Die konjunkturelle Belebung im Gasegeschäft und Erfolge des Effizienzsteigerungsprogramms haben dem Gase- und Anlagenbaukonzern Linde ein solides drittes Quartal beschert und das angepeilte Rekordergebnis in Reichweite gerückt.

Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Mit den Zahlen für die Monate Juli bis September schnitt Linde leicht besser ab als am Markt erwartet. Der DAX-Konzern bestätigte am Dienstag zudem seine Jahresprognosen. Demnach will die Linde AG Konzernumsatz und operatives Konzernergebnis 2010 im Vergleich zum Vorjahr unverändert erhöhen. Dabei soll sich das operative Ergebnis überproportional zum Umsatz verbessern und den Wert aus dem Rekordjahr 2008 übertreffen.

Für dritte Quartal wies der Konzern mit Sitz in München am Dienstag ein Umsatzwachstum von 16,4% auf 3,301 Mrd Euro aus. Das operative Konzernergebnis erhöhte sich um 17,6% auf 749 Mio Euro. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Mittel mit einem Konzernumsatz von 3,237 Mrd Euro und einem operativen Ergebnis von 732 Mio Euro gerechnet. Nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter verdiente der DAX-Konzern 253 Mio Euro und damit knapp 50% mehr als im Vorjahr.

“Wir blicken zuversichtlich auf die kommenden Monate”, sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reitzle. Die Maßnahmen zur nachhaltigen Effizienzsteigerung hätten Wirkung gezeigt.

In der größten Sparte, dem Gasegeschäft, habe sich der Nachfrageanstieg im weltweiten Geschäft im Jahresverlauf weiter stabilisiert, erklärte Linde. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz in der Division auf 2,659 Mrd von 2,279 Mrd Euro im Vorjahr. Hier profitierte Linde neben den verbesserten Rahmenbedingungen von der guten Positionierung in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Die höchsten Wachstumsraten erzielte Linde in dieser Sparte erneut in den Schwellenländern Asiens – insbesondere in China – sowie in Südamerika. Das operative Sparten-Ergebnis erhöhte sich auf 718 (625) Mio Euro.

Zur weiteren Stärkung der Profitabilität hätten vor allem die positiven Effekte des Effizienzsteigerungsprgramms “HPO” beigetragen, erklärte Linde. Mit dem Programm will Linde die Bruttokosten bis 2012 um 650 Mio bis 800 Mio Euro senken. Für die Division präzisierte Linde am Dienstag die Jahresprognosen. Das Unternehmen geht jetzt davon aus, nicht nur beim operativen Ergebnis, sondern auch beim Umsatz den Rekordwert aus dem Jahr 2008 zu übertreffen.

Auch im internationalen Großanlagenbau habe sich die Nachfrage im Jahresverlauf zunehmend stabilisiert, hieß es. Der Umsatz legte in der Engineering Division auf 579 Mio von 564 Mio Euro zu. Das operative Ergebnis erhöhte sich auf 61 (55) Mio Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 10,5% nach 9,8% im dritten Quartal 2009. Für die Sparte hob Linde das operative Margenziel für 2010 nun an. Angepeilt wird 2010 nun ein Wert von mindestens 10%. Bisher sollte die Zielgröße von 8% übertroffen werden. Der Umsatz soll weiterhin mindestens das Niveau des Vorjahres erreichen.

Die Investitionstätigkeit in den vier großen Geschäftsfeldern Olefin, Erdgas-, Luftzerlegungs- sowie Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen habe sich belebt, hieß es weiter. Insbesondere kleinere und mittlere Projekte würden verstärkt in Auftrag gegeben. Im dritten Quartal stieg der Auftragseingang in der Sparte auf 576 (215) Mio Euro.

Händler sprachen in ersten Einschätzungen von etwas besser als erwarteten Zahlen. “Große Ausreißer sind aber nicht dabei”, so ein Marktteilnehmer. Die Prognose habe Linde bestätigt. “Von daher sind stärker steigende Kurse nur in einem steigenden Gesamtmarkt zu erwarten”, so der Händler.

Größere Gewinnmitnahmen bei Linde seien aber auch nicht zu erwarten, da der Kurs schon seit einigen Tagen seitwärts laufe und kurzfristig nicht mehr überkauft wirke. Die Linde-Aktie lag um 9.22 Uhr 0,9% im Minus bei 102,85 Euro.