Linde,Praxair,Gaskonzern

Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Linde gibt grünes Licht für die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair. - Bild: Linde

Das Abstimmungsverhältnis als solches teilten die Münchner indes im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nicht mit.

Damit dürfte aber klar sein, dass nun - anders als zuvor oft angekündigt - nicht alle Arbeitnehmervertreter bei der Entscheidung über den Fusionsvertrag mit Nein gestimmt haben. Damit ist offenbar auch ein Eklat vermieden worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle, der als maßgeblicher Betreiber des Zusammenschlusses gilt, hätte seine ihm zustehende Zweitstimme nutzen können. Diese wäre dann nötig gewesen, wenn es eine Pattsituation zwischen den Lagern von Anteilseigner- und Arbeitnehmervertretern gegeben hätte.

Fusion von Linde und Praxair noch nicht in trockenen Tüchern

Die Fusion von Linde und Praxair ist damit aber noch nicht in trockenen Tüchern. Bedingung der Fusion ist unter anderem die Zustimmung der Hauptversammlung von Praxair mit der erforderlichen Mehrheit und die Annahme des Umtauschangebots der Holding-Gesellschaft für voraussichtlich mindestens 75 Prozent der Aktien von Linde. Linde und Praxair hatten sich im Dezember auf einen Zusammenschluss unter Gleichen mittels eines Aktientausches geeinigt, die Verhandlungen hatte sich aber jüngst verzögert. Erst Ende Mai gab Linde dann bekannt, sich mit Praxair grundsätzlich beim Business Combination Agreement (BCA) geeinigt zu haben. Am Donnerstag unterzeichneten die Partner nun ein rechtlich bindendes BCA.

Sollte die Megafusion gelingen, entstünde der weltgrößte Gasekonzern. Die beiden Unternehmen erwarten durch die Transaktion jährliche Synergien von etwa 1 Milliarde US-Dollar. Der gemeinsame Pro-forma-Umsatz liegt bei Zugrundelegung der Jahresabschlüsse von 2015 bei rund 30 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung betrug zum Zeitpunkt der Fusionsankündigung mehr als 65 Milliarden Dollar.

Auch wenn an der industriellen Logik kein Zweifel besteht, wurde die Fusion von Aktionären und Mitarbeitern teils heftig kritisiert. Besonders die Linde-Mitarbeiter befürchten einen Verlust von Arbeitsplätzen.

Holding mit Sitz in Island

Die Unternehmen wollen sich nun unter dem Dach einer börsennotierten, neu gegründeten Holding-Gesellschaft zusammenschließen, die den Namen Linde tragen wird. Die neue Holding-Gesellschaft wird ihren Satzungssitz in Irland habe, während die Zentralfunktionen zuvorderst in Großbritannien angesiedelt sein werden.

Es ist vorgesehen, dass Praxair und Linde zu einer Tochter der neuen Holding-Gesellschaft werden. Linde-Aktionären werden 1,54 Aktien der neuen Holding-Gesellschaft je Linde-Aktie angeboten. Praxair-Aktionäre erhalten eine Aktie der neuen Holding-Gesellschaft. Nach Abschluss des Unternehmenszusammenschlusses werden die ehemaligen Praxair-Aktionäre und die ehemaligen Linde-Aktionäre jeweils die Hälfte an der neuen Holding halten.