er etwas nicht schafft. In der Lernfabrik ist die Zeit, um Notizen zu machen, analog zum Stillstand in der realen Produktion“, berichtet Nebojsa Kljajic.

Mit Lean Industrie 4.0- Konzepte umsetzen

Auch für Themen wie Industrie 4.0 ist der Lean-Ansatz hilfreich. „Lean ist eine sinnvolle Kultur, um Industrie 4.0-Konzepte umzusetzen“, ist sich Kljajic sicher. Mithilfe der Lean-Ausrichtung gelang es dem Aufzug- und Rolltreppenhersteller zum Beispiel, die Rüstzeit bei einigen Maschinen signifikant zu reduzieren.

Bei Schindler plant man derzeit weitere Trainings zu neuen Themen. Als nächstes stehen logistische Prozesse wie der Materialfluss und Delivery Routes zwischen Logistik und Arbeitsplatz in Bezug auf das System Just in Sequence auf dem Plan, auch hier ist die Nutzung der Lernfabrik angedacht. Nächster Schritt ist zudem die Six-Sigma-Zertifizierung des kompletten Management-Teams.

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Xpertiso

Lernfabriken und In-House-Trainings

Das Trainingsangebot Xpertiso vom verlag moderne industrie und der ROI Management Consulting AG besteht aus Lernfabriken und In-House-Trainings. Über die Simulationen in der Lernfabrik erfahren die Teilnehmer, wie sich disruptive neue Technologien nutzen lassen. Bisher gibt es Lernfabriken in München und Prag, ein weiterer Standort in China soll folgen. www.xpertiso.de, Tel. 089 1215 900