Auch wenn Leoni noch nichts von der Krise spürt - der Konzern sieht sich gut auf einen eventuellen

Auch wenn Leoni noch nichts von der Krise spürt - der Konzern sieht sich gut auf einen eventuellen Markteinbruch vorbereitet (Bild: Leoni).

Der Kabelspezialist Leoni hat ein starkes drittes Quartal abgeliefert und spürt keinerlei Krise. Dank der anhaltend hohen Nachfrage aus der Automobil- und der Investitionsgüterindustrie verbuchten die Nürnberger zwischen Juli und September einen deutlichen Einnahmenzuwachs und einen Gewinnsprung. Der September war sogar der umsatzstärkste Monat der Firmengeschichte. Die Jahresziele bekräftigte das im MDAX notierte Unternehmen am Dienstag und stellt sich auch für 2012 auf Wachstum ein.

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Im dritten Quartal stiegen die Einnahmen der Leoni AG um gut ein Viertel auf 913 Mio Euro. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Kabel- und Bordnetzhersteller fast 55 (Vorjahr: 39) Mio Euro, unter dem Strich blieben knapp 33 Mio Euro übrig – über die Hälfte mehr als im Vorjahr. Der Umsatz legte dank des über weite Strecken des dritten Quartals hohen Kupferpreises stärker zu als erwartet, die Ergebnisse wegen Abschreibungen auf den Kupferbestand infolge des Preiseinbruchs zum Ende des vergangenen Vierteljahres dagegen weniger stark.

Die Finanzkennziffern wurden nach Unternehmensangaben von beiden Geschäftsbereichen – also der Bordnetz- und der Kabelsparte – angetrieben. Zum überproportionalen Gewinnanstieg trug nicht nur der gestiegene Umsatz sondern auch die effizientere Aufstellung des Unternehmens bei.

Wirklich überraschend kommen die starken Zahlen nicht, da Vorstandschef Klaus Probst unlängst bereits in einem Interview angekündigt hatte, dass sich das Geschäft auch zwischen Juli und September gut entwickelt hat. Entsprechend kann Leoni am Dienstag auch am Markt nicht punkten: Am frühen Mittag verliert die Aktie 3,3% auf 29,29 Euro und ist damit der schwächste Wert im deutschen Mittelwerteindex MDAX. Das Papier hatte seit Anfang Oktober allerdings auch um fast die Hälfte zugelegt und Branchentitel wie Continental oder ElringKlinger deutlich hinter sich gelassen.

Für 2011 rechnet Leoni dank der guten Auftragslage weiter mit Einnahmen von rund 3,6 Mrd Euro und einem operativen Gewinn von etwa 230 Mio Euro. Im Jahresverlauf hatten die Nürnberger dank des Auto-Booms die Latte gleich zwei Mal höher gelegt. 2010 hatte Leoni bei Erlösen von knapp 3 Mrd Euro vor Zinsen und Steuern fast 131 Mio Euro verdient.

Obwohl es auf wichtigen Märkten keinerlei Anzeichen einer Eintrübung gebe, beobachtet der MDAX-Konzern die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise nach eigenem Bekunden sehr genau. “Auf etwaige negative konjunkturelle Veränderungen sieht sich das Unternehmen dank der starken Ergebnisentwicklung, der erfolgreich umgesetzten Kapitalerhöhung und der nach der letzten Krise erheblich flexibilisierten Strukturen gut vorbereitet”. Vorstandschef Klaus Probst erklärte in einer Telefonkonferenz, das Unternehmen könne einen Markteinbruch von bis zu einem Fünftel ohne große Restrukturierung verkraften.

Allerdings gibt es nach seiner Aussage momentan keinen Grund, schwarz zu malen. Auch im Schlussquartal würden die Werke an der Kapazitätsgrenze produzieren, der Oktober habe sich operativ ählich gut entwickelt wie der September, sagte er. Und auch im ersten Vierteljahr 2012 sollen sich die Auftragsbücher laut Probst weiter füllen. Der Manager bekräftigte deshalb das Ziel, im kommenden Jahr der Marke von 4 Mrd Euro beim Umsatz nahe kommen zu wollen – auch wenn der Automobilmarkt nur stagnieren sollte. Zudem traut sich der MDAX-Konzern weiter zu, die operative Zielrendite von 7% zu erreichen.