HAMELN/LEMGO (pd). Es ist ein Kooperationsvertrag, wie es ihn in dieser Form nach Angaben von Lenze noch nicht gegeben hat: Ab Januar 2011 übernimmt Professor Dr. Holger Borcherding die fachliche Führung des Bereichs Innovation beim Antriebs- und Automatisierungsspezialisten. Er behält dabei seine Professur an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo und wird dort weiter seiner Lehrtätigkeit nachgehen. Über diese Kooperation schlossen Lenze und die Hochschule einen Vertrag ab. Beide Seiten zeigten sich bei der Unterzeichnung davon überzeugt, dass dieser Schulterschluss für Lehre und Produktion gleichermaßen vorteilhaft sei.

„Wir sind schon heute sehr stark praxisorientiert und gut vernetzt mit den Unternehmen in der Automatisierungsregion Ostwestfalen-Lippe. Die Lehre profitiert vom Input aus der Industrie”, begründet Borcherding die Motivation der Hochschule OWL, gemeinsam mit Lenze einen Meilenstein in punkto Kooperation zu erreichen. Von der Industrie in die Hochschule und wieder zurück: Der 45- jährige Prodekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Technische Informatik und Chef des Labors für Leistungselektronik und Elektrische Antriebe am Fachbereich ist für Lenze kein Unbekannter. Borcherding leitete vor seinem Wechsel zur Hochschule OWL von 2000 bis 2003 die Servoregler-Entwicklung in Groß Berkel.

„So eine Vereinbarung hat es bei uns bisher noch nicht gegeben”, stellt Dekan Professor Dr. Uwe Meier bei der Vertragsunterzeichnung im Lenze-FORUM in Groß Berkel fest und ist davon überzeugt, dass das engere Zusammenrücken „für beide Seiten ein Gewinn sein wird”. Ein Gewinn deshalb, weil Lenze im Innovationsbereich von den Erkenntnissen eines aktiv forschenden Professors inklusive seines Fachbereichs profitiert, während die Hochschule in Lemgo wiederum wertvolles Wissen über konkrete Trends und Problemlagen der Industrie erhält. Hochschulpräsident Prof. Tilmann Fischer würdigte die noch engere Vernetzung zwischen Hochschule und Industrie, weil die Forschung zum Vorteil der Unternehmen dazu beitragen könne, zukunftsweisende Richtungen einzuschlagen.

„Der persönliche Erkenntnisprozess und die gesammelten Erfahrungen unserer Dozenten in der Industrie bringen Praxis ins Lehrangebot und machen das Studium insgesamt attraktiver.” Lenze-Personalchef Ralf Klemme bezeichnete die Vertragsunterzeichnung als „zukunftsweisend” – nicht zuletzt für den Berufsnachwuchs von morgen. Dieser würde nicht nur fachlich ausgebildet, „sondern versteht viel früher, wie Unternehmen und Märkte funktionieren. Außerdem ist diese Kooperation Ausdruck dafür, dass wir uns zur Region und zum Innovationsstandort Deutschland bekennen.“

Frank Maier, Vorstandsmitglied der Lenze SE, definierte den künftigen Tätigkeitsschwerpunkt von Prof. Borcherding vor allem im Segment der mechatronischen Systeme. Ansatzpunkte und konkrete Aufgabenstellungen für Innovationen gebe es reichlich: Simulationsverfahren bei der Maschinenkonzeption und darauf abgestimmte Antriebsauslegung sei nur ein Beispiel, Regelungen ohne oder mit sehr günstigen Rückführungen und neue Werkstoffe zwei weitere. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Prof. Borcherding einen anerkannten Fachmann und Innovator gewinnen konnten. Durch seine Einbindung in die Hochschulwelt und seine Erfahrung aus zahlreichen Projekten in der Vergangenheit bringt er die allerbesten Voraussetzungen für diese Tätigkeit mit“, fasst Maier die Bedeutung für Lenze zusammen.