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VW will mit seinem LKW-Geschäft in Asien expandieren. Gleichzeitig erteilte Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler Börsenplänen seiner Abteilung eine Absage. - Bild: IAA

Asien schauen wir uns intensiv an", sagte Volkswagens Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler am Mittwoch vor Journalisten bei der Messe IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Er schloss vor dem Hintergrund auch nicht aus, dass der deutsche Konzern seinen Anteil an dem chinesischen Lastwagenhersteller Sinotruk aufstockt. "Gehen sie mal davon aus, dass wir uns bestimmte Dinge einfallen lassen", sagte er auf eine entsprechende Frage. Bislang hält die VW-Tochter MAN 25 Prozent plus eine Aktie an Sinotruk.

Volkswagen hat sich selbst zum Ziel gesetzt, mit dem eigenen Lastwagen- und Busgeschäft im nächsten Jahrzehnt "globaler Champion" zu werden. Zu der Strategie gehört es nach den Worten von Renschler auch, die Präsenz auf ausländischen Märkten zu erhöhen und dort etwa bestehende Marken zu übernehmen. Regionale Diversifizierung sei für eine langfristig gute Entwicklung wichtig, sagte Renschler. Das zeige die aktuelle Nachfrageschwäche etwa in Brasilien.

Volkswagen gleicht die Rückgänge in einigen Schwellenländern derzeit vor allem durch eine steigende Nachfrage in Europa aus. Das Wachstum sei im zweiten Halbjahr "nicht in Gefahr", sagte Renschler am Mittwoch. Zuvor hatte sich Daimlers Lastwagen-Chef Wolfgang Bernhard sorgenvoller gezeigt. Er schaue "mit Vorsicht" auf die nächsten Monate in Europa, sagte Bernhard.

Renschler dämpfte Erwartungen, VWs Lastwagen- und Busgeschäft könne schnell an die Börse gehen: "Es gibt keinerlei Planung dazu", sagte der Manager im Interview mit Dow Jones Newswires auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Für einen Börsengang gebe es deshalb auch "keinen Zeitpunkt". Renschler fügte allerdings hinzu: "Komplexität ist kein Hindernis für den Börsengang. Zum richtigen Zeitpunkt werden wir den Schritt einfach machen."

Die Verantwortlichen von Volkswagens im vergangenen Jahr gegründeter Lkw- und Bus-Holding bemühen sich derzeit darum, Synergien zwischen den Töchtern MAN und Scania zu heben. Nach eigenen Angaben sparen die Nutzfahrzeughersteller des VW-Konzerns schon heute durch einen gemeinsamen Einkauf rund 200 Millionen Euro jährlich. Langfristig wollen sie aber vor allem durch eine gemeinsame Antriebsplattform Synergien im Umfang von rund 1 Milliarde Euro erzielen. "Andere haben zehn Jahre gebraucht, so etwas umzusetzen", sagte Renschler im Dow-Jones-Interview. "Wir werden es schneller schaffen, im Jahr 2020 oder 2021", kündigte der Manager an.

Umbau von Sparte Diesel & Turbo

Als Baustelle im Nutzfahrzeugkonglomerat von Volkswagen gilt auch die MAN-Tochter Diesel & Turbo, die etwa Schiffsmotoren herstellt. Sie passt wenig zu den übrigen Aktivitäten des Autokonzerns. "Wir haben derzeit kein Interesse an einem Verkauf von Diesel & Turbo", sagte Renschler am Mittwoch gleichwohl. "Wir werden in der Sparte aber einiges zu bewegen haben", fügte er hinzu. Zu einer möglichen Umstrukturierung des Unternehmens mit rund 14.500 Mitarbeitern sagte er: "Ich möchte das nicht ausschließen."

Volkswagen profitiert im Lastwagengeschäft derzeit von einem Nachfrageschub in Westeuropa. In der Region setzte der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr rund 15 Prozent mehr Lkw ab als ein Jahr zuvor. Im übrigen Jahr werde die Nachfrageentwicklung in Europa "stabil" bleiben, prognostizierte Renschler im Interview. Das Geschäft werde aber "nicht mit den gleichen Raten wachsen wie im ersten Halbjahr". Weltweit haben Volkswagens Nutzfahrzeugtöchter ihren Lkw-Absatz im ersten Halbjahr um rund 4 Prozent gesteigert. Die gute Entwicklung in Europa dämpften Nachfrageeinbrüche in Schwellenländern, vor allem in Brasilien.

Post als Kunde für E-Transporter

In der Zukunft will Volkswagen im Lastwagengeschäft auch mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen wachsen. Bislang allerdings scheint der Konzern bei dem Thema zurückzuliegen - selbst gegenüber der Deutschen Post, die derzeit mit der Serienfertigung eines elektrischen Vans beginnt. "Ich behaupte nicht, dass wir in der Vergangenheit immer alles richtig gemacht haben", sagte Renschler. Volkswagen werde im Jahr 2017 aber den elektrisch betriebenen Transporter e-Crafter auf den Markt bringen. Etwa Paketauslieferer bräuchten ein solches Fahrzeug. "Wir sind in ersten sehr guten Gespräche mit potenziellen Kunden - im Übrigen auch mit der Deutschen Post, die sehr interessiert an dem Fahrzeug ist", sagte Renschler.

Die 10 größten LKW-Hersteller der Welt

  • Shaanxi Truck

    Platz 10: Shaanxi Heavy-duty Automobile Group aus China (105.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem die Marke Shacman. - Quelle: Statista/Bild: Andshel/Wikipedia)

  • Tata Truck

    Platz 9: Tata aus Indien (130.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). - Quelle: Statista/Bild: Tata

  • Foton Truck

    Platz 8: Beiqi Foton Motor aus China (139.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). - Quelle: Statista/Bild: Charles01/Wikipedia

  • Paccar Truck

    Platz 7: Paccar aus den USA (14.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zur Gruppe gehören unter anderem die Marken DAF, Kenworth und Peterbilt. - Quelle: Statista/Bild: DAF

  • CNHTC Truck

    Platz 6: CNHTC aus China (159.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem die Marke Sinotruk. - Quelle: Statista/Bild: Meysam/Wikipedia

  • VW Truck

    Platz 5: VW Group aus Deutschland (165.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehören unter anderem die Marken MAN und Scania. - Quelle: Statista/Bild: VW

  • FAW Truck

    Platz 4: First Automotive Works (FAW) aus China (167.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört auch die Marke Jiefang. - Quelle: Statista/Bild: FAW

  • Volvo Truck

    Platz 3: Volvo aus Schweden (174.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem auch Renault Trucks. - Quelle: Statista/Bild: Volvo

  • Dongfeng Truck

    Platz 2: Dongfeng aus China (220.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört auch die Marke fengshen. - Quelle: Statista/Bild: DMC

  • Daimler Truck

    Platz 1: Daimler aus Deutschland (371.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehören unter anderem die Marken Mercedes Trucks, Freightliner, Western Star, Blamat Benz und Mitsubishi Fuso. - Quelle: Statista/Bild: Daimler