Linde Praxair Fusion

Linde hat Gespräche mit Praxair über eine mögliche Fusion bestätigt. - Bild: Linde

Sollte eine Fusion der beiden zustande kommen, stiege der fusionierte Konzern zum Branchenprimus auf. Die französische Air Liquide wäre dann wieder entthront.

Linde betonte, die Gespräche liefen noch und hätten noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt. Entsprechend sei derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Transaktion geben werde. Sollten die Gespräche erfolgreich fortgesetzt werden, werde Linde den Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit entsprechend den rechtlichen Anforderungen informieren.

Linde und Praxair sind derzeit an der Börse jeweils rund 30 Milliarden US-Dollar wert. Ein Zusammenschluss aus Linde und Praxair wäre in diesem Jahr dann mit einem Wert von rund 60 Milliarden Dollar eine der größten Transaktionen.

Bei Investoren kommt der potenzielle Megadeal gut an: Linde gewinnen am Dienstagnachmittag 9,6 Prozent auf 152,70 Euro.

Air Liquide hat Linde an der Spitze verdrängt

Die französische Air Liquide hat Linde mit der Übernahme des US-Wettbewerbers Airgas im Frühjahr an der Branchenspitze verdrängt. Airgas ist einer der größten Lieferanten von Industrie-, Medizin- und Spezialgasen in den USA und einer der größten Hersteller atmosphärischer Gase wie Sauerstoff, Stickstoff und Argon. Die Franzosen hatten für Airgas tief in die Tasche gegriffen und rund 10 Milliarden Dollar bezahlt.

Mit der Übernahme haben die Franzosen nicht nur ihr US-Geschäft deutlich ausgebaut, sondern sind gemessen am Jahresumsatz von mehr als 23 Milliarden Dollar Umsatz wieder zum größten Industriegasehersteller der Welt geworden

Die deutsche Linde, die Industriegase und Gase für den medizinischen Gebrauch herstellt, war durch die Übernahme des britischen Rivalen BOC im Jahr 2006 für 14 Milliarden Dollar Branchenprimus geworden. Sollte sich Linde nun mit Praxair zusammenschließen, dann käme das kombinierte Unternehmen auf einen Jahresumsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar vor Desinvestitionen.

Aber angesichts der Airgas-Übernahme durch die Franzosen fragen sich einige Beobachter, ob die Kartellbehörden mit Linde und Praxair einen weiteren Großdeal erlauben würden. Schon jetzt gibt es neben Air Liquide und Linde nur noch wenige Gaseunternehmen.

Nach Einschätzung der DZ Bank dürfte es kein Störfeuer der US-Wettbewerbsbehörde geben, weil die beiden Gase-Unternehmen unterschiedliche Bereiche in den USA abdeckten. Fraglich sei für sie dagegen ein "Ja" aus Brüssel, da es nach einem Zusammenschluss der beiden Unternehmen nur noch drei Industriegase-Anbieter gäbe.

Praxair gehörte einst zu Linde

Praxair war einst Teil des Linde-Konzerns. Gegründet wurde das Unternehmen als US-Geschäft von Linde im Jahr 1907 unter dem Namen Linde Air Products. Das Geschäft hat sich so rasend entwickelt, dass bis zum Ersten Weltkrieg das Unternehmen größer als die deutsche Muttergesellschaft war.

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde die Linde Air Products von dem Konzern Union Carbide Corp gekauft. Das Unternehmen wurde abgespalten und in Praxair umbenannt. Union Carbide gehört nun zum Branchenriesen Dow Chemical.

Praxair ist seit 1992 ein unabhängiges börsennotiertes Unternehmen. Als das erste Unternehmen in den Vereinigten Staaten hat Praxair mit Hilfe des kryogenen Prozesses den Sauerstoff aus der Luft separiert und sieht sich selbst als ein Wegbereiter auf dem Gebiet der technischen Gase. Praxair ist nach eigenen Angaben der größte Industriegase Anbieter in Nord- und Südamerika.

Das Unternehmen produziert und verkauft atmosphärische Gase, Prozess- und Spezialgase sowie Hochtechnologie-Beschichtungen. In der ersten Jahreshälfte sank der Umsatz von Praxair mit Sitz in Danbury im US-Bundesstaat Connecticut um 6 Prozent auf 5,17 Milliarden Dollar.

Der niedrige Ölpreis, Überkapazitäten und als Folge davon die Investitionszurückhaltung der Kunden im Anlagenbau machen auch Linde derzeit zu schaffen. Im ersten Halbjahr sind Umsatz und operatives Ergebnis (EBITDA) zurückgegangen. Weil die wirtschaftliche Entwicklung schwierig bleibt, treibt Linde seine Sparmaßnahmen voran. In den ersten sechs Monaten sanken die Erlöse bei Linde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,3 Prozent auf 8,56 Milliarden Euro.

Das Gros davon ist jedoch auf negative Wechselkurseffekte zurückzuführen: Bereinigt um die Veränderungen bei den Wechselkursen lagen die Erlöse nur um 1,6 Prozent unter Vorjahr. Das operative Ergebnis (EBITDA) gab um gut 4 Prozent nach auf gut 2 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Linde mit 632 Millionen Euro gut 9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die zehn größten Industrie-Familienunternehmen der Welt

  • Peugeot

    Mit Marken wie Peugeot und Citroen landet der französische Autobauer mit einem Umsatz von 71,8 Milliarden US-Dollar auf Platz 10. 37,9 Prozent des Konzerns gehören der Familie Peugeot, die das Unternehmen 1810 gründete. Das Bild zeigt einen Verbrauchstest unter realistischen Bedingungen. - Bild: Peugeot

  • Reliance Industries Limited

    Auf Platz 9 kommt das größte indische Unternehmen im Familienbesitz. Der Textil- und Erdölkonzern setzte 72 Milliarden US-Dollar um. Reliance Industries Limited wurde 1966 von Dhirubhai Ambani gegründet, die Ambani-Familie hält 45,3 Prozent. 2006 zerstritten sich die beiden Brüder, die das Unternehmen geerbt hatten, der Konzern wurde geteilt. - Bild: Reliance Industries Limited

  • ArcelorMittal

    Mit superbreiten LKWs für Minen auf Platz 8: Die Mittal-Familie hat einen Anteil von 39,4 Prozent am Unternehmen. Der niederländisch-luxemburgische Minen-und Stahlspezialist ArcelorMittal setzte 79,4 Milliarden US-Dollar um und gilt mit rund 230.000 Mitarbeitern als größter Stahlproduzent der Welt. Vorstandsvorsitzender ist Lakshmi N. Mittal. - Bild: ArcelorMittal

  • Arabian Fal Group

    Wenn Ölquellen sprudeln: Auf Platz 7 landet die Öl- und Baufirma Arabian Fal Group, deren Umsatz 82,2 Milliarden US-Dollar betrug. Die Familie Alsayed hält mehr als 50 Prozent der Anteile des 1979 mit fünf Mitarbeitern gegründeten Unternehmens, das heute lediglich rund 4.000 Menschen beschäftigt. - Bild: Arabian Fal Group

  • BMW

    Mit 101 Milliarden US-Dollar Umsatz landet BMW auf Platz 6. Immerhin 46,7 Prozent des Münchener Autobauers gehören der Familie Quandt. Aufgebaut hat die Familie den Konzern jedoch nicht. Herbert Quandt trat erst 1959 – 42 Jahre nach der Gründung von BMW – auf den Plan und stärkte den Konzern, der zuvor fast abgewickelt worden wäre, mit einer Kapitalerhöhung.- Bild: BMW Group

  • Koch industries

    Unterstützer der US-Republikaner: Der Mischkonzern Koch industries gehört zu 84 Prozent der Koch-Familie und ist unter anderem in den Bereichen Erdöl, Chemie, Energie, Asphalt, Erdgas, Kunstdünger sowie Nahrungsmittel tätig. Der Umsatz betrug 115 Milliarden US-Dollar, das entspricht Platz 5. - Bild: Wikipedia

  • Ford Motor Company

    Platz 4 belegt die Ford Motor Company mit 146,9 Milliarden US-Dollar Umsatz. Immerhin 40 Prozent des börsennotierten Automobilpioniers gehören noch der Familie Ford. - Bild: Ford

  • EXOR SpA

    Platz 3: Exor SpA. Der italienische Mischkonzern hat unter anderem Anteile an Fiat, Ferrari, dem Fussballverein Juventus Turin und dem Zeitschriften-Verlag "The Economist Group". Die Agnelli-Familie gründete den Konzern 1927 und hält heute noch 51,4 Prozent der Anteile. Der Umsatz betrug 151,1 Milliarden US-Dollar. Das Bild zeigt John Elkann, Präsident von Exor, und Sergio Marchionne, Chef von Fiat, mit einem Fiat 500 aus dem Original-Baujahr 1957.- Bild: Exor

  • Berkshire Hathaway

    Einer der bekanntesten Milliardäre der Welt: Der Vorsitzende Warren Buffett, im Bild mit Barack Obama, hält 34,5 Prozent an der Berkshire Hathaway, Inc. Die Beteiligungen an über 80 Firmen bescherten einen Umsatz von 182,2 Milliarden US-Dollar und damit Platz 2. Ohne seine Aktienverkäufe für Spenden wäre Buffett mit Abstand der reichste Mensch der Welt, so kommt er „nur“ an zweiter Stelle.- Bild: Wikipedia

  • Volkswagen

    Platz 1 belegt die Volkswagen AG mit 261,6 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Familie Porsche hat einen Anteil am Wolfsburger Unternehmen von 32,2 Prozent. Ferdinand Porsche hatte im Auftrag von Hitler den ersten „Volkswagen“ entwickelt und wurde 1938 Vorsitzender der Volkswagenwerk GmbH. Angesichts der drohenden Strafzahlungen aufgrund des VW-Diesel-Skandals vor allem in den USA könnte sich das Familieneinkommen demnächst verringern. - Bild: Volkswagen