Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)– Die Münchener rechnen nun nicht nur mit einem höheren Umsatzplus als bislang, sondern wollen auch deutlich profitabler arbeiten. Zumindest bei den Einnahmen könnte damit bereits in diesem Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreicht werden.

Der DAX-Konzern rechnet nach Angaben vom Donnerstag für das Schlussquartal mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung aus den ersten neun Monaten. Auf Gesamtjahressicht soll daher der Auftragseingang um mindestens 45% steigen und der Umsatz um mehr als 20%. Die Rendite will MAN auf dem Niveau der ersten neun Monate von 6,9% halten.

Zuvor hatten die Münchener mit einem Einnahmenplus von mehr als 10% und einer Umsatzrendite auf dem Niveau des ersten Halbjahres von rund 6% gerechnet. Wirklich überraschend kommt die Prognoseerhöhung allerdings nicht, da Finanzvorstand Frank Lutz bereits am Rande der Nutzfahrzeugmesse IAA Ende September angedeutet hatte, dass die Zielsetzungen zu konservativ sein dürften.

Mit dem neuen Ausblick nimmt MAN zumindest beim Umsatz wieder Kurs auf das Rekordniveau des Jahres 2008, als knapp 15 Mrd Euro eingenommen wurden. Bis allerdings das Profitabilitätsniveau aus dem Boomjahr erreicht werden wird, dürfte es noch dauern: Seinerzeit hatten die Münchener eine Rendite von 11,6% erwirtschaftet.

Im vergangenen Jahr hatte die MAN SE schwer unter der Wirtschaftskrise gelitten: Die Erlöse waren um rund ein Fünftel auf gut 12 Mrd Euro zusammengeschmolzen. Anders als einige der größten Konkurrenten verdienten die Münchener aber im operativen Geschäft Geld – zwar rund drei Viertel weniger als im Rekordjahr 2008, aber immerhin noch etwa eine halbe Milliarde Euro. Die Marge lag bei 4,2%. Netto war der Lkw-Hersteller aufgrund von Abschreibungen und Kosten im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre jedoch in die roten Zahlen gerutscht.

In diesem Jahr ging es für MAN dann wieder aufwärts – zuerst in Lateinamerika, dann nach fast zweijähriger Talfahrt auch in Europa. Im globalen Nutzfahrzeuggeschäft legten die Auftragseingänge im bisherigen Jahresverlauf um gut 70% zu, weiteres Wachstum – auch beim Ergebnis – wird für das Schlussquartal erwartet.

Inzwischen will MAN in diesem Jahr 115.000 bis 120.000 Fahrzeuge verkaufen, mehr als die Hälfte davon in Lateinamerika. Zu Jahresbeginn war der DAX-Konzern noch vorsichtiger gewesen und von einem Absatz von mehr als 100.000 Nutzfahrzeugen ausgegangen.

“Der europäische Nutzfahrzeugmarkt erholt sich schneller als erwartet”, schrieb Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen in seinem Brief an die Aktionäre. Zudem profitiere MAN von den wachsenden Märkten in Brasilien und über die Kooperation mit Sinotruk in China. Der Positivtrend in Europa werde auch in den folgenden Quartalen anhalten, stellte der Manager in Aussicht. Das von Großaktionär Volkswagen übernommene Lateinamerika-Geschäft soll ein stabiler Ergebnisträger bleiben.

Im abgelaufenen dritten Quartal schnitt MAN besser ab als erwartet. Der Auftragseingang stieg um 40% auf 3,72 Mrd Euro, der Umsatz auf 3,76 (Vorjahr: 3,10) Mrd Euro. Operativ verdiente der DAX-Konzern zwischen Juli und September 324 Mio Euro, weit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich blieben 179 (4) Mio Euro. Analysten hatten mit Einnahmen von 3,65 Mrd Euro, einem operativen Ergebnis von 274 Mio Euro und einem Nettogewinn von 158 Mio Euro gerechnet.

Die Hoffnungen auf gute Quartalszahlen wurden zuletzt auch durch die positiven Ergebnisse der Konkurrenz geschürt: Scania und Volvo ließen sich bereits in den vergangenen Tagen in die Zwischenbilanz für das dritte Quartal schauen. Die schwedischen MAN-Wettbewerber verbuchten ebenfalls deutliche Zuwächse bei den Neuaufträgen, den Einnahmen und beim Gewinn. Branchenprimus Daimler wird die Zahlen am späten Vormittag vorlegen.