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Die Linde-Praxair-Fusion nimmt Fahrt auf. - Bild: Blackwhiteupl/Wikimedia/CC-BY-3.0

In einem Eckdatenpapier haben sich die beiden Gasekonzerne über die wesentlichen Konditionen eines Zusammenschlusses unter Gleichen geeinigt.

Demnach soll die Obergesellschaft der gemeinsamen Gruppe eine börsennotierte, neu gegründete Holdinggesellschaft namens "Linde" werden. Die neue Holdinggesellschaft wird den Linde-Aktionären anbieten, ihre Aktien in Papiere der Holdinggesellschaft zu tauschen. Der Transaktion und dem Umtauschangebot liegt ein Bewertungsverhältnis von 50:50 Prozent von Linde und Praxair zugrunde. Die Linde-Aktionäre sollen 1,540 Aktien der neuen Holdinggesellschaft pro Linde-Aktie erhalten. Die Praxair-Aktionäre sollen eine Aktie an der neuen Holdinggesellschaft pro Praxair-Aktie erhalten.

Die beiden Unternehmen erwarten durch die Transaktion jährliche Synergien von etwa einer Milliarde US-Dollar. Die neue Holdinggesellschaft soll an der Frankfurter Wertpapierbörse und an der New York Stock Exchange gelistet sein. Der Board des gemeinsamen Unternehmens soll zu gleichen Teilen aus Vertretern von Linde und Praxair bestehen. Wie im ersten Anlauf ist zudem geplant, dass Praxair-Chef Stephen Angel Vorstandsvorsitzender des gemeinsamen Konzerns wird, und Wolfgang Reitzle, der Aufsichtsratschef von Linde, als Chairman oberster Aufseher.

Eckpunktepapier nicht rechtlich bindend

Die Holdinggesellschaft soll in einem neutralen Mitgliedsland des Europäischen Wirtschaftsraums angesiedelt sein. Der CEO wird in Danbury/USA sitzen. Zentralfunkionen sollen zwischen Danbury und München aufgeteilt werden.

Linde wies darauf hin, dass das Eckpunktepapier nicht rechtlich bindend ist. Es sei daher noch nicht sicher, dass es zum Abschluss rechtsverbindlicher Verträge kommen bzw ob es bei Abschluss solcher Verträge zum Vollzug einer Transaktion kommen wird. Auch nach dem Abschluss bindender Verträge steht die Transaktion unter anderem noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Hauptversammlung von Praxair.

Nach dem Scheitern der Fusionsgespräche im September hatte Praxair bei Linde Ende November überraschend erneut angeklopft und einen modifizierten Fusionsvorschlag vorgelegt. Dabei hatte der US-Konzern Zugeständnisse an den deutschen Partner gemacht. Der erste Fusionsversuch war vor allem deshalb gescheitert, weil der US-Konzern kaum Rücksicht auf deutsche Standorte nehmen wollte. Arbeitnehmervertreter fürchteten eine Schwächung der Linde-Zentrale in München und anderer Standorte. Praxair-Chef Stephen Angel wollte das Unternehmen vor allem aus den USA führen.

Sollte die Megafusion gelingen, entstünde der weltgrößte Gasekonzern. Linde hat einen Börsenwert von gut 29 Milliarden Euro, Praxair kommt auf 31,6 Milliarden Euro. Zudem ergänzen sich die beiden Unternehmen regional sehr gut. Praxair ist in den USA und in Südamerika stark vertreten, Linde ist stark in Europa und Asien positioniert.

Die Branche steht unter Konsolidierungsdruck, denn das Wachstum im Gasegeschäft hat sich inzwischen abgeflacht. Mit dynamischem Wachstum rechnen Experten auch in den kommenden Jahren nicht. Daher setzen die großen Anbieter nun stärker auf Zusammenschlüsse. Ende Mai hatte der französische Gasekonzern Air Liquide den US-Konkurrenten Airgas für mehr als 12 Milliarden Euro übernommen und Linde damit auf den zweiten Platz im weltweiten Ranking verwiesen.