Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Dass es wieder aufwärts geht, hatten zuletzt bereits die Zahlen der schwedischen Wettbewerber Scania und Volvo gezeigt.

MAN rechnet nun nicht nur mit einem höheren Umsatzplus als bislang, sondern will auch deutlich profitabler arbeiten. Auf Gesamtjahressicht soll der Auftragseingang um mindestens 45% steigen und der Umsatz um mehr als 20%. Finanzchef Frank Lutz hält sogar die 15-Mrd-Euro-Marke für erreichbar. Das entspräche einem Zuwachs um rund ein Viertel und wäre ein neuer Rekord. Die Rendite will MAN auf dem Niveau der ersten neun Monate von 6,9% halten. Zuvor war der DAX-Konzern von einem Einahmenzuwachs um 10% und einer Marge von 6% ausgegangen, hatte zuletzt allerdings bereits eine Anhebung angedeutet.

Mit dem neuen Ausblick nimmt MAN zumindest beim Umsatz wieder Kurs auf das Vorkrisenniveau. Bis allerdings das Profitabilitätsniveau aus dem Boomjahr 2008 erreicht werden wird, dürfte es noch dauern: Seinerzeit hatten die Münchener eine Rendite von 11,6% erwirtschaftet. Nach dem Absturz im vergangenen Jahr werde der Markt frühstens 2012 wieder auf das Vorkrisenniveau kommen, auch wenn im nächsten Jahr mit einer Verbesserung zu rechnen sei, erklärte Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen in einer Telefonkonferenz.

Im vergangenen Jahr hatte MAN schwer unter der Wirtschaftsflaute gelitten: Die Erlöse waren um rund ein Fünftel auf gut 12 Mrd Euro zusammengeschmolzen. Anders als einige der größten Konkurrenten verdienten die Münchener aber im operativen Geschäft Geld – zwar rund drei Viertel weniger als im Rekordjahr 2008, aber immerhin noch etwa eine halbe Milliarde Euro. Die Marge lag bei 4,2%. Netto war der Lkw-Hersteller aufgrund von Abschreibungen und Kosten im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre jedoch in die roten Zahlen gerutscht.

In diesem Jahr ging es für MAN dann wieder aufwärts – zuerst in Lateinamerika, dann nach fast zweijähriger Talfahrt auch in Europa. Im globalen Nutzfahrzeuggeschäft legten die Auftragseingänge im bisherigen Jahresverlauf um gut 70% zu. Inzwischen will MAN in diesem Jahr 115.000 bis 120.000 Fahrzeuge produzieren und verkaufen, mit bis zu 65.000 davon mehr als die Hälfte in Lateinamerika. Zu Jahresbeginn war der DAX-Konzern noch vorsichtiger gewesen und von einem Absatz von mehr als 100.000 Nutzfahrzeugen ausgegangen.

“Der europäische Nutzfahrzeugmarkt erholt sich schneller als erwartet”, schrieb Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen in seinem Brief an die Aktionäre. Zudem profitiere MAN von den wachsenden Märkten in Brasilien und über die Kooperation mit Sinotruk in China.

Im abgelaufenen dritten Quartal schnitt MAN deshalb besser ab als erwartet. Der Auftragseingang stieg um 40% auf 3,72 Mrd Euro, der Umsatz auf 3,76 (Vorjahr: 3,10) Mrd Euro. Operativ verdiente der DAX-Konzern zwischen Juli und September 324 Mio Euro, weit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich blieben 179 (4) Mio Euro. Analysten hatten mit Einnahmen von 3,65 Mrd Euro, einem operativen Ergebnis von 274 Mio Euro und einem Nettogewinn von 158 Mio Euro gerechnet.

Erfolgsgarant war einmal mehr das 2009 von Großaktionär Volkswagen übernommene Lateinamerika-Geschäft, in dem MAN einen Gewinn von rund 92 Mio Euro einfuhr und damit einen neuen Rekord aufstellte. Neben der Erholung in Europa wirkten sich zudem Erträge aus den Kapitalbeteiligungen an Scania und dem chinesischen Joint-Venture-Partner Sinotruk in Höhe von insgesamt rund 57 Mio Euro positiv aus.

Die Hoffnungen auf gute MAN-Quartalszahlen wurden zuletzt bereits durch die positiven Ergebnisse der Konkurrenz geschürt: Scania und Volvo ließen sich bereits in den vergangenen Tagen in die Zwischenbilanz für das dritte Quartal schauen. Die schwedischen MAN-Wettbewerber verbuchten ebenfalls deutliche Zuwächse bei den Neuaufträgen, den Einnahmen und beim Gewinn. Branchenprimus Daimler hob heute ebenfalls die Prognose an und will operativ nun 1,1 Mrd Euro mit Lastwagen verdienen, ein Zehntel mehr als bisher angepeilt.

Am Markt werden die Zahlen von MAN unterschiedlich bewertet. Einige Teilnehmer sprechen von guten Ergebnissen, andere sind eher enttäuscht, weil ein guten Stück der Gewinnzuwächse auf die Beteiligungen an Scania und Sinotruk zurückzuführen ist. Die erhöhte Prognose war erwartet worden und sorgte nicht für Impulse. Die MAN-Aktie, die in den vergangenen Wochen deutlich hinzugewonnen hatte, steht am Donnerstag unter Druck und notiert am Nachmittag bei 79,45 Euro um 2% im Minus.