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VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann: „Die Maschinenproduktion sollte in diesem Jahr um real drei Prozent zulegen, auch wenn das Jahr 2017 drei Arbeitstage weniger als das Vorjahr hat.“ - Bild: VDMA

Produktion: Herr Brodtmann, wie läuft das Geschäft im deutschen Maschinen- und Anlagenbau und welche Entwicklung erwarten Sie für das zweite Halbjahr 2017?

Thilo Brodtmann: "In den ersten fünf Monaten des Jahres ist die Produktion preisbereinigt um 3,6 Prozent gestiegen, die Kapazitäten waren im April zu 85,6 Prozent ausgelastet. Diese Quote liegt nur knapp unter dem langjährigen Durchschnitt von 85,9 Prozent. Insofern hat sich die Lage im ersten Halbjahr gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 eindeutig verbessert.

Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir mit einer Fortsetzung des Wachstumstrends. Das signalisiert auch der Auftragseingang, der in den ersten fünf Monaten des Jahres real um vier Prozent zulegen konnte.

Insgesamt sollte die Maschinenproduktion in Deutschland in diesem Jahr um real drei Prozent zulegen können, auch wenn das Jahr 2017 drei Arbeitstage weniger hat als das Vorjahr."

Produktion: Welche Märkte sind derzeit für die Maschinenbau- und Anlagenbau-Branche von Bedeutung?

Brodtmann: "Gegenwärtig kommen aus vielen Märkten Wachstumsimpulse. Im Inlandsgeschäft haben sie sich zwar noch nicht im Umsatz, wohl aber schon im Auftragseingang niedergeschlagen. Das gilt auch für die Euro-Partnerländer.
Hier konnte der Bestelleingang im Zeitraum Januar bis Mai 2017/2016 um satte 18 Prozent zulegen.

Bei den anderen Auslandsmärkten gibt es positive Impulse aus vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Dazu zählen unter anderem Russland und Indien sowie China. Allein die Exporte nach China konnten in den ersten vier Monaten des Jahres um 15 Prozent steigen. Auch die Lieferungen in die USA, unserem größten ausländischen Markt, sind mit fünf Prozent Plus auf Wachstumskurs."

Produktion: Inwieweit haben politische Veränderungen dabei Einfluss auf das weltweite Geschäft?

Brodtmann: "Die Unternehmen schauen stets auf die politischen Rahmenbedingungen und selbstverständlich auch auf die Entwicklungen der internationalen Politik. Aktuell machen uns der weltweit aufkeimende Protektionismus, der Brexit und der Reformbedarf der Europäischen Union Sorgen. Das Investitionsklima kann unter solchen Bedingungen leiden, falls Fehler gemacht werden.

Andere politische Veränderungen wie der europafreundliche Ausgang der Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich oder das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der EU fördern dagegen die Wirtschaft und damit auch die Investitionsneigung der Unternehmen."

Produktion: Mit welchen neuen Technologien beschäftigt sich die Maschinenbau-Branche aktuell und was versprechen Sie sich davon?

Brodtmann: "Die enorme Anwendungsbreite des Maschinen- und Anlagenbaus bedeutet naturgemäß, dass viele verschiedene Technologien eine wichtige Rolle spielen. Von Antriebstechniken der Zukunft bis zu Technologien für Energieeffizienz, und um die Klimaziele zu erreichen.

Sicherlich herausragend sind Technologien im Kontext der Digitalisierung. Hier sind die Maschinenbauer als Anbieter und Anwender von Industrie 4.0-Technologien in einer Schlüsselrolle. Vielversprechend ist zudem Machine Learning als ein Teilbereich der Künstlichen Intelligenz. Hier wurden in letzter Zeit spektakuläre Durchbrüche erzielt und die Umsetzung von Machine Learning im Maschinen- und Anlagenbau ist eine Disruption, die mit umfangreichen Veränderungen einhergehen kann."

Produktion: Welche Schulnote geben Sie der Branchenkonjunktur?

Brodtmann: "Wir vergeben eine 2-."